Horche Se Mol! – „Der schönste Arbeitsplatz der Stadt“ Horche se mol | 30.05.2026 | Erika Weisser

Hans Oelze

Seit April ist Hans Oelze Leiter des Archäologischen Museums Colombischlössle (ArCo) Freiburg. Dort arbeitet der 42-Jährige seit 2010, zuletzt als Stellvertreter von Helena Pastor Borgoñón, die nach 21 Jahren in den Ruhestand geht.

Wie kamen Sie zur Archäologie?

Schon als Kind habe ich meine Eltern in sämtliche Museen gezerrt, wollte alles über frühe Geschichte erfahren. Wir wohnten in der Nähe von Bühl, wo damals der Kies abgebaut wurde, der sich im Lauf der nacheiszeitlichen Gletscherschmelze dort abgelagert hatte. Und irgendwann stand jemand vor unserer Haustür, der bei der Arbeit auf Zähne von Mammuts gestoßen war. Das hat mich sofort völlig fasziniert. Ebenso wie später die am Petersfels bei Engen entdeckten feinen, aus dem Sprungbein von Schneehasen gefertigten Knochen-Nähnadeln. Sie zeigen, dass Steinzeitmenschen keine primitiven Höhlenmenschen waren, sondern vernunftbegabte und nachhaltig handelnde Frauen und Männer, die in der Lage waren, ihre Kleidung zu nähen und sogar die dazu notwendigen Werkzeuge herzustellen.

Das ArCo ist also der richtige Ort für Sie?

Ich freue mich jeden Tag darauf, hierher zu kommen. Museen sind ja Orte, wo Menschen zusammenkommen. Und abgesehen davon, dass es der schönste Arbeitsplatz ist, den ich mir jemals hätte vorstellen können, gefällt mir auch der hier herrschende Teamgeist: Viele ganz unterschiedliche Menschen entwickeln gemeinsam neue Konzepte und Formate; dabei traut jede jedem zu, dass sie oder er die gestellte Aufgabe bewältigen kann. Besonders begeistert mich die Art und Weise, wie hier Archäologie vermittelt wird: Schlüsse, die wir aus regionalen Funden ziehen, werden so niedrigschwellig und so schnell wie möglich zugänglich für alle gemacht und sowohl in ihren historischen Kontext gestellt als auch mit heutigen relevanten Fragen verlinkt. Das strahlt nach außen: 2025 hatten wir 38.610 Besucher.

Gibt es da überhaupt noch etwas zu optimieren?

Wir haben in den letzten Jahren die gesamte Dauerpräsentation neu konzipiert; das ist nun abgeschlossen. Dadurch haben wir mehr Kapazitäten für größere Sonderausstellungsformate und werden uns demnächst den großen Themen „Spiel“ und „Wasser“ widmen. Außerdem werden wir den digitalen und inklusiven Ausbau voranbringen.

Foto: © Patrick Seeger