Horche Se Mol! – „Brot aus der Apotheke“ Horche se mol | 30.06.2026 | Erika Weisser
Marcus Hafner lebt als Filmemacher in Freiburg. Während seines Bachelor-Studiums der Mediengestaltung an der Hochschule Offenburg war er an mehreren Projekten beteiligt, etwa am Spielfilm „Jolly Rogers“. Ganz neu ist seine Doku „Doppelback“ über eine moderne Variante des Bäckerhandwerks.
Wie kam es zum Film?
Im Dokumentarfilmkurs meines Master-Studiengangs sollte ich eine eigenständige Arbeit vorlegen. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema kam von meiner Frau der entscheidende Hinweis: Sie arbeitete damals in den vom Sozialwerk Breisgau betriebenen Werkstätten am Bruckwald in Waldkirch und wusste, dass Kai Kolacek, der die dortige Bäckerei leitete, sich selbstständig machen wollte. Er hatte auch schon einen Kollegen gefunden, der den Schritt mit ihm wagen wollte: Patrick Spitz. Und der war durch seine Arbeit im „Backhaus der Vielfalt“ auf die leerstehende Apotheke in Freiburg-St. Georgen aufmerksam geworden, in der sie ihre eigene Backwerkstatt gründen wollten. Diese Idee ließ mich nicht mehr los.
Wie haben Sie diese umgesetzt?
Ich war während eines ganzen Jahrs immer wieder bei den beiden, habe sie und ihr Projekt durch die Kamera beobachtend begleitet. Das fing mit dem Umbau an, umfasste die Ausarbeitung der Konzeption, die Einrichtung der Backstube sowie die Entstehung der ersten Brote – und endete mit der Eröffnung des Ladens.
Was ist ungewöhnlich an dem Projekt?
Sie teilen sich die Woche auf, so muss jeder nur an einem oder zwei Tagen nachts auf- und bis in die Morgenstunden in der Backstube stehen und dann bis in die Mittagszeit auch den Verkauf machen. Und jeder hat seine eigenen Spezialitäten: An Kais Backtagen gibt es andere Brote, Brötchen und Kuchen als an denen von Patrick. Aber beide sind mit Leidenschaft und Überzeugung am Werk, das viel Handarbeit und Feingefühl erfordert. Und Zeit, die man dem Teig lassen muss, damit er zu einem guten Brotteig reift. Außerdem arbeiten sie mit regionalen Getreide-Erzeugern zusammen.
Gab es ein besonderes Erlebnis?
Ja, der Tag, an dem ich die ganze Nacht mit Patrick in der Backstube und im Anschluss noch mit im Laden war. Hier hat sich mir erschlossen, welch gemeinwohlorientiertes Handwerk das ist. Ich bin sehr froh über diese Erfahrung. Und zufrieden mit dem Film, der dann auch mit „sehr gut“ bewertet wurde.
Foto: © ewei









