Horche Se Mol! – „Keine leichte Entscheidung“ Horche se mol | 28.04.2026 | Erika Weisser
Nach fünf Jahren als Münsterbaumeisterin verlässt Anne-Christine Brehm Freiburg. Sie folgt einem Ruf an die Universität Heidelberg, wo sie ab 1. April eine Professur für Europäische Kunstgeschichte übernimmt – mit Schwerpunkt Mittelalter.
Was fasziniert Sie so am mittelalterlichen Bauen?
Ich finde es großartig, nicht nur überwältigt vor einem architektonischen und statischen Meisterwerk wie etwa dem Freiburger Münster zu stehen, sondern auch zu erforschen, wie die Handwerker vor 800 Jahren arbeiteten, wie die Baumeister es schafften, einen Kirchbau zu konzipieren, von dem sie wussten, dass sie seine Fertigstellung nicht erleben würden. Wie mehrere Generationen ihr Wissen und ihre Techniken an die jeweils nächste Generation weitergaben und welche bis heute relevanten Arbeitsweisen sie dabei (weiter)entwickelten. Mich hat auch schon immer interessiert, wie es den damaligen Menschen gelang, das Geld zu sammeln für Projekte, an denen jahrhundertelang gebaut wurde.
Fällt Ihnen der Abschied vom Münster nun schwer?
Es ist ja hoffentlich kein endgültiger Abschied. Ich bin zuversichtlich, dass ich im Zuge meiner architekturhistorischen Forschungen immer wieder mit Freiburg zu tun haben werde – etwa über die Bedeutung des Bauhüttenwesens, über die auf Langlebigkeit angelegten Bautechniken und -materialien, über die Rolle der Steinmetze. Ich komme ja aus der Wissenschaft und freue mich nun sehr darauf, wieder forschen und lehren zu können. Das habe ich bei all den bereichernden Erfahrungen in der praktischen Arbeit schon vermisst. Dennoch war es keine leichte Entscheidung.
Was bedauern Sie am meisten?
Dass ich bei der Sanierung des Turm-Oktogons nicht mehr dabei bin. Das ist der Bereich zwischen Glockenstuhl und Turmhelm, er schließt oben mit der Aussichtsplattform ab. An vielen Stellen sind die Steine – besonders die in den 1910er- und 1960er-Jahren eingesetzten Kopien aus Plattensandstein – so schadhaft, dass hier ein Austausch stattfinden muss. Die Arbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen und sind auf mindestens 12 Jahre anberaumt. Dabei wird der Turm nie als Ganzes eingerüstet, sondern in vier Etappen, beginnend an der Nordwest-Ecke, wo einige Teile bereits notgesichert wurden.
Foto: © Anja Thölking








