Horche Se Mol! – „Dialekt ist Heimat“ Horche se mol | 28.02.2026 | Marianne Ambs

Hubert Klausmann

Hubert Klausmann wuchs in der Grenzstadt Breisach am Rhein auf. Nach dem Studium arbeitete er als Lehrer für Deutsch und Französisch in Ellwangen an der Jagst. Als Dialektforscher war er am „Vorarlberger Sprachatlas“ beteiligt und arbeitete als Professor an den Universitäten Bayreuth und Tübingen, wo er zuletzt die Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ leitete.

Herr Klausmann, was ist Ihre Muttersprache?

Als Kind habe ich den Breisacher Dialekt gesprochen. Durch meinen Umzug nach Ostwürttemberg habe ich mir dann eine Art süddeutsche Standardsprache angeeignet, wie es die meisten Menschen im Süden heute tun.

Warum haben Sie sich der Erforschung der alemannischen Dialekte verschrieben?

An den Dialekten kann man hautnah erleben, wie Sprache sich entwickelt, wie sie funktioniert, das hat mich unglaublich interessiert. Man erkennt, dass es für jeden Dialekt eine klare Grammatik gibt, und wer beim Sprechen davon abweicht, wird als „Nachmacher“ entlarvt. Unsere Aufgabe in der Dialektforschung ist es, diese Grammatik genau zu beschreiben.

Haben Dialekte heute noch eine Berechtigung?

Für alle, die noch einen Dialekt oder einen großräumigen Dialekt, einen Regiolekt, sprechen, ist der Dialekt mit Heimat verbunden. Daher ist er äußerst schützenswert. Den Dialekt darf man den Menschen nicht wegnehmen, denn Heimat ist ein ganz wichtiges Gut.

Können wir es schaffen, dass die alemannische Mundart in der REGIO nicht verschwindet?

Die alemannische Mundart wird sich aufgrund der Mobilität unserer Gesellschaft verändern und nicht mehr der alte Ortsdialekt der Großeltern sein. Aber auch in diesem neuen Gewand ist es noch ein Dialekt. Von Vorteil ist, dass im Süden der Übergang von Dialekt zur Standardsprache fließend ist, so dass wir je nach Situation eine Zwischenstufe wählen können. Der Dialekt ist dann dem familiären, vertrauten Bereich vorbehalten, wo er sich noch halten kann, wenn er dort weiterhin gesprochen wird. Wichtig ist auch, dass Schule und Medien besser mit der regionalen Variation von Sprache umgehen und süddeutsche Wörter oder Lautungen akzeptieren, so wie es der Duden schon macht.

Foto: © Hubert Klausmann