Liebesbrief ans Crash: „Ich denk an dich“ Kunst & Kultur | 16.07.2026 | Lars Bargmann

Fast 40 Jahre Nightlife: Der Saal des Crashs ist für viele Freiburger*innen mit Erinnerungen verbunden.

Liebes Crash,

als ich 1991 als Student von Hamburg nach Freiburg kam, habe ich mich sofort in Dich verliebt. Vielleicht weil Du auf mich in der Kleinstadt so großstädtisch gewirkt hast? Vielleicht weil ich die Mucke cool fand? Die Leute? Den kurzen Weg ins Drifters? Deinen unnachahmlichen Geruch? Das Rotzige? Dreckige? Unaufgeräumte? Die Pilspreise? Das alles und noch viel mehr.

Punk, Heavy Metal, Crunch, Underground gab es, laut, hart, schräg, lässig – nie geschniegelt, nie sufer un glatt. Mich hast Du immer ans Onkel O an der Hafenstraße erinnert. Nächtelang habe ich mich zwischen Tanzfläche und Tischkicker hin und her bewegt. Die Jungs und Mädelz konnten wirklich alle kickern. Ich auch, weil während meines Zivis in der DRK-Wagenhalle in Hamburg so ein Teil rumstand.

Und dann sind wir alle im Crash so lange wachgeblieben, bis die Wolken wieder lila waren. Und sind glücklich lächelnd durch die aufwachende Stadt nach Hause gegangen. Ach Crash.

35 Jahre ist das her, seit 39 Jahren bist Du da. An manchen Abenden standen draußen 100 Leute, rauchend, knutschend, streitend, trinkend – aber vor allem miteinander sprechend. Crash, du warst immer ein Ort, an dem Fremde zu Freunden wurden, an dem die einen Bands ihre ersten Konzerte spielten und die anderen ihre besten.

Dass nun keine Kohle mehr da ist, um weiterzumachen, das schmerzt. Die Leute stimmen mit den Füßen ab und wenn zu wenige das erleben wollen, was Du ihnen schenkst, dann geht diese Geschichte nun zu Ende. Aber, Crash, du weißt ja: Erst wenn keiner mehr an Dich denkt, biste tot. Ich denk an Dich.

Dein Lars Bargmann

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Fotos: © Till Neumann