Insolvent, aber optimistisch: „Crash“ vor Neueröffnung, Angebot für „Eimer“ STADTGEPLAUDER | 13.05.2026 | Till Neumann
"Existentiell bedroht": Das "Crash" ist geschlossen. Doch es soll weitergehen. Und der "Eimer" einziehen.
Eine Nachtleben-Institution wackelt: Das Crash hat im März Insolvenz angemeldet. Zu viele Schulden, zu wenig Einnahmen. Doch Betreiber Mario Held (67) will im Juni wieder aufmachen. In seinen Räumen beim Hauptbahnhof soll auch die Kneipe „Eimer“ eine Heimat finden.

Will weitermachen: Mario Held
„Richtig bergab“
„38 Jahre Subkultur in Freiburg stehen auf dem Spiel.“ Das hat die Crash-Crew am 15. April auf Instagram gepostet. Der Laden ist „existentiell bedroht“, heißt es da. Punk, Metal und Hardcore haben dort eine Heimat gehabt. In Räumen, die das Gegenteil von Hochglanz sind – ein verwegener Untergrund-Schuppen als Subkultur-Hochburg.
„Bei uns ist es nach Corona bergab gegangen – und zwar richtig“, erzählt Betreiber Mario Held. Allein die Stromkosten sind ein dickes Problem: 17.000 Euro Zahlungsrückstand verzeichnete das Crash im März – Schulden an die Badenova, die den Strom abstellte. „Die Stromkosten sind den letzten Jahren so dermaßen gestiegen, das wächst uns über den Kopf“, sagt Held. Monatlich zahle er 1845 Euro dafür. Früher seien es 400 gewesen.
Neue Formate entwickeln
Zudem habe das Crash die Preise seit fünf Jahren nicht erhöht, doch die Qualität der Events leide darunter. Als Miete fallen 1100 Euro monatlich an, so Held. Auch da sei man mit rund 30.000 Euro extrem im Zahlungsrückstand. Daher hat er im April ein Crowdfunding gestartet. Und bis zum 13. Mai 23.589 Euro gesammelt. „Das gibt uns einen Schub“, sagt Held.
Der Nachtmensch möchte unbedingt weitermachen. Das Crash soll ein „alternativer sozial kultureller Schuppen“ bleiben, aber wieder „en vogue“ werden. Konzerte oder die Waveparty sollen weiterbestehen. Doch auch neue Formate entwickelt werden. Das möchte er in Kürze mit seinem Team besprechen.
„Waren zu blauäugig“
Mit Selbstkritik spart Held nicht: „Wir waren zu blauäugig, nicht zielstrebig genug.“ In den 80ern und 90ern sei das Crash der „bestbesuchte Club in Freiburg“ gewesen. Heute sei es hier nur mit Punkrock und Metal schwer. Eigenveranstaltungen seien zuletzt schlecht besucht gewesen. „Mal 50, mal 100 Gäste.“ Man habe sich mit Partys über Wasser gehalten, so Held. Aber die seien nicht das, was das Crash ausmacht.
„Wir brauchen einen Umsatz von mindestens 2500 Euro am Wochenende“, sagt Held. Neue Konzepte müssen also her. Eine Idee ist eine Kooperation mit der Kneipe „Eimer“, die derzeit ohne Bleibe ist. Gespräche mit Betreiber Tobias Schmutz laufen bereits.
„Eimer“ soll unterkommen

Darf hoffen: Tobias Schmutz vom „Eimer“
Details gibt Held noch keine Preis. Nur so viel: „Es wird einen Eimer im Exil geben.“ Und zwar in seinen Räumlichkeiten. „Der Eimer passt ins Quartier Grün“, sagt Held. Die Kneipe sei eine Institution, die gute Metal-Sachen mache, er könne sie sich in keinem anderen Stadtteil vorstellen. Details möchte er mit Schmutz besprechen. Der „Eimer“-Chef musste im März seine Räume an der Belfortstraße nach Uneinigkeiten mit dem Vermieter verlassen. Seitdem sucht er eine neue Bleibe.
Für das Crash gibt es Hoffnung: „Die Gespräche mit der Stadt und der Badenova sind gut“, sagt Held. Er fange an, Gläubiger auszuzahlen. Am 4. Juni möchte er wieder öffnen. Sein Mietvertrag geht bis 2028. „Bis dahin sind wir abgesichert.“ Wenn die Finanzen wieder stimmen.
»Haben Hoffnung«: Team der Kultkneipe Eimer will weitermachen










