Leiden wie die Promis – Probetraining beim Insta-Hype Reformer-Pilates Sport | 01.07.2026 | Anna Castro Kösel
Reformer-Pilates erfreut sich großer Beliebtheit, gepusht durch unzählige Social-Media-Videos von freudig leidenden Fitness-Queens. Ist das Training so schön, schmerzhaft und effektiv zugleich? Ein Selbstversuch.
Der Burger vor der Reformer-Pilates-Stunde war ein Fehler. Zu der Erkenntnis komme ich, als ich vor dem „Schlitten“ stehe. Ein Gerät, das Respekt einflößt. Die fünf eingehakten Federn verraten: Hier wartet Widerstand.
Reformer-Pilates ist Lifestyle geworden. Gepaart mit Matchatrinken, Journaling und Manifestieren verspricht das Training mehr Ruhe, mehr Ausgleich, mehr Weiterentwicklung. Ronaldo tut es, Julia Roberts tut es, genau wie die US-Football-Profis der NFL.
Dabei sind die Ursprünge der Methode weit weniger glamourös: Der deutsche Zirkusartist Joseph Hubertus Pilates entwickelte die Grundlagen des Trainings während des Ersten Weltkriegs. Das nach ihm benannte Pilates-Training sollte zu mehr Kondition und Haltung verhelfen. Heute ist Pilates beliebter denn je. Besonders das Training am Reformer-Gerät boomt. Und hat seinen Preis: 20 bis 40 Euro zahlt man in Freiburg pro Stunde. Lohnt sich das?

Was Ronaldo kann, kann auch Anna? Die chilli-Autorin testet den Trendsport Reformer-Pilates in einem Freiburger Studio.
Sophia Barr, Trainerin im Studio Dynamic Arts, kam über Tanz zu dem Sport. „Reformer ist perfekt, wenn man zum Beispiel nach einer Verletzung wieder mit Sport anfangen, dehnbarer werden und die Tiefenmuskulatur stärken möchte.“ Der Vorteil des Reformer-Schlittens gegenüber der Matte: Man schont die Gelenke. Durch die Federn am Schlitten kann man den Widerstand anpassen.
Seit gut zwei Jahren spürt Barr den Trend. Viele Kurse seien ausgebucht. „Mir ist wichtig, dass wir uns auf die Übungen konzentrieren und nicht auf das Foto für Instagram“, sagt Barr. Mit mir trainieren drei andere Frauen. Laut Barr kommen auch immer mehr Männer hierher.
Nach Lockerungsübungen legen wir uns mit dem Rücken auf den Schlitten, die Fersen an der Fußstange. Nun heißt es, gegen den Widerstand ankämpfen: Beine strecken und beugen – kontrolliert, ohne zu schnell zurückzufedern. Bald brennen meine Oberschenkel.
Neben der Fußstange hat der Schlitten Schlaufen, in die man mit Händen oder Füßen schlüpfen kann. „Das hilft, sich auf einzelne Körperteile zu konzentrieren”, so Barr. Abwechselnd senken und heben wir das freie Bein, das Bein mit der Schlaufe wird gebeugt und gestreckt. Dann geht es an die Bauchmuskeln: Mit Crunches heben wir Schultern und Oberkörper kontrolliert an. Das erfordert viel Konzentration, die Zeit verfliegt.
Zuletzt sind die Arme dran: Wir setzen uns seitlich auf den Schlitten, eine Hand greift die Schlaufe. Nun muss ich beide Arme zueinanderziehen. Ich schaffe es nur zwei Mal. Die Arme schmerzen. Als ich vom Schlitten aufstehe, fühle ich mich ein paar Zentimeter größer.
Urs Granacher vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Uni Freiburg bestätigt, dass Reformer-Pilates als vergleichsweise sichere Trainingsform gilt, wenn man Gleichgewicht, Rumpfkraft und Beweglichkeit verbessern möchte. Er betont aber auch: „Die Methode ersetzt kein systematisches Kraft- oder Ausdauertraining.“
Reformer-Pilates kann sich lohnen, vorausgesetzt, man erwartet davon keine Wunder in Sachen Kraft oder Ausdauer. Der Selbstversuch hat Spaß gemacht. Auch ohne Matcha und Insta-taugliche Sportklamotten. Das nächste Mal dann ohne Burger im Bauch.









