»Man kann fliegen« – Warum Liv feministische Pole-Dance-Events in Freiburg veranstaltet Sport | 20.04.2026 | Till Neumann

Veranstaltet die erste Pole-Dance- Reihe Freiburgs: die Tänzerin Liv Veranstaltet die erste Pole-Dance- Reihe Freiburgs: die Tänzerin Liv

Akrobatik trifft Stange: Die Freiburger Tänzerin Liv (24) veranstaltet in Freiburg „Feministische Pole-Dance-Shows“. Die Reihe All Colours of Pole ist die erste ihrer Art im Breisgau. Im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann erzählt sie, wie sie gegen Vorurteile kämpfen möchte.

chilli: Liv, „All Colours of Pole“ soll mit Klischees brechen. Was sind die typischen?

Liv: Pole Dance kommt vom Strippen. Darin ist gar nichts falsch. Aber Pole Dance kann mehr sein. Es ist ein Sport und der sollte entsexualisiert werden. Es kann nicht sein, dass manche Mädels sich nicht trauen zu sagen, dass sie Pole Dance machen oder dass sie ihre Stange abbauen, wenn Mama und Papa zu Besuch kommen.

chilli: Wie kann so ein Abend helfen, das zu überwinden?

Liv: Wir zeigen jede Farbe von Pole Dance. Es gibt Oldschool, es gibt Heels, es gibt Duos, es gibt Championships. Das sind ganz viele Bereiche, wie man Pole Dance interpretieren kann. Genau das passiert auch bei meinen Events

chilli: Was ist das Faszinierendste an diesem Sport?

Liv: Kraft und Ausdauer in der Kombi. Und dass man fliegen kann. Also wenn man richtig gut ist, kannst du gegen die Gravitation arbeiten und sehr coole Tricks machen. Saltos an der Stange, eine Human-Flag, Drops, alles Mögliche.

chilli: Was passiert bei euren Events?

Liv: Die Show geht zwei Stunden. Eine Moderation begleitet durch den Abend. Jeder Act zeigt seine Interpretation von Pole Dance. Im April haben wir zwölf Tänzerinnen. Zu Weihnachten hatten wir mal eine Grinch auf der Bühne, es gibt immer was Neues.

chilli: Gibt es auch Männer, die bei euch Pole tanzen?

Liv: Auf jeden Fall. Bis jetzt war bei jeder Show ein Mann dabei.

chilli: Ihr wollt entsexualisieren, tragt aber knappe Outfits. Kein Widerspruch?

Liv: Nein. Es ist ein Unterschied, ob man was Kurzes anhat und das sexy findet, oder ob man etwas sexualisiert. Ein Kind, das einen Bikini anhat, will man auch nicht sexualisieren, richtig? Das ist einfach eine Sportwear, die man trägt. Man braucht viel Hautkontakt, um an einer Stange zu haften. Wenn man das sexualisiert, dann ist der Betrachter dafür verantwortlich. Nicht die Person, die etwas trägt.

chilli: Warum nennt ihr das feministische Tanz-Show?

Liv: Es ist feministisch, weil es mit Klischees bricht und weil es für Frauen ist. Es bricht zum Beispiel damit, dass da alte, reichere Männer sitzen, die eine viel zu junge Frau dafür bezahlen, zu tanzen. Das ist es gerade nicht.

chilli: Wie schmerzhaft ist der Sport?

Liv: Sehr schmerzhaft. Ich hab mal Sticker verteilt, da stand drauf: Pole is Pain. Die Haut muss erst mal absterben. Sie wird rot, blau und schwarz. Wenn die komplette Haut am Oberschenkel abgebrannt ist, dann tut’s nicht mehr weh.

chilli: Männer sind bei den Shows alleine nicht willkommen, grenzt das nicht aus?

Liv: Ich verstehe den Punkt. Aber es ist nicht viel kritischer zu sagen: Ich kann keine Pole-Dance-Show machen, weil dann super viele alte Männer kommen und sich meine Tänzerinnen nicht mehr wohlfühlen? Das ist das größere Problem, als dass ein Mann, der keine weiblichen Freunde hat, nicht zur Show kommen kann.

Live: „All Colours of Pole“ am 24. April ab 20 Uhr im Kulturraum Freiburg

Foto: © Michael Adler