Freiburgs Klimmzug-Maschine – Calisthenics-Athlet will Titel auf Europa-Level Sport | 30.07.2026 | Till Neumann

Will den Titel: Calisthenics-Sportler Benedikt Heizmann hat einen erstaunlichen Werdegang. Will den Titel: Calisthenics-Sportler Benedikt Heizmann hat einen erstaunlichen Werdegang.

Fünfzig Klimmzüge in zwei Minuten. Das traut sich Benedikt Heizmann zu. Der Freiburger leitet eine Kita – und betreibt nebenher leidenschaftlich Calisthenics. Der 32-Jährige möchte nun den Titel einer europäischen Sommerliga des Outdoor-Kraftsports erringen. Dabei war er früher das Gegenteil eines Vorzeigeathleten.

Klimmzüge, Liegestütze, Squat-Jumps, Dips. In vier Minuten muss Benedikt Heizmann davon so viele schaffen wie möglich. Das sind die Spielregeln der „League of Reps“. Der 32-Jährige wird bei der europäischen Calisthenics-Sommerliga an den Start gehen. Und trainiert dafür derzeit intensiv.

Schon 2022 und 2023 hat er jeweils einen Wettkampf der German Calisthenics League gewonnen, berichtet er. „2023 mit der höchsten Punktzahl aller Teilnehmer deutschlandweit“, so Heizmann. Nach einem Jahr Pause, da ihn sein Job als Kita-Leiter in Littenweiler in Beschlag nahm, möchte er nun wieder angreifen.

In Berlin tritt er am 1. August bei einem Wettkampf der League of Reps an. Am 20. September dann in Heidelberg. Er rechnet sich gute Chancen aus: „Ich habe gesehen, dass die aktuelle Höchstpunktzahl europaweit nicht so weit weg ist von dem, was ich in Trainings simuliere.“ Sein Ansatz: „Ich orientiere mich nach oben.“

Für seinen Vier-Minuten-Wettkampf gibt es vier Disziplinen: Klimmzüge geben vier Punkte, Dips drei, Liegestütze zwei und Squat-Jumps einen. Heizmanns Plan: „Ich werde etwa zwei Minuten lang nur Klimmzüge machen, etwa 50 will ich da raushauen.“ Dann folgen 30 bis 50 Dips. Danach macht er die Jumps, „damit die Oberarme Pause haben“. Zuletzt Liegestütze, „einfach alles, was geht“.

einhand handstand

Ob er jemanden aus Freiburg kennt, der fünfzig Klimmzüge in zwei Minuten schafft? „Nein“, sagt Heizmann. Sein Antrieb: „Ich will mir sagen: Geil, ich habe das nochmal geschafft.“ Und sich zeigen, dass er auch mit 32 noch die 18-Jährigen besiegen kann.

Leiden muss Heizmann beim Training nicht: „Das fühlt sich nicht wie Quälerei an.“ Wichtiger als Maximalbelastung („max out“) sei es, die Belastung moderat zu steigern. Schon am Vortag freue er sich aufs Training. Höhepunkte sind, wenn nach viel Übung etwas Neues klappt. Zum Beispiel ein Muscle-up. Vier Monate trainierte er dafür.

Ernährung ist ein Teil des Erfolgs: Seit rund acht Jahren frühstückt er jeden Morgen das Gleiche: Haferflocken, Beeren, Mandelmilch und Co. – mit wechselndem Proteinpulver. Abends gibt’s eine „cleane Mahlzeit“, zum Beispiel Reis, Hühnchen und Brokkoli. Ein Eis ist trotzdem mal drin.

Dass der Freiburger so fit ist, war nicht absehbar. Nach dem Abi wog er rund 110 Kilo. „Ich bin in ein Loch gerutscht“, erinnert er sich. Bis er sich sagte: „Krieg deinen Arsch hoch.“ Er begann zu trainieren – erst zu Hause, dann im Studio. Später entdeckte er über einen Freund Calisthenics, wurde Teil des Freiburger Vereins Black Forest Movement, der den Calisthenics-Park im Dietenbachareal mit aufgebaut hat.

Heute wiegt er rund 70 Kilo, fühlt sich wohl und lebt auch für seinen Sport: „Calisthenics kannst du immer und überall machen – und es sieht cooler aus als ein paar ­Bizeps-Curls im Fitness-Studio.“ Seinen Wandel dokumentiert er auch auf Instagram: Drei Fotos zeigen, wie Heizmann zur Klimmzugmaschine wurde. Das Motto: „Drangeblieben“. 

Fotos: © Kathrin Rohrer