SOS am Beckenrand – Wie Bademeisterin Lena Seidel ihren Job macht Sport | 24.08.2026 | Till Neumann

Safety First: Lena Seidel will Sicherheit vermitteln. Safety First: Lena Seidel will Sicherheit vermitteln.

Heißer Sommer, volle Bäder. Wie meistern Bademeister·innen den Rummel in Freiburgs Bädern? Das chilli hat Lena Seidel im Einsatz begleitet. Die 26-Jährige ist Freiburgs jüngste Fachangestellte für Bäderbetriebe in dem Job und sagt: Kommunikation ist alles. Schließlich gab es gerade einen Eklat.

Dienstagnachmittag. 32 Grad. Schon an der Kasse des Freibads St. Georgen wird’s hitzig: Ein Familienvater echauffiert sich, weil er trotz Handyticket durchs Drehkreuz muss. „No Brain, no Pain“, schimpft er über die Frau am Schalter.

Ein paar Meter weiter steht Lena Seidel. Rotes Shirt, schwarze Shorts, lila Schuhe. Sie ist seit Juli ausgelernt – und diesen Sommer tätig hier im Freibad. „Heute ist es recht ruhig“, erklärt Seidel und läuft unter einen Sonnenschirm am Becken. Ihre Base im Bad. Sie hat vorhin ein Kind mit einem Pflaster verarztet, sonst gab’s keine Zwischenfälle.

Die größte Herausforderung: „Die Hitze belastet auch uns“, sagt Seidel. UV-Schutz 100 hat sie im Gesicht. Mit wachen Augen beobachtet sie das Becken. „Wir scannen das Wasser, um nichts zu übersehen“, erklärt die blonde Frau mit Sonnenbrille.

Ihr Fokus: „Es ist vor allem wichtig: Was passiert unter dem Wasser.“ Entscheidend seien zudem Bereiche an der Rutsche und der Übergang vom Schwimmer- zum Nichtschwimmerbereich. Drei bis vier weitere Kollegen stehen am Becken, beobachten das Treiben. Zudem sind Securitys in schwarzen Shirts im Bad.

Rund 900 Gäste sind es heute. „Sicherheit ist der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Seidel. Ihre Mission: Gästen helfen, ein gutes Gefühl vermitteln, ansprechbar sein. Notfälle und Konflikte seien selten. Dabei kam es gerade hier zum Eklat: Ende Mai musste Polizei anrücken, um erzürnte Gäste vom Gelände zu begleiten. Hausverbot. Junge Frauen – Teil einer Sinti-Familie – badeten in Röcken. Der Bademeister untersagte das. Sie fühlten sich diskriminiert. Es gab Streit zwischen Bademeister und Familie.

„Ruhiger Tag“: So entspannt wie heute ist es nicht immer.

„Ruhiger Tag“: So entspannt wie heute ist es nicht immer.

Der Fall war bundesweit in den Medien. Heute ist er gelöst: Der Bäderchef entschuldigte sich. Die Badeordnung wurde angepasst. Baderöcke sind nun erlaubt.

Doch Schwimmbäder bleiben ein heißes Pflaster in diesem Sommer. Auch wegen Smartbrillen, die heimlich Gäste filmen, Unfällen oder Schlägereien. Zu spüren ist davon heute nichts: „Kommunikation ist alles“, betont Seidel. Sie und ihre Kolleg·innen möchten dafür sorgen, dass kein Streit nötig ist. „Positives Auftreten ist wichtig“, betont die junge Frau. So will sie Situationen klären, bevor sie dramatisch werden. Auch die Security sieht sie als präventive Maßnahme.

Ihre goldene Formel lautet SOS – eine interne Abkürzung für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit. Für den Ernstfall ist Seidel vorbereitet. Gelernt hat sie das in der Ausbildung bei der Freiburger Stadtbau. Über 50 Meter musste sie dabei einen anderen Badegast in nassen Klamotten abschleppen – auf Zeit. Davor war sie Rettungsschwimmerin bei der DLRG.

„Bisher musste ich niemand aus dem Wasser ziehen“, berichtet sie. Dann läuft eine Mama mit weinendem Kind zum Bademeister-Raum. Bevor Seidel helfen kann, ist ein Kollege zur Stelle. „Sieht aus wie ein ganz typischer Fall: Meistens ist bei Kindern der Schreck größer als die Verletzung“, sagt Seidel. Kurze Zeit später lächelt ein Mädchen sie an und ruft: „Ciao“. Ihr hatte Seidel mittags mit einem Pflaster geholfen.

„Menschen erinnern sich an einen“, erzählt Seidel. In der Stadt werde sie häufiger erkannt. Das bestätigt, dass es klappt mit dem Vermitteln eines guten Gefühls.

Um 12 Uhr hat sie angefangen. Um 20 Uhr schließt das Bad. Bis 20.15 Uhr ist sie da. Nur eines darf ihr nicht passieren: „Jemanden im Bad zu vergessen, wenn ich abschließe – das möchte ich auf keinen Fall erleben.“

Doch der Tag bleibt entspannt. Erstaunlich bei so viel Andrang: Bis Anfang August haben die Freiburger Bäder rund eine halbe Million Gäste gehabt.

Fotos: © Till Neumann