„Therapiestunde mit Lara Hulo“: Sängerin geht tief beim ZMF Musik | 24.07.2026 | Till Neumann
Will ihr Publikum umarmen: die queere Indie-Musikerin Lara Hulo im ZMF-Spiegelzelt
Wut, Liebe und Krisen. Die Sängerin Lara Hulo hat am Donnerstag im ZMF-Spiegelzelt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gegeben – und die Menge mit ihrer Band zum Tanzen und Jubeln gebracht. Die queere Künstlerin aus Berlin hat dabei vom schwierigsten Sommer ihres Lebens erzählt – und gezeigt, wie sie es rausgeschafft hat.
„Ich bin eine Mainbitch“
Dann „fick sie doch“ singt Lara Hulo im gleichnamigen Song. Und lässt die Menge das lautstark mitgrölen. Vor allem Frauen sind gekommen. Aber auch Männer, die sich mitreißen lassen und so explizite Lines mitträllern. Kein Blatt vor den Mund nehmen – das ist das Motto, wenn Hulo ihre Songs zum Besten gibt.
Auf Temperatur ist die Indie-Künstlerin schnell: Schon der zweite Song des Abends ist ihr Durchbruch-Track „Side B*tch“ aus dem Jahr 2023. „Ich will nicht nur deine Sidebitch sein, ich bleib lieber ganz allein“, donnert sie zu Piano, Bass und Drums. Und erzählt von einer gescheiterten Romanze, bei der sie einfach keine Hauptrolle bekommen hat. Hulo, die mit dem Lied viral gegangen ist, stellt nach dem Song klar: „Ich bin eine Mainbitch.“
Schreckliche Chatnachrichten
Es geht um toxische Beziehungen, Wege aus dem Schlamassel und Empowerment. Viel Mist hat die Frau in Jeansjacke und Adidas-Shorts schon erlebt und singt sich den Frust von der Seele. Sogar Ausschnitte aus Chatnachrichten an sie von einer Frau, die sie bedroht hat, liest sie vor. Ein emotionaler Moment, psychische Gewalt, die ihr angetan wurde. Hulo teilt solche Dinge offenbar auch, weil es ihr guttut. „Heute ist Therapiestunde mit Lara Hulo“, ruft sie und scheint die Menge umarmen zu wollen. „Ich bin in Therapie“, hatte sie vorher schon verraten.
Die Band, ein Quartett aus vier Frauen, ist eingespielt, liefert ab. Hulo präsentiert ihre Songs stimmgewaltig – und gönnt sich auch mal einen Abbruch. „Ich habe verkackt, wir fangen nochmal an.“ Charmant, ein frech, herzlich – so präsentiert sich die Musikerin – und erntet für den Song-Neustart einfach Applaus.
Ein mieser Sommer
Lara Hulo liebt Frauen, darum geht es oft in ihren Liedern. Und sie ist schüchtern, erzählt sie selbst. Den Frust von der Seele bekommt sie offenbar am besten mit Musik. Denn eine zurückhaltende Künstlerin sucht man hier vergeblich. So lässt Lara Hulo in den ausschweifenden Erzählungen zu ihren Songs oft tief blicken. Sie berichtet vom ersten Verliebtsein in eine Frau, über fehlendes Selbstbewusstsein als Musikerin und über beste Freunde, die sie aus toxischen Beziehungen gerettet haben.
Die Berlinerin sprudelt vor Geschichten. Offenbar geht es ihr gut. Doch der vergangene Sommer war der „heftigste in meinem Leben“. Durch ein tiefes Tal musste sie gehen wegen persönlicher Krisen, habe aber nun wieder zu sich gefunden. „Auch weil ich mehr spiele“, erzählt sie. Musik als Therapie – bei Lara Hulo scheint das zu funktionieren. Und so blüht sie beim abschließenden Moshpit in der Menge genauso auf wie bei der Freiburg-Jamsession mit ihrer Band. Ein Abend mit starken Texten von Frauen für Frauen, aber eben auch Männer, die sich mit solchen Themen beschäftigen.
Gegen Mamas Wunsch
Nach 90 Minuten Show gibt’s selbstgemachte Ohrringe von Mama für drei Euro. Dabei möchte ihre Mutter, dass sie die Teile für acht Euro verkauft. Hulo bleibt bei drei Euro. Auch das vielleicht Teil der Emanzipation einer Frau mit wilden Geschichten, starker Stimme und tiefschürfenden Texten.









