Der Möglichmacher: Markus Schumacher betreibt Freiburgs größte Booking-Agentur 4Musik | 20.07.2026 | Till Neumann

Markus Schumacher Dauerbrenner: Markus Schumacher hat seine Agentur Black Forest Voodoo mit viel Engagement aufgebaut.

Black Forest Voodoo. Was sich anhört wie eine magische Kräutermischung aus dem Schwarzwald, ist eine Booking-Agentur aus dem Breisgau. Markus Schumacher, Mitgründer der Band Äl Jawala, betreut dort fast 40 Acts – mit wachsendem Erfolg.

„Ich kreiere Momente“

An seinem Instrument: Markus Schumacher

El Flecha Negra, Fatcat, Malaka Hostel … Mit die größten Bands der Stadt tummeln sich bei Black Forest Voodoo. Spielen sie Konzerte, läuft das in der Regel über Markus Schumacher. Der 48-Jährige verhandelt Gagen, plant Touren, schließt Verträge. Seine Motivation: „Mir macht es Spaß, etwas zu erschaffen. Ich kreiere Momente, die Menschen bei Konzerten zusammenbringen.“

Das erzählt Schumacher in seiner Wohnung in Freiburg-Haid. Der Familienmensch hat dort sein Voodoo-Office. Handy, Rechner, Kommunikationstalent und ein großes Netzwerk – das sind die wichtigsten Tools für seinen Job.

Er sagte spontan ja

Angefangen hat er als Musiker. Mit der Band Äl Jawala war Schumacher seit 2000 international auf Tour – und bookte Konzerte. „Einer musste es übernehmen“, erinnert er sich. Schnell merkte er: „Das wurde immer größer.“ Erst plante er regionale Shows, später weit über Europa hinaus. „Die Erfahrung ist mit der Band gewachsen.“

Was „ein bisschen random begann“, wurde professioneller. Als eine befreundete Band – die Pentatones – bei ihm anklopfte, sagte Schumacher spontan Ja und stellte fest: Auch da klappte das Booking 1A. Schließlich lernte er die Freiburger Latino-Band El Flecha Negra kennen und übernahm auch deren Konzert-Orga.

„Ein besonderes Händchen“

2019 gründete er Black Forest Voodoo. Zum Start dabei: neben Äl Jawala und El Flecha Negra auch Malaka Hostel und La Nefera. Sie alle sprengen Grenzen: „Was mich besonders interessiert, sind Stilfusionen“, erklärt Schumacher. Bands, die aus der Masse herausstechen.

Äl Jawala

Äl Jawala: die Band von Markus Schumacher, mit der alles begann. Vorne Steffi Schimmer.

Dafür hat er ein Auge, findet seine Äl-Jawala-Kollegin Steffi Schimmer: „Black Forest Voodoo bietet eine extrem spannende Vielfalt an Musikstilen. Das ist das Besondere an Markus: ein Händchen dafür, wer einfach sehr gute Musik jenseits des Mainstreams macht.“ Und das sind viele geworden: Heute vertritt seine Agentur fast 40 Acts.

Agentur erst im „Anrollprozess“

Mit nur einem Mitarbeiter stemmt Schumacher das Business. „Meine Tage sind lang“, berichtet er. Mindestens acht Stunden täglich steckt er in die Agentur. Und ist fast durchgehend im Modus: „Ich muss erreichbar sein, wenn meine Bands auf Tour sind und es einen Notfall gibt.“

Dennoch empfindet das Schumacher nicht als Stress. Er sieht die Agentur im „Anrollprozess“, will weiterwachsen. Das Wichtigste dabei: künstlerische Begleitung. „Mit dem Blick von außen sieht man oft klarer, wo die Reise inhaltlich und ästhetisch hingehen soll“, sagt er. „Oder wie eine Vision gemeinsam auf den Punkt gebracht werden kann.“

„Sehr positiver Mensch“

Anfragen von Bands, die zur Agentur wollen, kommen viele. Oft muss Schumacher absagen, da die Kapazitäten fehlen. Die Menge seiner Acts sieht er als Erfolgsfaktor: „Es braucht einen gewissen Umfang, um nachhaltig zu funktionieren.“ Jede erfolgreiche Gruppe schaffe Synergien für andere. Das Netzwerk wächst, der Name geht durchs Land, Folgeanfragen werden generiert.

Schätzt die Zusammenarbeit: Tatán González Luis

Europaweit aktiv ist auch El Flecha Negra. Mitgründer Tatán González Luis führt den Erfolg auch auf die Kooperation mit Schumacher zurück: „Er ist ein vertrauenswürdiger und sehr positiver Mensch.“ Zehn Jahre harte Arbeit voller Lernerfahrungen würden sie verbinden. Ein weiteres Plus für González: „Markus ist ebenfalls Musiker.“ Er kennt die Bedürfnisse, hat ein amtliches Netzwerk zu Veranstalter·innen.

Pausen? Vergessen

Doch das Fädenziehen erfordert auch ein dickes Fell: „Man muss mit Kritik zurechtkommen – oder damit, dass Anfragen auch mal ignoriert werden“, sagt der Freiburger. Der größte Fehler sei, zu viel zu wollen, zu oft nachzuhaken.

Das Nervigste an seinem Job? „Der Bewegungsmangel“, sagt Schumacher. Jahrelang habe er im Schaffensdrang vergessen, für Ausgleich zu sorgen. Mittlerweile mache er bewusstere Pausen. Auch Urlaub mit der Familie muss drin sein. Ganz abschalten kann er dabei aber nicht. Mindestens 30 Minuten Business am Tag gibt’s auch da.

Freiburg war „weißer Fleck“

Die schönsten Momente für ihn sind positive Rückmeldungen zu seiner Arbeit. Und zu sehen, dass sein Wirken etwas anstößt: „Freiburg war lange ein weißer Fleck auf der Bandlandkarte“, sagt Schumacher. Inzwischen sei eine richtig schöne Szene gewachsen. Einige Bands weit über Deutschland hinaus erfolgreich.

Die Voodoo-Magie hat ihren Anteil daran. Auch wenn Fans vom Möglichmacher im Hintergrund oft nichts mitbekommen. Der Zauber wirkt – auch ohne sichtbar zu sein.

Von Freiburg in die Welt: zu Besuch bei Jazzhaus Records

Fotos: © © Zapppic, Sebastian Lucht, Klaus Polkowski, Till Neumann