ClockClock beim ZMF: Ein Abend, der lieber erlebt als gefilmt wurde 4Musik | 25.07.2026 | Kevin Kiefer

Frontmann Bojan „Boki“ Kalajdžić gibt bei ClockClock den Takt vor – im Hintergrund sorgt die Band für den mitreißenden Sound beim Auftritt im ZMF-Zirkuszelt.

Es gibt Konzerte, bei denen das Publikum den halben Abend durch Smartphone-Displays schaut. Und es gibt Abende wie diesen.

Als ClockClock am Donnerstagabend die Bühne im Zirkuszelt des Zelt-Musik-Festivals betritt, fällt schon nach kurzer Zeit etwas auf, das in Zeiten von Instagram, TikTok und Dauerstorys fast schon ungewöhnlich ist: Erstaunlich wenige Handys ragen in die Luft. Stattdessen singt, tanzt und klatscht das Publikum – und hört vor allem zu. Offenbar haben sich die Besucherinnen und Besucher entschieden, den Moment nicht für später festzuhalten, sondern ihn einfach zu genießen.

Nur zweimal ändert sich dieses Bild schlagartig: Als Sänger Boki und der Gitarrist die Bühne verlassen und sich mitten unter die Besucherinnen und Besucher im Zirkuszelt mischen, schnellen plötzlich unzählige Smartphones in die Höhe. Verständlich – diese Momente will sich kaum jemand entgehen lassen. Kaum stehen die beiden wieder auf der Bühne, verschwinden die Handys jedoch ebenso schnell wieder in den Taschen. Der Fokus liegt den restlichen Abend dort, wo er hingehört: auf der Musik.

Bereits vor Konzertbeginn hat im Fürstenberg-Bereich entspannte Festivalstimmung geherrscht. Die Freiburger Brauerei hat zahlreiche Gastronominnen und Gastronomen aus Freiburg und der Region eingeladen. Es ist eine Mischung aus Wiedersehen, Netzwerken und lockerem Sommerabend. Keine aufgesetzte VIP-Atmosphäre, sondern viele bekannte Gesichter, gute Gespräche und die Vorfreude auf einen Konzertabend, für den sich das Wetter glücklicherweise ebenfalls von seiner besten Seite zeigt.

Auf der Bühne braucht ClockClock keine lange Anlaufzeit. Sänger Boki und seine Band liefern vom ersten Song an genau das, was man sich von einer Liveband wünscht: Energie, Spielfreude und eine beeindruckende Nähe zum Publikum. Dass die Songs im Radio funktionieren, ist bekannt. Live entwickeln sie jedoch noch einmal eine ganz andere Dynamik.

Besonders bemerkenswert: Gleich zweimal verlassen Sänger und Gitarrist die Bühne und mischen sich mitten unters Publikum. Ohne Sicherheitszirkus, ohne große Inszenierung – einfach hinein in die Menschenmenge. Für viele ist das einer der Höhepunkte des Abends und zugleich ein Zeichen dafür, wie nahbar ClockClock trotz ausverkaufter Hallen und Festivalbühnen geblieben ist.

Überhaupt wirkt das Konzert erstaunlich ungekünstelt. Keine übertriebene Show, keine Effekthascherei. Stattdessen steht die Musik im Mittelpunkt.

Auch die Gemeinschaft spielt eine große Rolle. Als Boki die Band vorstellt und über den gemeinsamen Karriereweg spricht, wird er emotional. Er stellt die langjährige Freundschaft innerhalb der Band ebenso in den Mittelpunkt wie die Nähe zum Publikum. Genau das macht den besonderen Reiz dieses Abends aus.

Was ebenfalls überrascht: Die Zeit vergeht beinahe unbemerkt. Weit mehr als zwei Stunden dauert das Konzert inklusive Zugaben – eine Länge, die man heute selbst bei großen Tourproduktionen nicht mehr selbstverständlich erlebt. Trotzdem kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Im Gegenteil: Mit jeder weiteren Zugabe wächst die Lust auf den nächsten Song.

Das ZMF beweist einmal mehr, warum es seit Jahrzehnten zu Freiburg gehört wie das Münster oder der Schlossberg. Zwischen Biergarten, Zelt, regionalen Partnern und einem musikalisch vielfältigen Programm entsteht jedes Jahr genau jene besondere Mischung aus Festival und Heimatgefühl, die Besucher weit über die Region hinaus anzieht.

ClockClock wiederum zeigt eindrucksvoll, warum die Band aktuell zu den erfolgreichsten deutschen Pop-Acts zählt. Große Hits allein reichen dafür nicht. Es braucht Authentizität, Spielfreude und die Fähigkeit, Tausende Menschen vom ersten bis zum letzten Song mitzunehmen.

Und vielleicht bleibt von diesem Abend am Ende genau dieses Bild in Erinnerung: Tausende Menschen lassen ihr Handy die meiste Zeit in der Tasche, singen gemeinsam und erleben einen Sommerabend so, wie Konzerte eigentlich gedacht sind – mit einer einzigen Ausnahme: Als die Band mitten unter ihnen steht, darf dieser besondere Moment dann doch kurz auf den Smartphones der Freiburger festgehalten werden.

Fazit: Viel Herz, starke Songs, ein Publikum mit erstaunlich wenig Bildschirmzeit und ein ZMF-Abend, der noch lange nachklingen dürfte.

Fotos: © Kevin Kiefer