Grüne Wundertüte – Ermitage Arlesheim Erkunden & erleben | 15.04.2026 | Nicole Kemper
Imposant erhebt sich die Burgruine Birseck auf dem
mit Höhlen und Felsen durchsetzten Schlosshügel.
Nur wenige Kilometer von der geschäftigen Basler Innenstadt entfernt befindet sich der größte englische Landschaftsgarten der Schweiz, die Ermitage Arlesheim. Mit einem einzigartigen Zusammenspiel aus Naturschönheiten und künstlich geschaffenen Erholungsinseln fasziniert die frei zugängliche Parkanlage seit über 200 Jahren Besucher aus der ganzen Welt.
„O BEATA SOLITUDO, O SOLA BEATITUDO“, steht in kapitalen Lettern auf einem weißen Kalkfelsen inmitten der Ermitage. Am Fuß des Felsens liefert eine Infotafel die Übersetzung der vor über 200 Jahren entstandenen Inschrift: „O glückliche Einsamkeit, o einzige Glückseligkeit.“ Tatsächlich gehört mitunter ein wenig Glück dazu, die Sehenswürdigkeiten im weitläufigen Gelände alleine und in Ruhe genießen zu können. Der größte englische Landschaftsgarten der Schweiz ist zu allen Jahreszeiten ein Besuchermagnet. Die Ausflügler verteilen sich allerdings auf ein Labyrinth aus verschlungenen Pfaden, Höhlen und Felsentreppen auf dem Burghügel sowie auf die Spazierwege rund um die künstlich angelegten Weiher in der Talsenke.

Schon im 18. Jahrhundert wurde das Flanieren in der Ermitage folgendermaßen kommentiert: „Man brauchet zwei Stund, um überall bequem herumzukommen; und dennoch dabei ist zu bemerken, dass man niemals zweimal den nämlichen Weg machen muss.“ Ein „Rundgang“ durch die Anlage wird somit zu einem individuellen Zickzack- und Hochrunter-Erlebnis, begleitet von vielen spontanen Entscheidungen an Abzweigungen und Höhleneingängen. Verlaufen wird man sich dennoch nicht – engmaschig aufgestellte Hinweisschilder und Geländepläne geben den Ortsunkundigen Orientierung.
Der zentrale Ausgangspunkt für alle Touren durch das 40 Hektar große Gelände ist das Gebäudeensemble aus einem alten Gärtnerhaus und der historischen Mühle von 1780. Vom historischen Zentrum Arlesheims gelangt man in wenigen Gehminuten dorthin. Die entschleunigte Annäherung zu Fuß ist ebenso im Sinne der Gründer wie auch der heutigen Eigentümerin, die „Stiftung Ermitage Arlesheim und Schloss Birseck“. „Ort der Stille – heisst der Wille – der über – der Ermitage webt, – schwebt“ steht auf einer von 35 Aphorismen-Tafeln einer temporären Kunstinstallation, die die Besucher durch die Anlage begleitet.

Entdeckungen für Groß & Klein
Dies bedeutet aber nicht, dass der Park allein der Kontemplation vorbehalten ist, tatsächlich gleicht er einer überquellenden Wundertüte für die verschiedensten Interessenlagen. Neben den geologischen Besonderheiten bietet das Naturschutzgebiet im Talkessel von Arlesheim Lebensraum für tausende verschiedene, teils seltene Pflanzen- und Tierarten. Wanderer können den Besuch der Ermitage beispielsweise mit der acht Kilometer langen Drei-Burgen-Tour verbinden, die vom Schloss Birseck zu zwei weiteren Ruinen führt. Für Kinder wurde ein Rätselführer entwickelt, der zwölf Stationen spielerisch mit Informationen verbindet. Auch besondere Kraftorte sollen zu finden sein: Ein Geomantie-Lehrpfad verzeichnet zwölf Energiezonen auf dem Gelände. Die Besucher erleben beim Spaziergang durch die 40 Hektar große Anlage ein Wechselspiel von Licht und Schatten, steilem und flachem Gelände, Wegegeflechten und Sitzbänken, engen Höhlen und weiten Ausblicken, gespickt mit überraschenden Stationen. Wer sich aufs Lauschen besinnt, hört zwischen Vogelgezwitscher und dem Summen von Insekten das Geplätscher von kleinen Wasserfällen, unterbrochen von den Turmglocken des stattlichen Arlesheimer Doms.

Der englische Garten unterhalb des Schlosses wurde von Balbina von Andlau-von Staal, Gattin des bischöflichen Landvogts von Birseck, und ihrem Vetter, Domherr Heinrich von Ligertz, entworfen und 1785 eröffnet. Bei der Gestaltung des Schlosshügels spielte den Erschaffern dessen besondere geologische Ausformung mit zerklüftetem Kalkgestein und begehbaren Höhlen in die Hände. Ein imposantes Felsentor flankiert einen der möglichen Aufgänge, durch die dahinter liegende Höhle führen Steintreppen wieder ins Freie. Insgesamt befinden sich acht Grotten in der Parkanlage – urzeitliche Funde belegen, dass diese schon vor 15.000 Jahren von Menschen genutzt wurden. Beim Anlegen des Englischen Gartens wurden die natürlichen Geländemarken mit künstlich geschaffenen Stationen und idyllischen Sitzplätzen ergänzt.
Imaginäre Säulen und besondere Geheimnisse
An einige Bauwerke erinnern heute nur noch Infotafeln, die dazu auffordern, die eigene Fantasie spielen zu lassen und etwa die einst vorhandene antike Säule, das alte Holzkarussell oder ein Alpenchalet zu imaginieren. Andere Attraktionen wurden nach traditionellen Techniken und historischen Vorgaben neu gebaut. Hierzu zählt der „Holzstoß des Eremiten“, der als riesiger Quader aus gestapelten Rundhölzern sein wahres Inneres zunächst perfekt verbirgt. Nur wer genau hinschaut, entdeckt zwei große Scharniere inmitten der Stammenden – und ein aus dem ansonsten akkuraten Stapel vorspringendes Holzstück. Verwendet man dieses als Griff, lässt sich der vermeintliche Stapel mittels einer Tür öffnen und erweist sich als begehbarer Aussichtsraum mit Panoramafenster. Ganz in der Nähe beherbergt auch die mit Baumrinden verkleidete Waldbruderklause ein besonderes Geheimnis. Jeden Sonntag öffnet sich ihre Tür und die lebensgroße hölzerne Figur des Eremiten wird mit einer Automatik zum Leben erweckt.

Auf dem Gipfel des Schlossbergs erhebt sich das weithin sichtbare Wahrzeichen von Arlesheim, die Burgruine Birseck. Der einstige Bischofssitz ist von Ostern bis Ende Oktober jeweils mittwochs und sonntags zur Besichtigung geöffnet. Von dort aus geht es in einem großen Bogen durch ein kleines Waldgebiet den Hügel wieder hinab und an drei malerischen Weihern vorbei zum Ausgangspunkt der Rundtour.
Ermitage Arlesheim
Ermitagestrasse
CH-4144 Arlesheim
ermitage-arlesheim.ch
Öffnungszeiten
Landschaftsgarten: unbegrenzt
Waldbruderklause: ab Ostern, So. 14–17 Uhr
Schloss Birseck: ab Ostern, So. u. Mi. 14–17 Uhr
Café Weidhof im Ökonomieteil des Schloss Birseck: ab Ostern, So. u. Mi. 14–17 Uhr
Führungen für Einzelpersonen oder Gruppen: www.ermitage-arlesheim.ch/de/eine-fuehrung-buchen
ÖPNV:
Tramlinie 10, Haltestelle„Arlesheim Dorf“









