Die Route mit der roten Raute – wandern auf dem nördlichen Westweg Erkunden & erleben | 01.08.2025 | Erika Weisser
Im Mai 1900 weihte der Schwarzwaldverein mit dem Westweg von Pforzheim nach Basel seinen ersten durchgehenden Fernwanderweg ein. Mit der roten Raute markiert, verläuft die 285 Kilometer lange Route über den Hauptkamm des Schwarzwalds. Sie ist in Etappen unterteilt, deren Start- und Endpunkte gut mit Bus und Bahn erreichbar sind.
„Murgtaltor“ lautet die Inschrift auf dem aus groben Granitsteinen gemauerten Bauwerk, das sich Wandernden nordöstlich von Forbach förmlich in den Weg stellt. Das imposante Info-Portal steht am Eingang zur dritten Westweg-Etappe, die von hier aus über aussichtsreiche Höhen zur Hornisgrinde und zum Mummelsee führt. Es birgt Orientierungen für die bevorstehende Tagestour, bei der auf rund 28 Kilometern etliche anstrengende Höhenmeter zu überwinden sind.
Vom Bahnhof Forbach, den der Zug von Rastatt nach knapp halbstündiger Fahrt durch abwechslungreiche Landschaften erreicht, ist es nicht weit zum Portal. Wer indessen mit guten Karten oder der informativen Streckenabschnitts-Broschüre der Schwarzwald Tourismus GmbH ausgestattet ist, kann sich den kleinen Abstecher dorthin sparen: Der Bahnhof liegt direkt am Westweg, der in südwestlicher Richtung durch die Forbacher Altstadt verläuft.
Zeugnis alter Zimmermannskunst
Diese ist auf einem ganz besonderen Weg zu erreichen: auf der 38 Meter langen, freitragenden und von einem Schindeldach überspannten hölzernen Brücke über die Murg. Allein die Überquerung des Flusses, der von Baiersbronn kommend dem Rhein zustrebt, ist ein besonderes Erlebnis: Das 1778 erbaute Viadukt ist ein großartiges Zeugnis uralter Zimmermannskunst. Zwar wurde es in den 1960er-Jahren runderneuert und verbreitert, jedoch exakt mit allen historischen handwerklichen Details nach den originalen Plänen rekonstruiert. Kurz verweilen und staunen ist also angemessen.
Der Ort selbst ist schnell durchschritten, es ist ja auch noch ziemlich eben. Aber nur bis zur Maria-Hilf-Kapelle, wo der bequeme Weg sich plötzlich konstant und steil bergan schlängelt. Zwar geht es durch ein malerisches Murg-Seitental mit den nur in dieser Gegend anzutreffenden Heuhütten, doch der schnelle Anstieg über 450 Höhenmeter zur Wegscheid-Hütte sticht schon in die Beine – und strapaziert die Lungen. Oben angekommen, lädt eine Bank zu Wadenentspannung und kurzer Atempause ein – bevor es sanft und gelenkschonend bergab geht: zur Schwarzenbach-Talsperre, dem durch Stauung entstandenen größten See des Nordschwarzwalds. Er liefert das Wasser für die Energieerzeugung im Pumpspeicherkraftwerk Forbach.
Bald geht es jedoch schon wieder nach oben: über 350 Höhenmeter auf den ersten Tausender des Westwegs. Ein felsiger und Trittsicherheit erfordernder Pfad steigt steil zum Seekopf hinauf, vorbei am Herrenwieser See, der weit unten, am Fuß einer schwindelerregend hohen Karwand, sprichwörtlich still ruht. Hier ist der Weg das Ziel. Und die Aussicht, die sich auf dem 1001 Meter hohen, nur spärlich bewaldeten Gipfel in alle Himmelsrichtungen eröffnet, ist einfach grandios: eine sofort und nachhaltig wirkende Belohnung für die Mühen zweier herausfordernder Aufstiege auf relativ kurzer Strecke.

Ausblicke auf Wiesen und Wälder gibt es auf dem Westweg, der in Forbach auf einer historischen Holzbrücke die Murg überquert.
Hier steht außerdem ein Denkstein für Philipp Bussemer, einen der beiden Pioniere, die vor 125 Jahren die Idee für den Westweg hatten und dessen Erstmarkierung vornahmen. Von hier richtet sich der Blick auf den gar nicht weit entfernten Friedrichsturm, der die gerade einmal einen lächerlichen Meter höhere Badische Höhe krönt.

Info
Westweg (Etappe 3 + Hornisgrinde)
Start: Forbach
Ziel: Mummelsee
Länge: 28 Kilometer
Aufstieg: 1240 Meter
Abstieg: 930 Meter
www.westweg.de
Wanderkarte (Maßstab 1:50.000):
Westweg, Kompass Band 2505
oder: publicpress Bd. 395
oder Wanderkarten des Schwarzwaldvereins 225/234/235
Wie auf einem Dach der Welt
Die Strecke dorthin ist schnell zurückgelegt. Und die Besteigung der 168 Stufen des 30 Meter hohen Turms empfiehlt sich: Auf der Aussichtsplattform liegt einem der ganze Nordschwarzwald mit seinen Bergen, Tälern und Gewässern zu Füßen. Der Blick reicht bis ins Rheintal und die Vogesen im Westen, bei guter Sicht sogar bis in die Alpen im Süden. Hier oben kann schon der Eindruck entstehen, auf einem der Dächer der Welt zu verweilen.
Nicht weit von hier ist dann Anlass zum längeren Verweilen: Beim Naturfreundehaus ist etwa die Hälfte der Etappe erreicht. Und dieses an Wochenenden bewirtete Haus ist der genau richtige, weil baumbeschattete Ort für eine Brotzeit zur Halbzeit.

Vom 23 Meter hohen Hornisgrindeturm führen mehrere Wege bergab zum nahen Mummelsee.
Hernach geht es etwa vier Kilometer in bequemem, bis zur Bergwaldhütte Sand überwiegend ebenem Gelände weiter. Und irgendwann stellt sich beim Gehen eine gewisse Routine ein, bewegt sich der Körper wie von allein. Dieses Gefühl hält auch beim ebenso langen, eher leichten Anstieg zum Hochkopf an, dem ersten Grindengipfel auf der Strecke. Der Weg durch die „Grinden“ genannten, kahlen Hochmoor- und Heidelandschaften wird auch hier wieder zum Ziel – so schön ist es hier.
Zum sagenumwobenen Mummelsee
Doch das eigentliche Ziel, der Mummelsee, ist noch nicht erreicht. Zwar sind es von hier aus nur etwa fünf Kilometer, doch steht ein schwieriges Teilstück der Wanderung noch bevor: der Aufstieg auf das Gipfelplateau der fast 1165 Meter hohen Hornisgrinde. Er beginnt beim Naturparkzentrum Unterstmatt, das auch als Ausgangspunkt der vierten Westweg-Etappe gewählt werden kann. Auf einem schmalen Pfad, der sich nicht nur wegen der inzwischen intensiv brennenden Nachmittagssonne als sehr schweißtreibend erweist, sind weitere 250 Höhenmeter zu bewältigen. Am höchsten Punkt dieses höchsten Bergs des Nordschwarzwalds erhebt sich inmitten des teilweise nur auf Bohlenpfaden begehbaren Hochmoors der kleine Bismarckturm. Am südlichen Ende und kurz vor dem Abstieg zum Mummelsee gibt es am Hornisgrindeturm noch einmal ein ähnliches Dach-der-Welt-Gefühl wie auf der Badener Höhe. Erschöpft, doch erfüllt von schönen Ausblicken und Eindrücken, geht es schließlich langsam hinunter zum dunklen, waldgesäumten und sagenumwobenen Mummelsee. Nicht weit vom Mummelseetor ist dann auch schon die Haltestelle des Busses nach Bühl.

Einkehrtipp
Grinde-Hütte

Direkt neben dem alten Hornisgrinde Turm lädt die neue Hütte zum Fern-Sehen und Schmausen auf 1155 Metern Höhe.
Öffnungszeiten: Di.–So. 10.30 –17.30 Uhr
Küche von 11 Uhr bis 17 Uhr








