Chanderli-Radweg – Auf den Spuren der historischen Eisenbahn Erkunden & erleben | 03.10.2025 | Nicole Kemper

Eisenbahn

Mit der ratternden und schnaubenden Dampfeisenbahn durch das Kandertal zuckeln, am Zielort eine abenteuer­liche Schluchten­wanderung machen und anschließend gemütlich mit dem Fahrrad zum Ausgangspunkt zurück­rollen – so könnte ein erlebnis­reicher Familiensonntag aussehen. Ein Radweg begleitet die Zugstrecke der Museums­­bahn, so dass Ein- und Ausstiege mit dem Fahrrad an den Haltestationen möglich sind. 

Wenn es im Hals kratzt, ist es richtig: Die Aussprache des Chanderli-Radwegs stellt für alemannisch Ungeübte eine Herausforderung dar. Dafür ist der Begriff aber un­bestritten niedlicher als der hochdeutsche Zungenbrecher Kandertalbahn-Radweg. Die touristische Radroute entlang der Kandertalbahn verbindet mit durchgehend geteerten Wegen abseits der Autostraßen die Orte Haltingen und Kandern. Dazwischen passieren die Radler Binzen, Rümmingen, Wittlingen, Wollbach und Hammerstein, wo sich jeweils auch ein Zwischenhalt der Bahn befindet.

Ein blaues Loksymbol weist den Weg

Der Chanderli-Radweg wurde 2017 eröffnet, mit der Idee, eine familienfreundliche, leichte Fahrradstrecke zu bieten, die mit einer Fahrt in der historischen Dampf­eisenbahn verbunden werden kann. Der mit einem blauen Loksymbol aus­geschil­derte Radweg verläuft knapp 15 Kilometer lang parallel zu den Gleisen der Kandertalbahn. Das Umsteigen vom Fahrrad in den Waggon funktioniert jedoch nur zu bestimmten Zeiten: Die Museumsbahn verkehrt ausschließlich sonntags von Mai bis Ende Oktober – und sie befördert nur Radler, die sich mit reiner Muskelkraft fortbewegen; E-Bikes müssen draußen bleiben.

Gemütliche Zeitreise

Eine Fahrt mit ihr ist gleichwohl Zeitreise: Die Nebenbahnstrecke wurde im Jahr 1895 in Betrieb genommen und 1985 formal stillgelegt. Die geschichts­trächtigen Loks und Personenwaggons, die heute auf ihren Schienen unterwegs sind, lassen das Herz jedes Eisenbahnfreundes höherschlagen. Viele haben schon über hundert Jahre auf dem stählernen Buckel und werden in ehrenamtlicher Arbeit von den Mitgliedern des Kandertalbahn e.V. restauriert und unterhalten.

Kandertal

Bahnhof

Bahn und Flüsschen sind Begleiter des Radwegs durch die idyllische Kulturlandschaft des Kandertals.

Doch auch ohne Bahnfahrt ist der Chanderli-Radweg familien­­tauglich. Zwar kommen noch vor dem Ortsausgang von Haltingen die ersten Weinberge in Sicht, aber wie bei allen Hügeln und Berggipfeln, die das Landschaftsbild gestalten, ist gewiss: Hier muss nicht hinaufgeradelt werden! Zwischen Haltingen und Kandern ist lediglich ein Anstieg von 77 Meter zu überwinden, was auf der Gesamtstrecke kaum spürbar wird. Neben den Bahngleisen ist auch das namensgebende Flüsschen ab Binzen ein steter Begleiter auf der Tour: Die Kander entspringt östlich des Blauen, durch­zieht mit blumengeschmückten Geländern den Ort Kandern und fließt durch Eimeldingen und Weil, bevor sie in den Rhein mündet. Auf der Strecke bis Binzen streifen Fluss und Radweg die kleinen Orte meist nur am Rande, so dass sich die Ausflügler vor allem auf die vorbeiziehende Kulturlandschaft konzentrieren können.

Mühlen-Melancholie

Bei Wollbach lockt das Schild „Hofmühle” in eine Hofeinfahrt. Hier dreht sich das Wasserrad seit dem 15. Jahrhundert – heute allerdings nur noch, um die eichernen Speichen feucht zu halten. Das Mahlen hat der Müller Anton Neumeier aus Altersgründen längst aufgegeben, doch der 86-jährige sucht einen Nachfolger, der die Tradition der Mühle weiterführt.

Bizarre Felslandschaften

Kandertal

Hinter Hammerstein verengt sich das Tal und der Waldrand rückt an beiden Seiten des Wegs näher heran. Den Blicken verborgen ziehen sich westlich der Bahnstrecke die schmalen Pfade der Wolfsschlucht durch eine bizarre Felsenlandschaft mit urzeitlichen Kalksteinformationen. An der Brücke am Kanderner Ortseingang weist ein Schild den Weg in die Schlucht. Kunstliebhaber wird es vielleicht aber eher in Richtung Tourist-Info ziehen, von wo aus ein Themenweg mit zehn Stationen den Spuren von August Macke folgt. Der Künstler war Anfang des 20. Jahrhunderts häufig zu Besuch bei seiner Schwester, der Kronenwirtin. Zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle zeugen von seiner Verbundenheit mit dem „herrlichen Kandern”. In der Nähe des Keramikmuseums etwa lässt sich seine berühmte Sicht auf die Dorfkirche am Originalstandort mit dem heutigen Straßenbild vergleichen.

Kandertal Wolfsschlucht

Urzeitliches und Uraltes: Die Wolfsschlucht mit ihren bizarren Kalksteinformationen lockt zum Abstecher ebenso wie die historische Mühle in Wollbach.

historische Mühle in Wollbach

Mühelos zum Ziel

Wieder zurück im Fahrradsattel macht sich der Höhenunterschied auf der Rückfahrt nach Haltingen erfreulicherweise doch bemerkbar: Fast mühelos gleiten die Räder auf bekanntem Weg, der durch den Richtungs­wechsel erstaunlich andere Perspektiven darbietet.

Storch

Info

Chanderli-Radweg
Strecke: Haltingen – Kandern (-Haltingen)
Länge: 15 Kilometer bzw.
30 Kilometer mit Rückfahrt
Auf-/Abstieg: 77 Meter

Kandertalbahn
www.kandertalbahn.com

Tourist-Information Kandern
Hauptstraße 18
79400 Kandern
Tel.: 0 76 26/97 23 56
www.kandern.de

Fotos: © Sebastian Ross, Nicole Kemper, Stadt Kandern, freepik.com