Stille Schätze am Weg: Kapellen in der Regio – Orte der Einkehr & der Kunst Unterwegs | 06.09.2026 | Marianne Ambs, Nicole Kemper & Erika Weisser
„Junge“ Kapelle mit grandioser
Aussicht: die Ölbergkapelle in
Ehrenstetten wurde 1954 erbaut
und eingeweiht.
Zwischen Schwarzwald und Vogesen, am Rand von Dörfern, in Weinbergen und auf Anhöhen stehen sie oft unscheinbar am Weg: Kapellen gehören zur Landschaft der REGIO. Sie sind Orte der Einkehr, der Ruhe, des Gebets – und der Kunst. Die Bauwerke erzählen von Menschen, die mit dem Bau der Kapellen ihrer Frömmigkeit Ausdruck verleihen, um Schutz und besondere Hilfe bitten wollten. Geschmückt mit Fresken, Statuen und Altären sind manche der kleinen Gotteshäuser kunstgeschichtliche Schätze.
Titel-Foto: © Wikimedia.org/Comanderkeen
Glöcklehof-Kapelle
Alte Mauern,verborgene Bilder

Foto: © Kur und Bäder GmbH
Sie liegt eingezwängt zwischen dem ehemaligen Hofgut Glöcklehof und dem St. Ulrichshof in Oberkrozingen und gilt als das älteste Bauwerk der Stadt: Die Glöcklehof-Kapelle ist heute dem heiligen Ulrich geweiht. Deshalb findet dort am 4. Juli, dem St. Ulrichstag, stets ein Gottesdienst statt. Ansonsten bleibt die im 10. Jahrhundert aus Felssteinen errichtete Kapelle verschlossen.
Dass die Kapelle nicht durchgehend geöffnet ist, dient dem Schutz der kostbaren Wandmalereien aus dem Mittelalter, ein kunsthistorischer Schatz von großem Wert. Die Malereien legen nahe, dass die Kapelle einst dem heiligen Johannes gewidmet war. Denn neben Darstellungen der Taufe Jesu im Jordan und der Mantelteilung des heiligen Martin zeigt das Hauptbild die Leidensgeschichte von Johannes dem Täufer. In der Mitte thront Christus als Weltenrichter – eine der ältesten Christusdarstellungen nördlich der Alpen.
Vielleicht wären die Wandmalereien bis heute nicht bekannt, wenn nicht im Sommer 1936 der Kurgast Albert Pfeffer, Pfarrer und kirchlicher Denkmalpfleger der damaligen Diözese Rottenburg, unter dem Innenputz die Reste der Fresken entdeckt hätte. Experte für die Glöcklehof-Kapelle ist Architekt Felix Ruch. Seine sachkundigen Führungen machen den Zauber und die Geschichte des Baudenkmals lebendig.
Glöcklehof-kapelle
Staufener Str. 74
79189 Bad Krozingen
Nach Voranmeldung über das Pfarrbüro, Tel. 07633/9089490, ist eine Besichtigung möglich.
Tipp: Di. 8. September, 16–18 Uhr, Führung in der Kapelle mit Architekt Felix Ruch
Kapelle St. Alban
Pest, Gebete und alte Fresken

Foto: © Jörgens.mi, commons.wikimedia.org
Der Bötzinger Ortsteil Oberschaffhausen wurde 1838 nach Bötzingen eingemeindet. Er steigt entlang der Bergstraße den Kaiserstuhl hinauf. Historische Häuser und verwinkelte Gassen prägen hier das Dorf – und die Kapelle St. Alban, die von einer Anhöhe auf die Häuser schaut.
Gebaut wurde das „Peschdkirchle“ im Spätmittelalter von Menschen in Not. Nach dem Ausbruch der Pest im Breisgau baten Oberschaffhausener und Bötzinger Bürger 1473 den Bischof von Konstanz um Erlaubnis, Almosen für eine Kapelle sammeln zu dürfen. Erhalten ist die am 9. August 1481 ausgestellte Stiftungsurkunde von St. Alban. Mit dem Bau der Kapelle war die Bitte verbunden, dass Gott die Kaiserstuhldörfer vor der Seuche verschonen möge. Die Pest suchte Bötzingen und Oberschaffhausen dennoch heim. Das kleine Kirchlein wurde aber bald nach dem Bau mit Fresken ausgemalt, die kunstgeschichtlich von Bedeutung sind. Dem Einsatz des Ortspfarrers Leonhard Kempf ist es zu verdanken, dass von 1961 bis 1965 St. Alban gründlich saniert und die im 17. Jahrhundert übermalten Fresken freigelegt wurden.
Zu sehen ist etwa die überlebensgroße Figur des heiligen Mauritius, Führer einer christlichen Legion der römischen Armee, der mit seinen Soldaten im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt. Auf der gegenüberliegenden Wand ist das Martyrium des heiligen Sebastian dargestellt, der unter den römischen Kaisern Diokletian und Maximian mit Pfeilen beschossen und dann mit Keulen erschlagen wurde. In einer Nische über dem Westportal steht eine Statue des heiligen Alban von Mainz, seinen abgeschlagenen Kopf in den Händen. Er gilt als Schutzheiliger gegen die Pest. Das große „Pestkreuz“ im Altarraum entstand vermutlich Ende des 15. Jahrhunderts.
Sankt-Alban-Kapelle in Bötzingen
Bergstr. 56
79268 Bötzingen
Öffnungszeiten: täglich 8–18 Uhr
Sankt-Veits-Kapelle
Felsenheiligtum mit Panoramablick

Foto: © Nicole Kemper
Der weithin sichtbare Isteiner Klotz zwischen Istein und Kleinkems im Markgräflerland ist schon aufgrund seiner Geologie eine echte Besonderheit. Was Passanten aber unweigerlich zum Smartphone greifen lässt, ist die malerische St.-Veits-Kapelle: Wie direkt aus dem Stein gewachsen, thront sie spektakulär mitten in der Felswand.
Das pittoreske Sakralbauwerk entstand im 12. Jahrhundert als eine von zwei Burgkapellen der mittelalterlichen Felsenburg Istein. Die Erbauer nutzten dafür eine vom Rhein ausgewaschene Grotte. Geweiht wurde die kleine Kapelle dem heiligen Veit – einem der 14 Nothelfer. Als Schutzpatron soll er unter anderem Epilepsie (Veitstanz) heilen sowie vor Unwettern schützen.
Nach der Zerstörung der Burganlage wurde die Kapelle 1650 wieder aufgebaut. Bis zur Rheinbegradigung umspülten die Fluten des Rheins den mächtigen Felsen, heute fließt der Strom rund 300 Meter westlich in seinem kanalisierten Bett. Der frühere Flusslauf hat jedoch deutliche Spuren hinterlassen. Die anprallenden Wasser- und Geröllmassen haben im Laufe vieler Jahrtausende eine beachtliche Brandungshöhle in den Kalkstein gegraben und einen zehn Meter hohen Überhang geschaffen. Ungefähr auf der Höhe seiner Kante befindet sich der Eingang der steinernen Kapelle, der über eine Steintreppe an der Felswand erreicht werden kann.
Sein Bestehen verdankt das Bauwerk dem Engagement der Region: Während des Zweiten Weltkriegs befand sich im Isteiner Klotz eine Festungsanlage des Westwalls. Als französische Truppen sie zwischen 1947 und 1950 sprengten, wurde auch die Kapelle fast vollständig zerstört. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde sie durch eine Bürgerinitiative nach historischen Plänen wieder aufgebaut. Besucher können die Gebetsgrotte besichtigen und von der hölzernen Aussichtsbrücke den Blick über Rheinebene und Weinberge genießen.
Sankt-Veits-Kapelle im Isteiner Klotz
Öffnungszeiten: von Ostern bis Allerheiligen, 9–18 Uhr
La chapelle Saint-Urbain
Der Schutzpatron der Winzer

Foto: © CCTC
Eng schmiegt sich die kleine weiße Kapelle an den steilen Abhang des Weinbergs in den südlichen Ausläufern der Vogesen. Sehr schlicht und ohne jeden Zierrat ist sie, mit kleinen Fenstern, die das Tageslicht in den ebenfalls weiß getünchten, mit einfachem Steinboden und dunklen Deckenbalken versehenen Andachtsraum einlassen. Geweiht ist die im frühen 15. Jahrhundert erbaute, während der Französischen Revolution niedergerissene und 1933 wiedererrichtete Pilgerkapelle dem heiligen Urban, Schutzpatron der Winzer. Und der Weine: In den als Grand-Cru-Region klassifizierten Steillagen des Rangen gedeihen auf vulkanischem Boden Riesling, Gewürztraminer und andere Elsässer Sorten.
Die letzten Meter des Wegs vom Bahnhof Centre Thann bis hierher sind steil und ziemlich anstrengend. Doch die Mühe lohnt sich: Vom Vorplatz der Chapelle St. Urbain öffnet sich ein weiter Blick – hinauf in die Vogesen und hinab auf die von dort kommende, 80 Meter tiefer fließende Thur, die durch die Dörfer der Rheinebene nach Mulhouse und zum Ill strebt. Auf einem Hügel an der gegenüberliegenden Seite des Flusses sind die Ruinen der Engelsburg gut zu erkennen; am Fuß beider Erhebungen liegt das schöne Städtchen Thann, dessen Kirche wie eine kleine Version des Freiburger Münsters wirkt. Bei klarem Wetter sind der Rhein und sogar Ortschaften im Schwarzwald zu sehen.
Von hier aus erkannte der im Januar 1915 in Thann stationierte Reinerhof-Bauer Leopold Hättich aus St. Peter seinen Heimatort. Und er gelobte, nach der Rückkehr aus dem Krieg daheim eine Kapelle zu errichten, von der aus man in die Vogesen schauen könnte. Diese Vogesenkapelle steht bis heute.
Kapelle Saint-Urbain in Thann
Chem. Montagne
F-68800 Thann
Öffnungszeiten: rund um die Uhr
Kapellen-Wanderweg
Gut gegen Kopfweh

Seehofkapelle
Foto: © Hochschwarzwald Tourismus/Markus Ketterer
Im Hochschwarzwald gibt es zahlreiche Kapellen, die sich in Größe, Bedeutung und Historie sehr unterscheiden. Häufig sind hier kleine Hofkapellen anzutreffen, die als Zeugen gelebter Religiosität gelten können: In Zeiten schwieriger Mobilität boten sie den meist sehr gläubigen Bergbauern auf ihren abgelegenen Höfen einen oftmals schön geschmückten Gebetsraum – und ersparten ihnen den oft sehr weiten sonntäglichen Weg zum Gottesdienst in der nächsten Dorf- oder Pfarrkirche.
Auch rund um den Schluchsee gibt es einige Kapellen, allein im weit verzweigten Ortsteil Blasiwald sind es – mit der etwa 70 Jahre alten und auch nicht besonders großen Filialkirche „Maria Königin des Friedens“ – fünf Orte der inneren Einkehr. Sie alle verbindet ein Rundweg, der an der Staumauer des Schluchsees beginnt und endet.
Mit dieser Mauer hat die erste Kapelle am Rundweg ganz direkt zu tun: Diese im 18. Jahrhundert erbaute Holzkapelle gehörte einst zu dem am ursprünglichen Ufer des Schluchsees gelegenen Gasthaus Seehof. Und während dieser vor knapp 100 Jahren in den aufgestauten Fluten versank, wurde die abgebaute Kapelle per Floß und Zugmaschine an ihren heutigen Standort in der Eisenbreche gebracht. Sie ist nicht zugänglich, durch ein Fenster ist das schön ausgestattete Innere jedoch gut einsehbar.
Wie auch die im Ortsteil Sommerseite beim Hof Nr. 2 gelegene winzige Hofkapelle ist sie keinem Heiligen geweiht. Bei der nächsten Station des Rundwegs in Richtung Althütte verhält es sich anders: Die ganz mit Schindeln bedeckte frühere Dorfkirche trägt den Namen Pantaleon – einem der 14 heiligen Nothelfer; er lindert alle Arten von Kopfweh. Auch die schon erwähnte Marienkirche hat Pantaleon als Schutzheiligen. Von der im Ortsteil Muchenberg gelegenen, im Schwarzwaldhausstil gestalteten Thomaskapelle ist indessen nicht mehr viel zu sehen: Ein Brand hat sie dahingerafft. Innehalten und gedenken kann man aber trotzdem.
Kapellen-Wanderweg Schluchsee-Blasiwald
Unterschiedliche Zugangs- und Öffnungszeiten
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