Zwischen Wasser & Wiese – Die Ringelnatter Natur & Umwelt | 15.10.2026 | Birgit Maier
Sie ist ungiftig, scheu und erstaunlich anpassungsfähig: Die Ringelnatter gehört zu den heimlichen Erscheinungen unserer Landschaft. Lautlos gleitet sie durchs Ufergras, verschwindet im Schilf und sonnt sich im nächsten Moment auf einem Stein. Die Schlange lebt dort, wo sich Feuchtigkeit und Wärme begegnen: an Bächen, Seen und in stillen Feuchtgebieten.
Die Ringelnatter ist in Mitteleuropa weit verbreitet und kommt auch in der REGIO regelmäßig vor. Die große und kräftige Natter mit runden Pupillen ist meist tagaktiv, im Sommer nicht selten auch nachtaktiv. Die Männchen erreichen eine Länge von 60 bis 80 Zentimeter, Weibchen werden mit 80 bis 120 Zentimeter deutlich größer. Charakteristisch ist der schwarz-gelbe Halbmondfleck im Nacken. Die Grundfärbung reicht von Grau- und Olivtönen bis Schwarz und ist häufig mit schwarzen Punkten und Flecken durchsetzt.
Meister der Täuschung
Als ausgesprochene Wassernatter hält sie sich bevorzugt in der Nähe von langsam fließenden Gewässern, Seen, Mooren und Feuchtwiesen auf. Entscheidend ist dabei die Kombination aus Wasserzugang und sonnigen wie schattigen Rückzugsorten. Auch naturnahe Gärten oder Waldränder werden besiedelt, wenn die Bedingungen stimmen.
Die Nahrung besteht vor allem aus Amphibien wie Fröschen und Molchen, daneben auch aus Fischen, gelegentlich aus Eidechsen oder kleinen Säugetieren. Trotz ihres eher harmlosen Wesens hat die Ringelnatter wirkungsvolle Schutzstrategien entwickelt: Kommt ein Feind in ihre Nähe, zeigen die Tiere oft einen „Totstellreflex“: Ihr Körper erschlafft und sie lassen die Zunge heraushängen. Ein erstaunlich überzeugender Trick gegen viele Fressfeinde.

Spätestens im Oktober ziehen sich die friedlichen Ringelnattern in ihre Winterquartiere zurück. Oft teilen sich viele Tiere einen Platz an Waldrändern oder in warmen Komposthaufen.
Nach der Winterruhe, die sie gut geschützt in Mäuselöchern, Steinspalten oder Komposthaufen verbringen, erwachen die Schlangen im März oder Anfang April aus ihrer Kältestarre. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr etwa Mitte April. Männchen werden von den Duftstoffen der Weibchen, sogenannten Sexualpheromonen, angelockt, und sie treffen sich an geeigneten Plätzen zur Fortpflanzung. Nach der Paarung werden die trächtigen Weibchen zunehmend ruhiger und verbringen mehr Zeit an geschützten, sonnigen Plätzen. Die Eiablage erfolgt meist im Juli in wärmebegünstigten Bereichen wie Mist-, Kompost- oder Schilfhaufen sowie vermodernden Baumstümpfen. Nach etwa sechs bis zehn Wochen schlüpfen die Jungschlangen und sind sofort auf sich allein gestellt. Im Herbst ziehen sich die Ringelnattern wieder in ihre Winterquartiere zurück.
Sieben statt sechs Schlangenarten
Seit 2017 hat Deutschland eine neue Schlangenart bekommen: Die Barren-Ringelnatter gilt seither nicht mehr als Unterart, sondern als eigene Art. Damit ist die Zahl der heimischen Schlangenarten auf sieben gestiegen: Ringelnatter, Barren-Ringelnatter, Würfelnatter, Äskulapnatter, Schling-
natter, Kreuzotter und Aspisviper.
Lange Zeit wurde die Ringelnatter vor allem nach äußeren Merkmalen wie Musterung oder Färbung untersucht und auf dieser Grundlage Unterarten definiert. Erst genetische Untersuchungen brachten ein genaueres Bild. Zwischen äußerem Erscheinungsbild und tatsächlicher Verwandtschaft gab es teils deutliche Unterschiede. Dass sich die genetischen Linien der „normalen“ Ringelnatter und der Barren-Ringelnatter nur sehr selten vermischen, spricht dafür, dass die Barren-Ringelnatter eine eigene Art ist und keine Unterart.
Die Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) hat sich nach der letzten Eiszeit vermutlich von Südfrankreich aus nach Mitteleuropa ausgebreitet. Charakteristisch sind die schwarzen Balken (Barren) an den Körperseiten, die sie von der „normalen“ Ringelnatter (Natrix natrix)
unterscheiden.
Die Ringelnatter zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst scheinbar gut erforschte Tierarten noch Überraschungen bereithalten.









