Logis für Nützlinge – Selbst gebaut: „Hotel zur Wildbiene“ Haus & Garten | 19.04.2026 | Frank von Berger
Kaum ist der Frühling da, brummt und summt es wieder im Garten. Doch das große Konzert ist leiser geworden. Bienen, Hummeln, Marienkäfer und Schmetterlinge zeigen sich immer seltener. Der Insektenschwund ist längst kein fernes Naturphänomen mehr, sondern direkt vor der Haustür sichtbar. Umso wichtiger sind kleine, wirkungsvolle Schritte wie ein gut gebautes Insektenhotel als Beitrag zum Artenschutz.
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer weniger dieser zart geflügelten Wesen gibt? Am deutlichsten ist der Artenschwund vielleicht bei den Schmetterlingen zu bemerken, die immer seltener zu beobachten sind. Genauso rar geworden sind die weniger auffälligen Wildbienen, Hummeln und andere Blütenbesucher und -bestäuber.
Gründe dafür sind nicht zuletzt die intensive Landwirtschaft mit einer immer artenärmeren Vegetation, aber auch penibel aufgeräumte Gärten, in denen es für Insekten kaum noch Rückzugs-, Brut- und Überwinterungsorte sowie Nahrung gibt. Honigbienen sind von der Verarmung der natürlichen Lebensräume kaum betroffen, denn sie sind quasi Haustiere und ihnen wird von Imkern ein artgerechtes Zuhause gestellt. Aber ihre wilden Artgenossen – es gibt in Deutschland etwa 565 Wildbienenarten – sowie viele andere nützliche Insekten suchen zunehmend erfolgloser nach einem Lebensraum, um sich zu vermehren und zu überwintern.
Nur eine Heimstatt mit Alibi-Funktion?
Um dem Abhilfe zu schaffen, werden sogenannte Insekten- oder Nützlingshotels immer populärer. Sie bieten einen künstlich geschaffenen Ersatz-Lebensraum für bedrohte Insekten, wenn es in der kultivierten Natur daran mangelt. Marienkäfer übrigens brauchen die Insektenhotels zwar nicht zum Überleben, nehmen sie aber gern als zeitweiligen Unterschlupf und als Überwinterungsquartier an.
Die menschengemachten Ersatzheime für Flattertiere auf Wohnungssuche gibt es in vielfältiger Form und Größe in Gartencentern und Baumärkten sowie im Internet zu kaufen. Natürlich finden sich bei diesen Insektenrefugien besser und weniger gut geeignete Modelle. Die im Handel erhältlichen Ausfertigungen haben aber zum großen Teil leider eher eine Alibi-Funktion und weisen oft gravierende Aufbau- und Bestückungsfehler auf. Im harmlosesten Fall werden die angebotenen Modelle gar nicht besiedelt. Im schlimmsten Fall stirbt die Brut bei falscher Konstruktionsweise durch zu hohe Populationsdichte, Verpilzung oder Parasiten ab. Die Brut- und Überwinterungshilfen für Wildbienen und andere Insekten lassen sich jedoch auch mit wenig Aufwand und Kosten leicht selbst herstellen. Mit ein paar Tipps gelingt das nachhaltig und effektiv.
Bauen mit geeigneten Materialien

Hartholzblöcke mit Bohrlöchern sollten abgeschmirgelt werden, damit sich Wildbienen und Co. die Flügel nicht verletzen – dann sind sie wertvolles Baumaterial fürs Insektenhotel.
Eine alte Obstkiste oder ein selbst gezimmerter Holzrahmen können dazu dienen, die Füllung zur Beherbergung der Insekten und ihrer Brut aufzunehmen. Die Bestückung mit geeigneten Materialien ist entscheidend, ob das Insektenhotel von den Tieren angenommen wird. Gut geeignet sind markhaltige Stängel von Stauden wie etwa die von Astern, Disteln, Sonnenblumen oder auch von Sträuchern wie Him- und Brombeeren, sowie Abschnitte von hohlen Bambusrohren. Eine Länge von etwa 15 Zentimetern ist dabei ausreichend.

Ein insektenfreundlicher Garten mit praxistauglichen Brut- und Nisthilfen lockt Wildbienen und Hummeln, allesamt fleißige Blütenbestäuber.
Holzblöcke, vorzugsweise aus Hartholz, mit mindestens zehn Zentimeter tiefen Bohrlöchern, sind ebenfalls gut geeignet, um die Insekten anzulocken. Der ideale Durchmesser der Bohrlöcher liegt dabei zwischen drei und sechs Millimetern. Die Bohrlöcher sollten allerdings mit Schleifpapier geglättet werden, damit sich die Insekten ihre Flügel nicht an splittrigen Rändern verletzen.
Steilwände aus Lehm lassen sich relativ einfach aus Erde oder Löss simulieren. In Hohlräume verschmiert, lockt das mineralische Material beispielsweise Masken-, Pelz- und Seidenbienen an, die ihre Brut sonst in lehmigen Steilwänden anlegen. Die erdartigen Strukturen brauchen aber einen guten Regenschutz, damit sie nicht ausgewaschen werden. Manche Wildbienen-Arten, wie die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), die in der Natur in Mauerritzen brüten, weichen auch gern auf angebotene Nisthilfen in Form von Pflanzenstängeln aus. Zudem kann morsches Holz für Wildbienen bereitgestellt werden, die ihre Nistgänge selber graben, wie etwa die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea).
Schneckenhäuser gehören allerdings nicht in Insektenhotels, denn sie werden nur angenommen, wenn sie Erdkontakt haben oder im Gras oder Gestrüpp deponiert werden. Auch Zapfen, Borke und organische Reststoffe wie Holzwolle sind nur nutzloses Material, das Volumen ohne echten Nutzen vorgaukelt. Und Lochziegel aus gebranntem Ton sind als Nisthilfen unattraktiv, weil ihre Löcher zu groß sind und zu raue Kanten haben.
Den richtigen Standort wählen

Wichtig ist zudem die richtige Standortwahl für das Insektenhotel. Am besten wird es unter einem Dachüberstand und somit vor Regen geschützt angebracht. Dabei sollte die Überdachung das Inventar nicht zu stark beschatten, damit die Brut ausreichend Sonnenwärme bekommt. Eine Südwestlage mit guter Belüftung, aber ohne Zugluft ist optimal. Wichtig sind zudem Wasserstellen in der Nähe, denn auch Bienen haben manchmal Durst. Eine flache Schale mit ein paar Kieselsteinen darin zum Landen und Rasten ist dafür gut geeignet.
Und vergessen Sie nicht, an eine abwechslungsreiche, insektenfreundliche Bepflanzung Ihres Gartens zu denken. Denn ohne Nektartankstellen sind auch noch so gut ausgestattete Insektenhotels nicht mehr als ein „Hotel Garni“ ohne sättigendes Buffet. Deshalb ist im Garten ein Mix aus einheimischen Blütenpflanzen (vulgo auch „Unkraut“ genannt), blühenden Kräutern, Stauden und Gehölzen, alle mit möglichst ungefüllten Blüten, ein willkommenes Nahrungsangebot für die nützlichen Insekten. Wenn ein verzinktes, engmaschiges Gitter aus Hasendraht, angebracht in einigen Zentimetern Abstand zu den Nistmaterialien, die Konstruktion einhüllt, verhindert das außerdem die Plünderung des Insektenhotels durch Vögel wie Spechte sowie das Herausfallen des Nistmaterials.
Damit das Logis für Wildbienen und andere Nützlinge auf Dauer bewohnt werden kann, ist nur eine minimale Pflege nötig. In Abständen von einigen Jahren sollten die Nisthilfen von Verunreinigungen, Pollen- und Kokonresten sowie von Larvenkot befreit werden. Das kann durch das Ausputzen mit Pfeifenreinigern, kleinen Pinseln oder auch einfach durch den Austausch des Füllmaterials erfolgen, sofern dieses nicht gerade besiedelt ist.
Keine Angst vor den geflügelten Gästen

Zu guter Letzt sei angemerkt: Selbst, wenn es nicht das optimale Insektenhotel ist, was seinen Platz im Garten findet, ist auch eine halbwegs praxistaugliche Lösung besser, als gar keine Nist- und Überwinterungsstation für die Tiere anzubieten. Angst vor den Gästen im „Hotel zur Wildbiene“ braucht übrigens niemand zu haben. Denn solitär lebende Wildbienen und Hummeln sind grundsätzlich friedfertig gegenüber Menschen und Haustieren, weil sie keinen Staat zu verteidigen haben.









