Die Zeit überlisten – Der neue Japanische Garten im Kurpark Bad Krozingen Special for Homepage | 18.09.2025 | Frank von Berger

Japanischer Garten

Seit Mai lädt der Japanische Garten am westlichen Rand des Bad Krozinger Kurparks zum Innehalten ein. Inmitten fernöstlicher Harmonie und klarer Ästhetik finden Besucher – ob Kur­gäste oder Spaziergänger – einen Ort der Ruhe: perfekt für eine kleine Auszeit vom Alltag.

Japanische Gärten sind jedoch nicht nur Ruhepole im hektischen Alltag oder einfach ein kleines Stück Grün in der Stadt, sondern vielmehr ein von Menschenhand geschaffenes Idealbild der Natur. Geplant, gestaltet und akkurat gepflegt – nichts ist in einem japanischen Garten einfach nur so da oder wird dem Zufall überlassen. Dennoch soll es so aussehen, als wäre die Szenerie harmonisch über viele Jahre gewachsen. Die Überlistung der Zeit gelingt unter anderem durch vorausschauende Planung, gärtnerische Finesse und sorgfältige Pflege. So wurde beispielsweise in dem neuen Japanischen Garten in Bad Krozingen eine rund 70 Jahre alte Kiefer eigens aus Japan importiert. Über Jahrzehnte wurde sie im Reich der aufgehenden Sonne sorgfältig in der Technik des sogenannten Wolkenschnitts („Niwaki“) er­zogen. Dabei werden die jungen Triebe immer wieder so eingekürzt und ausgerichtet, dass die Wuchsform der Zweige an Wolken, Stufen oder Muscheln erinnert. Die Kiefer ist deshalb fast so etwas wie ein „Bonsai“, also die gehätschelten, beschnittenen und mit Draht in Form gebrachten Miniaturbäumchen für Liebhaber – nur eben im größeren Format und fürs Freiland. Nach genauester Anweisung des für die Gestaltung verantwortlichen Gartenmeisters Kazuyuki Sato wurde die Kiefer so platziert, dass ihre Ausrichtung perfekt zur Steinkons­truktion im Hintergrund passt. Diese aus Naturstein errichtete Struktur soll ein mittelalterliches Kastell symbolisieren.

Kiefer im Wolkenschnitt

Eine eigens aus Japan importierte alte Kiefer im „Wolkenschnitt“

Symbol der Freundschaft

Angelegt wurde der rund 4000 Quadratmeter große Japa­nische Garten im Kurpark zusammen mit Gartenmeister Sato und zwei anderen japanischen Gärtnern sowie der Gartenbaufirma Fautz, einem mit der japanischen Gartenkunst vertrauten Betrieb aus der Regio. Die Firma Fautz und der japanische Gartenmeister Sato hatten bereits Mitte der 1990er-Jahre den Garten in der Saunalandschaft der Vita Classica-Therme gestaltet, der später um einen original japanischen Holzpavillon als Ruheraum ergänzt wurde. Wie der alte, so ist auch der neue Japanische Garten ein Symbol der Freundschaft und Thermenpartnerschaft der südbadischen Kurstadt mit der japanischen Stadt Taheta im Distrikt Naoiri. Gärtnermeister Helmut Tränkle von der Firma Fautz war bei der Anlage und Gestaltung des neuen Japanischen Gartens maßgeblich beteiligt und brachte Insiderwissen mit. Denn er durfte vor einigen Jahren dank eines Stipendiums der Carl-­Duisberg-Gesellschaft bei einem sechsmonatigen Aufenthalt in Japan bei Gartenmeister Sato persönlich die Kunst des japanischen Gärtnerns erlernen.

Roter Ahornbaum

Wasserspiele und Himmelsspiegel

Beim Schlendern durch die neue Anlage fallen vor allem zwei Felsengruppen mit Wasserspielen auf. Diese sind nicht nur optisch reizvoll, sondern tragen mit ihrem leisen Plätschern auch akustisch zum Erleben der künstlich nachgebildeten Natur bei. Im östlichen Teil des Gartens ergießt sich vom Gipfel eines „Gebirges“ aus Felsbrocken und Kies ein kleines Rinnsal kaskadenartig über mehrere Stufen in ein großes Wasserbecken, in dem sich der Himmel spiegelt. Wenige Schritte daneben sprudelt aus der Spitze eines aufrechten, markanten Monolithen das Wasser kontinuierlich in ein von Felsbrocken und Kies gerahmtes Becken. Begleitet werden die Wasserspiele stimmig von fern-­
östlich anmutender Vegetation. Wer im neuen Japanischen Garten in Bad Krozingen Teepavillons oder Pagoden erwartet, die das exotische Flair noch unterstreichen könnten, wird vielleicht enttäuscht sein. Aber demnächst sollen dort noch einige Steinlaternen aufgestellt werden, wenn Gartenmeister Kazuyuki Sato sie ausgewählt und ihren Standort bestimmt hat.

Wasserspiele

Wasserspiele in fernöstlich anmutender Vegetation tragen zur meditativen Atmosphäre bei.

Stein Wasserspiel

Meditative Atmosphäre

Von Anfang an wurde bei der Gestaltung des Gartens großer Wert auf die Auswahl der Gehölze und Stauden gelegt. Außer den Formschnittkoniferen, von denen es mehrere in der Anlage gibt, wurden exotische Gehölze wie unter anderem Papierstrauch (Edgeworthia), Pracht­glocke (Enkianthus), Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch (Heptacodium) sowie verschiedene Fächer-Ahorne (Acer palmatum) gepflanzt. Letztere entfachen zum Saisonende mit ihrem bunten Herbstlaub ein Feuerwerk der Farben. Auffällig ist, dass sich ansonsten kaum Buntes und Blühendes in diesem nach traditionellen Prinzipien gestalteten Garten findet. Eine Maxime der japanischen Gartenphilosophie lautet: Grün beruhigt, Blüten sind aufregend. Und Aufregung wäre der meditativen Atmosphäre gewiss abträglich. In japanischen Gärten geht es tatsächlich mehr um die Formen der Pflanzen und um verschiedene Abstufungen von Grün. So wurden die immergrünen Bodendecker, die großflächig die Beete zieren, ganz bewusst nach Blattformen und -farben ausgewählt. Die fast schwarzen, riemenförmigen Blätter des Schlangenbarts (Ophiopogon planiscapus ‚Nigrescens‘) kontrastieren aufs Schönste mit den weißgrün gestreiften Halmen der Seggen (Carex) sowie dem dunkelgrünen Laub von Dickmännchen (Pachysandra) und Drahtstrauch (Muehlenbeckia). Japanische Steinlaterne

Doch ganz ohne Blüten geht es auch hier nicht: Im Frühjahr setzen duftige Zierkirschenblüten (Prunus serrulata) und einige bunt blühende Azaleen wenige, aber gezielt platzierte Farb­akzente. Bambus darf übrigens auch nicht fehlen. Deshalb säumen einige Horste des asiatischen Riesengrases den Rand des Gartens. Die umgebenden alten Bäume des Kurparks bilden nach japanischem Prinzip als „entliehene Landschaft“ (japanisch: „shakkei“) eine attraktive Kulisse für den gepflegten Garten. Dadurch ergeben sich beim Durch­wandeln der neuen Grünanlage aus jedem Blickwinkel stets neue Perspektiven.

Der Japanische Garten ist zu den Öffnungszeiten des Kurparkgeländes frei zugänglich. Die Wege im Garten sind so gestaltet, dass sie auch für Menschen mit Rollatoren, für Rollstuhl­fahrende und Kinderwagen barrierefrei passierbar sind. Damit niemand im abendlichen Halb­dunkel stolpert, wurden moderne Leuchten aus Edelstahl entlang des Hauptwegs installiert. Wer nach dem Besuch des Japanischen Gartens noch Zeit und Lust hat, kann im Kurpark den Minigolfplatz, eine Bogenschießanlage, Kinderspielplätze, ein Café mit Außensitzplätzen und eine Übungsgolf-Anlage sowie den schönen Bestand an imposanten, zum Teil exotischen Bäumen genießen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist der Kurpark problemlos erreichbar, Parkplätze für Autofahrer stehen am Rand des Kurparks zur Verfügung.

Bambus

Grün beruhigt – und ist daher in allen Schattierungen im Garten anzutreffen.

Fotos: © Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen, freepik.com, Frank von Berger