Fit für den Winter – Wintervorbereitung & Vögel im Garten Special for Homepage | 08.11.2025 | Frank von Berger

Pfaffenhütchen

Vor dem ersten Frost steht im Garten das große Aufräumen an: Stauden werden geschnitten, Gehölze gekürzt, Laub entfernt. Dennoch bleibt viel zu entdecken, denn buntes Herbstlaub und letzte verbleibende Frucht­stände lassen den Garten aufleuchten. Singvögel tummeln sich im kahlen Garten, und damit das so bleibt, lohnt es sich, sie zum Bleiben anzuregen.

Die Arbeiten beginnen meist im Oktober, wenn die Gartensaison sich dem Ende zuneigt: Verblühte Stauden und Einjährige werden dann bodeneben abgeschnitten, Gehölze beherzt eingekürzt, welkes Laub zusammengekehrt und in die Biotonne gestopft oder auf dem Komposthaufen entsorgt. Der Abschied im Herbstgarten bedeutet aber keinesfalls, dass es hier nichts mehr zu erleben gibt. Es blüht und grünt zwar jetzt kaum noch etwas, aber zu sehen gibt es dennoch genug. Farbiges Herbstlaub an Sträuchern und Bäumen, wie das von Essigbaum (Rhus typhina), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) und Amberbaum (Liquid­ambar styraciflua), lässt den Garten nochmals bunt aufleuchten. Auch Zaubernuss (Hamamelis) und Federbuschstrauch (Fothergilla) bieten mit ihren bunten Herbstblättern einen tollen Wow-Effekt. Zudem sind lange an den Zweigen verbleibende Fruchtstände wie die von Zierquitte (Chaenomeles), Liebes­perlenstrauch (Callicarpus) oder Schneebeere (Symphoricarpus) attraktive Blickfänge. Verholzende Blütenstände wie die von Brandkraut (Phlomis), Weber-­Karde (Dipsacus sativus) oder hoher Fetthenne (Sedum telephium) sind genauso hübsche Hingucker im Spätjahr, sofern sie stehen gelassen wurden.

Liebesperlenstrauch

Pfaffenhütchen und Liebesperlen sind leuchtende Highlights im Herbstgarten – und zugleich eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel.

Futter für die Vögel

Doch nicht nur botanisch gibt es im Herbstgarten immer noch was zu bestaunen. Denn standorttreue Singvögel wie Meisen, Spatzen, Rotkehlchen und Amseln können in den kahlen Gehölzen den ganzen Winter über oft sogar besser als im Sommer beobachtet werden. Damit es dort aber auch im Herbst und Winter munter flattert und zwitschert, lohnt es sich, die gefiederten Freunde mit Futter anzulocken und damit vielleicht sogar zum Bleiben anzuregen.

Tannenmeise

Eine selbst gemachte Futtermischung lockt gefiederte Gäste in den Garten – hier eine Tannenmeise.

Zu den bewährten Anreizen für den winterlichen Aufenthalt von Vögeln im Garten oder deren Kurzbesuch auf dem Balkon gehören vor allem gut bestückte Futterhäuschen. Am besten werden sie mit artgerechter Nahrung ausgestattet. Sonnenblumenkerne, Hafer­flocken, Erdnüsse, Rosinen oder Getreidekörner – da dürfte für fast alle Piepmätze etwas dabei sein. Auch Schrumpel­äpfel werden gern angenommen.

Vegetarisch ist immer eine gute Wahl, aber tierisches Fett, etwa in Form von Rindertalg, ist ebenso wichtig. Manche Vögel sind eben keine Vegetarier oder Veganer. Fetthaltige Meisenknödel werden im Handel meist in Kunststoff­netzen angeboten. Diese sollten jedoch eher die zweite Wahl sein. Solche meist mit Körnern gespickten Futterquellen sind zwar praktisch zum Aufhängen. Sie werden aber problematisch, wenn sie leergefressen sind und in der Natur verbleiben. Sie verrotten nicht und können daher später für Vogelküken oder Eichhörnchen zum Verhängnis werden, weil diese sich darin strangulieren könnten. Empfehlenswerter sind Futterknödel ohne Plastikummantelung sowie Auslagen in Futterhäuschen oder ein ausgedienter Schneebesen aus der Küchenschublade, in den festes, klumpenförmiges Futter aus Fett und Körnern eingeklemmt und aufgehängt wird. Letzteres ist dann übrigens „Upcycling“ auf zugleich umwelt- und tierfreundliche Art. Denn die leergefressenen Schneebesen können immer wieder neu bestückt werden. Auch an Zweigen verbliebene Früchte von Ziergehölzen wie Schneeball, Eber­esche, Efeu, Weißdorn oder Rosen (Hage­butten) werden im Lauf des Winters von vielen Vogelarten als willkommenes Winterfutter gern „abgeerntet“. Altes Brot und anderes, vor allem süßes Gebäck, eignet sich jedoch nicht als Speise für die gefiederten Freunde.

Amberbaum

Weber-Karde

Hingucker im Spätjahr: Das bunte Blattwerk des Amberbaums und die zierliche Weber-Karde.

Wasser nicht vergessen

Was oft vergessen wird: Auch Wasser zum Trinken ist für die Vögel in den Wintermonaten überlebenswichtig. An hoch aufgehängten Trinkschalen und Wasserstellen wie ausrangierten Blumenampeln können die Vögel sicher trinken, ohne Opfer von Beutegreifern zu werden. Wichtig: Wasserstellen sollten, genauso wie die Futterstellen, regelmäßig gereinigt werden. Vor sich hingammelnde Nahrungsreste und Vogelkot am Futterplatz sind echte Keimschleudern. Und damit Katzen und andere „Vogelfreunde“ keine leichte Beute machen können, sollten nicht nur Wasser-, sondern auch Futterstellen am besten so aufgestellt oder aufgehängt werden, dass sie keine Gefahr für die Vögel darstellen. Aber selbst eine Wasserstelle am Boden, etwa ein mit Wasser gefüllter tiefer Teller oder Pflanzenuntersetzer, ist besser als gar nichts.

Wie schön es ist, Vögel im Garten zu Gast zu haben, lässt sich besondern in den kalten Monaten gut beobachten. Insbesondere Rotkehlchen sind oft aufmerksame und zutrauliche Begleiter bei winterlichen Gartenarbeiten. Kaum dass in einem Beet etwas Herbstlaub vom Boden aufgeklaubt wurde, pickt so ein possierliches Rotkehlchen nach all dem, was für unsere Augen unsichtbar, für den Vogel aber ein schmack­hafter Happen ist – praktischer, ökologischer und pestizidfreier Pflanzenschutz. Denn was die Vögel jetzt an Insekten sowie deren Eier und Larven aufpicken, kann in der nächsten Gartensaison keine Probleme machen.

Letzte Arbeiten vorm ersten Frost

Bevor der Winter im Garten Einzug hält, sollte aber nicht nur an die Vögel gedacht werden. Andere Wintervorbereitungen sind ebenso wichtig. So werden jetzt nicht winterharte Kübelpflanzen wie Oleander, Hibiskus, Zitrusgewächse und Engelstrompete vor Frösten geschützt eingeräumt. Auch flüssige Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Sämereien sollten vor dem Winter frostsicher und zudem dunkel und trocken verstaut werden. Regentonnen und andere Wasserspeicher werden vorsichtshalber entleert, damit sie bei strengen Frösten nicht platzen. Das Gleiche gilt für Außenanschlüsse von Wasserleitungen, die rechtzeitig abgestellt werden sollten. Und wer jetzt noch immer keine Blumenzwiebeln gepflanzt hat, kann die Knollen von Tulpen, Narzissen und anderen Frühjahrs­blühern ein­buddeln, solange der Boden frostfrei ist.

Wenn es im Freien dann wirklich nichts mehr zu tun gibt, lohnt es sich, die Gartenwerkzeuge gründlich zu reinigen. Die Klingen von Rosen- und Heckenscheren sowie die Messer des Rasenmähers können geschärft sowie Spaten und andere metallene Werkzeuge gereinigt und eingeölt werden, damit sie nicht rosten. Derart gerüstet kann der Winter kommen. Und alle, die derart gut vorbereitet sind, dürfen die Gartenarbeiten dann getrost ruhen lassen und den Vögeln bei ihrem munteren Treiben im winterlichen Garten zusehen.

Rotkehlchen

Rotkehlchen sorgen für ökologischen Pflanzenschutz im Herbstgarten.

Fotos: © Frank von Berger