Gelb macht glücklich – Farbe im Frühlingsgarten Special for Homepage | 24.03.2026 | Frank von Berger

gelbe Blumen

Gelb ist für viele Gartenfans die Frühlingsfarbe schlechthin. Leuchtend gelbe Blüten und junges, helles Laub verbreiten eine heitere, unbeschwerte Frühlingsstimmung. Ein bisschen Gelb ist deshalb im Garten ein echter Gewinn – nicht nur fürs Auge, sondern vor allem für die Insektenwelt. Für Bienen & Co. sind die frühen Blüten überlebenswichtig. Umso wichtiger ist es, auf frucht­bare Gelbträger zu setzen, die nicht nur Farbe zeigen. 

gelber Krokus

Wolfsmilch

Frische im Frühlingsgarten: Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Garten wachküssen, erfreuen Winterlinge, Krokusse, Narzissen und Wolfsmilch das Auge.

Gelb wird von allen Farben am auffälligsten wahrgenommen, und das nicht nur von uns Menschen. Auch Insekten fliegen auf diese Farbe. Dass gelbe Blüten besonders anziehend für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten sind, ist kein Zufall. Mit gelben Blüten signalisieren die Pflanzen allen Insekten auf Nahrungssuche, dass es hier Nektar und Pollen abzustauben gibt. Bienen zum Beispiel lieben besonders die Farben Gelb, Lila und Blau. Rote Farbtöne nehmen sie gar nicht wahr. Bienen sind, wie viele andere Insekten übrigens auch, praktisch „rotblind“. Im Gegensatz zu uns können sie aber UV-Licht sehen. Gelbe Blüten reflektieren das UV-Licht und besitzen oftmals ein UV-absorbierendes Zentrum. So wird den Bienen der direkte Weg zum Nektar angezeigt, fast so, wie eine beleuchtete Flugzeug-Landebahn Piloten den richtigen Weg weist. Duft erhöht die Attraktivität der Blüten zusätzlich. Dabei ist anzumerken, dass Insekten grundsätzlich ungefüllte (einfache) Blüten bevorzugen, weil die dicht gefüllten Blüten gezüchteter Sorten steril sind und weder Nektar noch Pollen zu bieten haben.

Die gelben Frühaufsteher im Garten sind die Winterlinge (Eranthis hyemalis), deren zitronengelbe Blütenkelche oft zwischen Februar und März erscheinen. Ihnen folgen schon bald die ersten Krokusse, von denen es zahlreiche schöne Sorten mit Blüten in satten Gelbtönen gibt. Tulpen und Narzissen in unzäh­ligen Sorten gehören zu den vielfältigsten, oft gelb blühenden Frühjahrsboten, die in fast keinem Garten fehlen. Mit gelbgrünen Blüten setzen Wolfsmilch-­Arten, beispielsweise die imposant Palisaden-Wolfsmilch (Euphorbia characias), aparte Akzente im Frühlingsgarten. Und wer nach einem im zeitigen Frühjahr gelb blühenden Bodendecker sucht, der auch im Halbschatten nicht versagt, ist gut beraten mit der immergrünen Waldsteinie (Waldsteinia ternata), auch Golderdbeere genannt.

Bienen brauchen mehr als schöne Farbe

Narzissen

Bei den Ziergehölzen sind Forsythien die wohl am leuchtendsten gelb blühenden Kandidaten mit phänomenaler Fernwirkung. Für Insekten auf Nahrungssuche sind sie allerdings wertlos, denn die meisten Sorten dieser Gattung sind Kreuz­ungen (Hybriden) und daher steril. Ihre Blüten liefern weder Nektar noch Pollen. Zwar werden sie aufgrund ihrer leuchtend gelben Farbe dennoch von Bienen angeflogen, doch die Tiere verbrauchen dabei wertvolle Energie und gehen am Ende leer aus. Deutlich sinnvoller sind andere, früh im Jahr gelb blühende und zugleich insektenfreundliche Sträucher. Die gibt es in großer Auswahl. Dazu zählt etwa der Scheinhasel (Corylopsis pauciflora), Berberitzen-Arten, Besen-Ginster (Cytisus scoparius) mit seinen zahlreichen, üppig blühenden Zuchtsorten, oder die selten gepflanzte, aber deshalb nicht minder schöne Gold-Johannisbeere (Ribes aureum). Viele dieser Ziersträucher haben gegenüber Forsythien zudem den Vorteil, auch noch wunderbar zu duften, wie etwa Mahonien (z. B. Mahonia japonica und M. x media ‚Wintersun‘) oder die Pontische Azalee (Rhododendron luteum), die oft schon Ende März ihre spektakulären Blüten öffnet.

Farbtupfer in der Frühlingslandschaft

Löwenzahn

Doch nicht nur im Garten bezaubern gelbe Blüten die Sinne und locken mit ihrem Nektar hungrige Insekten an. Auch in der Natur sind gelb blühende Pflanzen jetzt im Frühjahr dominant, etwa Löwen­zahn (Taraxacum officinale), der die Wiesen bei Sonnenschein mit seinen gold­gelben Blüten flutet. Die  fröhlichen Körbchenblüten des Huflattichs (Tussilago farfara), die schon vor den Blättern erscheinen, säumen im Frühjahr Weg- und Wald­ränder. Die speckig glänzenden, gelben Blütensterne des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria) erblühen schon im zeitigen Frühjahr sowohl im Rasen rund ums Haus als auch in feuchten Wäldern, wie etwa im Freiburger Mooswald. Die mitunter als lästig empfundene Wildstaude zieht übrigens die Blätter schon bald nach der Blüte ein und macht dann keine Pro­bleme mehr, weder im Rasen noch in den Beeten. Selten geworden sind die Echten Schlüssel­blumen (Primula veris), aber sie sprenkeln ab Ende März mancherorts die Wiesen mit ihren kleinen, aber nicht weniger bezaubernden Blüten. Besonders zahlreich kommen sie beispielsweise auf den Berghauser Matten am Schönberg zwischen Freiburg und Ebringen vor. Mancherorts in der REGIO kommt zudem die ansonsten in Deutschland seltene Weinberg-­Tulpe (Tulipa sylvestris) vor, übrigens die einzige hierzulande wild wachsende Tulpenart. Eigentlich stammt sie aus Südeuropa. Sie wurde im 17. Jahrhundert aber bei uns eingebürgert und gilt inzwischen als einheimisch. Nennenswerte Wildvorkommen finden sich beispielsweise am Tüllinger Hügel oberhalb von Weil am Rhein und in den Rebhängen rund um Ebringen bei Freiburg. In feuchten Gräben und an den Rändern von Ge­wässern können zudem mit etwas Glück zwischen März und Mai die goldgelben Blüten der Sumpfdotterblumen (Caltha palustris) bewundert werden, die weithin sichtbare Farbtupfer in der Land­schaft setzen.

Gold Johannisbeere

Mit und ohne Nektarpower: Insektenfreundlich sind die Blüten der Gold-Johannisbeere, die sterilen Blüten der Forsythie verleiten Bienen und Hummeln zur Nahrungssuche, ohne etwas zu bieten.

gelbe Blumen

Willkommene Nektarquellen

Bei den heimischen Sträuchern ist die Kornelkirsche (Cornus mas) eine der wertvollsten gelb blühenden Arten, ähnlich wie die Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris), die wild an Waldrändern und Gebüschen vorkommt. Die kleinen Blütenbüschel beider Straucharten sind zwar für unsere Augen weniger spektakulär als die großen Blüten gezüchteter Ziergehölze. Für die Insektenwelt sind sie aber eine willkommene Nektarquelle. Alle diese einheimischen, gelb blühenden Wildgewächse locken schon früh im Jahr hungrige Insekten zum Blütenbesuch an und helfen ihnen bei einem guten Start in die neue Saison. Wer für die Insektenwelt etwas Gutes tun möchte, pflanzt also gelb und früh blühende Ziergehölze und Stauden und lässt am besten die gelb blühenden Wildpflanzen im Garten einfach wachsen, statt sie als vermeint­liches Unkraut auszurupfen. Etwas gelb blühender Wildwuchs im Garten schadet in der Regel nicht, hilft den bedrohten Insekten aber, ausreichend Nahrung zu finden und bietet zudem selbst bei trüben Tagen einen fröhlichen Blickfang!

Weinberg-Tulpe

Seltene wilde Schönheit: Die Weinberg-Tulpe ist in den Rebhängen um Ebringen zu entdecken.

Fotos: © freepik.com, Frank von Berger, iStock – Iva Vagnerova, iStock – ElenaBoronina