Die Süße des Sommers – Feigen Haus & Garten | 09.08.2026 | Frank von Berger

Feigen gehören zu den ältesten ­Kulturpflanzen der Welt und begeistern mit ihrem süßen Aroma und ihrer Vielseitigkeit. Feigen gehören zu den ältesten ­Kulturpflanzen der Welt und begeistern mit ihrem süßen Aroma und ihrer Vielseitigkeit.

Noch gelten Echte Feigen in unseren Breiten als exotisch, aber wegen des Klimawandels werden sie immer öfter mit Erfolg in den Gärten der REGIO kultiviert. Jetzt im Hochsommer reifen die süßen Früchte an den Bäumen. Frisch und sonnenwarm vom Zweig genascht, schmecken sie besonders aromatisch. Sie lassen sich aber auch auf vielfältige Weise haltbar machen und bewahren so die Süße des Sommers bis weit ins Spätjahr.

Ficus carica var domestica, so der botanische Name des Maulbeerbaumgewächses, stammt eigentlich aus Vorderasien. Das bis zu zehn Meter hoch wachsende Gehölz wurde dort schon vor Jahrtausenden kultiviert, etwa von den alten Ägyptern. Die Feige ist zudem die einzige namentlich in der Bibel genannte Pflanze im Garten Eden. Feigenblätter dienten bekanntlich Adam und Eva als Schutz ihrer Blöße nach dem Sündenfall. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass es nicht der Apfel war, den Eva ihrem Adam reichte, sondern eine Feige.

In den Mittelmeerraum gelangte die Feige vermutlich im ersten Jahrtausend vor Christus, zuerst nach Griechenland, später auch in andere mediterrane Länder. Inzwischen werden Feigen in fast allen Weltregionen mit subtropischem Klima angebaut. Weil die sommergrünen Bäume mit ihren charakteristisch handförmig gelappten Blättern zwar wenige Minusgrade, aber keine strengen Fröste vertragen, gedeihen sie im Freiland nur in wintermilden Regionen. Ideal ist ein tiefgründiger, durchlässiger, eher kalkhaltiger als saurer Boden an einem möglichst sonnigen, geschützten Standort.

Mit einem sonnigen Standort und etwas Geduld belohnt der ­Feigenbaum Garten­besitzer Jahr für Jahr
mit einer reichen
Ernte.

Mit einem sonnigen Standort und etwas Geduld belohnt der ­Feigenbaum Garten­besitzer Jahr für Jahr mit einer reichen Ernte.

Genügsame Gewächse

Einmal gepflanzt, brauchen Feigenbäume kaum weitere Pflege: Sie kommen meist ohne Dünger aus und sind nur selten von Krankheiten oder Schädlingen betroffen. Werden sie zu groß, können sie im zeitigen Frühjahr beherzt zurückgeschnitten werden, weil sie auch aus dem alten Holz zuverlässig wieder austreiben.

Nicht jede Feige ist gleich

Feige ist jedoch nicht gleich Feige. Tatsächlich gibt es unter den rund 700 weltweit bekannten Sorten der Echten Feige auch einige robuste Züchtungen, die schon seit Jahrhunderten in Mitteleuropa kultiviert werden, etwa in manchen Regionen Frankreichs, in der Südpfalz, an der Mosel, an der hessischen Berg­straße oder bei uns am Oberrhein.

Viele handelsübliche Feigensorten tragen zwei Mal in der Saison Früchte, das erste Mal im Hochsommer und das zweite Mal im Herbst. Die Sommerfeigen sind meist groß und saftig. Die Herbsternte bringt eher kleinere, festere Früchte hervor. Eine bekannte alte Sorte ist beispielsweise ,Madeleine des deux Saisons‘, übersetzt „die zweimal je Saison Tragende“. Sie wurde bereits im 17. Jahrhundert im Schlossgarten von Versailles kultiviert und gilt als besonders frosthart. Andere handelsübliche Sorten, die in unseren Breiten gut im Freiland gedeihen, sind ,Hardy Chicago‘, ,Ice Crystal‘, ,Caretto‘ und ,Brown Turkey‘. Temperaturen von minus 15 °C stecken diese Sorten locker weg und kommen daher auch ohne Frostschutz gut durch den Winter.

Süß trifft würzig: Selbst gemachter ­Feigensenf verleiht Käseplatten, ­Dressings und Fleischgerichten eine fruchtige Note.

Süß trifft würzig: Selbst gemachter ­Feigensenf verleiht Käseplatten, ­Dressings und Fleischgerichten eine fruchtige Note.

Feigen im Kübel

In klimatisch raueren Regionen werden von Natur aus weniger stark wüchsige Sorten wie ,Dorée‘ (auch unter dem Namen ,Goutte d’Or‘ im Handel), ,Negronne‘ oder ,Black Donov‘ gerne als Kübelpflanzen für Balkon und Terrasse kultiviert. Diese Sorten wachsen kompakter und erreichen selbst nach zehn Jahren nur eine Höhe und Breite von etwa zwei Metern. Noch kübeltauglicher ist die relativ neue Sorte ,Little Miss Figgy‘, die kaum einen Meter hoch und breit wächst. Sie bringt zwar nur einmal in der Saison rotviolette Früchte hervor, davon aber reichlich.

Alle Feigen im Kübel müssen frostfrei bei 5 bis 10 °C überwintert werden, am besten in einem hellen Treppenhaus. Die Ernte bei Feigenbäumchen, die in Kübeln kultiviert werden, fällt zwar im Gegensatz zu ausgepflanzten Exem­plaren eher überschaubar aus, aber zum Naschen reicht es allemal.

Selbstbefruchtende Sorten wählen

Damit das mit den leckeren Früchtchen am Feigenbaum auch klappt, muss beim Kauf auf jeden Fall auf eine selbstbefruchtende (parthenocarpe) Sorte geachtet werden. Denn bei den Feigen funktioniert die Befruchtung anders als bei den Blümchen und Bienen: Die Blüten der Feigen sitzen versteckt im Inneren der jungen Früchte. Zur Befruchtung der meisten mediterranen Sorten braucht es eine nur dort vorkommende winzige Wespe, die in die junge Feige eindringt und den Pollen von einer zur anderen Pflanze trägt, um sie zu befruchten. Glücklicherweise gibt es jedoch zahlreiche Feigensorten, die für eine Fruchtbildung nicht auf die Wespenbestäubung angewiesen sind. Die meisten hierzulande in Baumschulen angebotenen Arten gehören zu dieser Kategorie. Dennoch lohnt sich ein Blick aufs Etikett: Dort sollte ausdrücklich „selbstbefruchtend“ vermerkt sein.

Jetzt heißt es ­zugreifen: Reife
Feigen sollten
zeitnah geerntet
werden, da sie nur kurz haltbar sind.

Jetzt heißt es ­zugreifen: Reife Feigen sollten zeitnah geerntet werden, da sie nur kurz haltbar sind.

Ernte und Vorsicht

Ob die Feigen erntereif sind, ist leicht daran zu erkennen, dass die Früchte sich weich anfühlen und leicht nickend nach unten hängen. Gepflückt werden sie vorsichtig, indem sie mitsamt dem kurzen Stiel entweder abgedreht oder mit einer Schere abgeschnitten werden, ohne dass der Stiel dabei abgerissen wird. So „bluten“ die Früchte nicht und halten nach der Ernte einige Tage im Kühlschrank.

Sowohl bei der Ernte als auch beim Umgang mit Feigenbäumen ist übrigens eine gewisse Vorsicht angeraten, denn die derben Blätter der Pflanzen sind mit winzigen Haaren besetzt, die bei einer Berührung Hautreizungen und Blasenbildung auslösen können. Dies gilt insbesondere in Verbindung mit Sonnenlicht und wird als Photodermatitis bezeichnet. Auch der Milchsaft, der bei einer Verletzung der Pflanzen austritt, hat eine allergene Wirkung und ist, wie alle Teile der Pflanze (außer den reifen Früchten) schwach giftig. Die Volksmedizin verwendete früher die Feigenmilch zur Behandlung von Insektenstichen und zur Beseitigung von Warzen. Die heutige Medizin hat da aber verlässlichere, unbedenklichere und verträglichere Präparate im Angebot.

Die Süße bewahren

Vollreife Feigen schmecken nicht nur uns Menschen, sondern auch Vögeln. Wer rechtzeitig erntet, bevor hungrige Vögel sie angepickt haben, kann die Früchte frisch genießen oder zu Konfitüre, Tarte, Senf und vielen anderen Köstlichkeiten verarbeiten. Weil Feigen aber immer schubweise und dann in großen Mengen reifen, ist eine kluge Verwertungsstrategie angeraten. Im Freundeskreis sind sie anfangs noch willkommen. Aber nach der dritten Offerte einer Schale vollreifer Früchte winken auch die besten Freunde und Nachbarn dankend ab. Nicht alle möchten den Feierabend mit dem Einkochen oder anderen Konservierungsmethoden verbringen. Denn leider lassen sich frische Feigen nicht lange lagern. Schon wenige Tage nach der Ernte werden sie schrumpelig oder setzen Schimmel an. Besonders bewährt hat sich deshalb das Trocknen der Feigen in einem Dörrapparat. So lässt sich die Süße des Sommers auf ganz einfache Weise konservieren!

Fotos: © Frank von Berger