Schnuppern erlaubt! – Wohlgerüche im winterlichen Garten Haus & Garten | 27.12.2025 | Frank von Berger

Der Lorbeerschneeball ist bei uns im Weinbauklima zuverlässig winterhart. Der Lorbeerschneeball ist bei uns im Weinbauklima zuverlässig winterhart.

Wer im winterlichen Garten unterwegs ist, rechnet selten mit Duft – doch gerade jetzt zeigen einige Gehölze ihre überraschend aromatische Seite: Verschiedene Winterblüher öffnen zarte, oft intensiv duftende Blüten und erfüllen die kalte Luft mit überraschenden Noten.

Im winterlichen Garten fallen immergrüne Gehölze auf, vielleicht auch noch solche mit hübscher Rindenfarbe wie etwa Tatarischer Hartriegel (Cornus alba), dessen Zweige jetzt korallenrot leuchten. Ganz gewiss denkt aber niemand an duftende Blüten. Die sind bei Pflanzen in unseren Breiten eher ungewöhnlich und deshalb umso überraschender. Vielleicht wird Duft deshalb an kalten Wintertagen intensiver empfunden und wertgeschätzt. Tatsächlich gibt es in unseren Gärten Ziergehölze, die sich in der kalten Jahreszeit mit zarten, oft intensiv duftenden Blüten schmücken. Der Reigen beginnt, je nach Wetterlage, oft schon im Dezember. Bei milden Temperaturen öffnet die Higan-Kirsche (Prunus x subhir­tella ‚Autumnalis‘) ihre kleinen rosaweißen Blüten, die einen zarten Marzipanduft verströmen. Der ausladend und bis acht Meter hoch wachsende Baum legt in Frostperioden zwar eine Blühpause ein, aber die Blütezeit dauert bis weit ins Frühjahr hinein.

Schneeball mit Vanillearoma

Ebenfalls schon ab Dezember und bis zum Frühlingsbeginn blühen einige Schneeball-Arten. Zu den bekanntesten gehört zweifellos der Bodnant-Schneeball (Viburnum x bodnantense) mit den Sorten ‚Dawn‘ (dunkelrosa Blüten), ‚Charles Lamont‘ (leuchtend rosa Blüten) und ‚Deben‘. Bei Letzterer entwickeln sich aus rosafarbenen Knospen weiße Blüten. Auch der sehr ähnlich aussehende Duftende Schneeball (Viburnum farreri) blüht oft schon ab dem Frühwinter. Die Blüten beider Schneeball-Arten verströmen ein deutlich wahrnehmbares Vanillearoma, das sich schon im Vorübergehen erschnuppern lässt. Etwas schwächer duften die rosaweißen Blüten des Lorbeer-Schneeballs (Viburnum tinus). Dieser Strauch stammt aus mediterranen Gefilden, ist aber im Weinbauklima zuverlässig winterhart. Bei strengen Frösten erfrieren die geöffneten Blüten der winterblühenden Schneeball-Arten zwar, aber schon in der nächsten milden Periode öffnen sich wieder neue.

 Ihre Blüten duften nach Vanille: die Winterblüte (Chimonanthus praecox).

Ihre Blüten duften nach Vanille: die Winterblüte (Chimonanthus praecox).

Im Januar ist das Spektrum an Duftspendern im Garten schon deutlich breiter. Die Winterblüte (Chimonanthus praecox) ist ein mittelgroßer Strauch, der kleine, süß duftende, cremeweiße bis gelbe Blüten mit braunrotem Schlund hat. Ebenfalls süß duften die weißen bis zartrosafarbenen Glöckchenblüten der Schneeforsythie (Abeliophyllum distichum). Der zierliche, maximal eineinhalb Meter hohe Strauch wird jedoch eher selten in unseren Gärten gepflanzt.

Fast alle kennen dagegen die aparten, in Büscheln an kahlen Zweigen sitzenden, riemenförmigen Blüten der verschiedenen Zaunbernuss-Arten und -Sorten. Bei der Wahl von Zaubernüssen heißt es aber aufpassen, denn nicht alle Sorten sind Nasenschmeichler. Bei der Chinesischen Zaubernuss (Hamamelis mollis) sind Sie auf der sicheren Seite. Die Sorten dieser Art haben goldgelbe, stark und angenehm duftende Blüten. Bei der Hybrid-Zaubernuss (Hama­melis x intermedia) duften beispielsweise die Sorten ‚Amanda‘ mit orangeroten und ‚Pallida‘ mit hellgelben Blüten. Am besten gehen Sie zur Blütezeit in der Baumschule Ihrer Wahl auf Zaubernuss-Suche, um eine Sorte zu finden, die wirklich „dufte“ ist!

Zarten Marzipanduft verströmen die Blüten der Higan-Kirsche.

Zarten Marzipanduft verströmen die Blüten der Higan-Kirsche.

Duftschleudern mit und ohne Sonnenhunger

Eine echte Duftschleuder ist im Winter die Schleimbeere (Sarcococca), auch Fleischbeere genannt. Trotz ihres wenig appetitlichen Namens bezaubern die immergrünen, mittelgroßen Sträucher mit cremeweißen Blütenbüscheln, die nach Maiglöckchen duften. Diese pflegeleichten Gehölze haben überdies den Vorzug, auch an schattigeren Standorten nicht zu versagen. Viel Sonne brauchen hingegen die Blüten der Winter-Heckenkirsche (Lonicera x purpusii), damit sie ihr veilchenartiges Odeur verströmen. Meist findet sich im Handel die in grünlichem Weiß blühende Sorte ‚Winter Beauty‘. Am besten wird das etwas sparrig wachsende Gehölz an ein Spalier gepflanzt, woran es sich bis zu zwei Meter hoch emporranken kann.

Auch der bei uns heimische Gewöhnliche Seidelbast (Daphne mezereum) mag es am liebsten sonnig. Der Kleinstrauch hat purpurrosafarbene Blüten, die quirlförmig an den stramm aufrechten Zweigen stehen und nach Gewürznelken duften. Andere Seidelbast-Arten wie Nepal-Seidelbast (Daphne bholua) und Duftender Seidelbast (Daphne odora) warten ebenfalls mit würzig-fruchtigen Duftnoten auf.

Der Papierstrauch lockt mit seinem süßen Honigduft die allerersten Schmetterlinge, hier einen Admiral.

Der Papierstrauch lockt mit seinem süßen Honigduft die allerersten Schmetterlinge, hier einen Admiral.

Wenn Ende Januar die Tage bereits wieder etwas heller werden, öffnet der breitbuschig wachsende Papierstrauch (Edgeworthia tomentosa) seine gelb-weißen, in dichten Büscheln angeordneten Blüten. Der in Weinbaugebieten winterharte Strauch aus China lockt dann mit seinem honigartigen Duft vielleicht schon erste Schmetterlinge wie Admirale oder Zitronenfalter an, die in Verstecken bei uns überwintert haben.

Frühe Blüher profitieren

Aber warum blühen und duften all diese Gehölze mitten im Winter? An milden Tagen locken die Blütendüfte die wenigen bereits aktiven Insekten aus dem Winterschlaf. Honigbienen wagen sich zwar erst bei zweistelligen Temperaturen aus dem Bienenstock. Aber Hummeln, von denen es bei uns rund 40 Arten gibt, werden schon bei acht Grad Celsius aktiv – aber nur die Königinnen, denn Arbeiterinnen und Drohnen überleben die kalte Jahreszeit nicht. Bei der Nektarsuche streifen die Insekten den Pollen an den Blüten ab, transportieren ihn zur nächsten Blüte und sorgen dadurch für eine Befruchtung. Weil es in der kalten Jahreszeit wenig Konkurrenz von anderen Blüten um die ebenso wenigen Bestäuber gibt, profitieren die Winterblüher also von ihrer frühen Blütezeit.

Anders als wahrscheinlich die Insekten nehmen wir die Düfte übrigens je nach Witterung unterschiedlich wahr. Bei milden Temperaturen und Sonnenschein duften die meisten Winterblüher am intensivsten. Bei frisch gefallenem Schnee riechen sie dann plötzlich ganz anders, ebenso in Verbindung mit feuchter Erde.

Der gewöhnliche Seidelbast bezaubert mit seinen purpurrosafarbenen Blüten, die nach Gewürznelken duften.

Der gewöhnliche Seidelbast bezaubert mit seinen purpurrosafarbenen Blüten, die nach Gewürznelken duften.

Damit die aromatischen Wohl­gerüche nicht unerschnuppert bleiben, sollten die winterblü­henden Duftwunder möglichst nah am Haus stehen. Denn was nützt ein herrlich vor sich hin duftender Strauch im hintersten Gartenteil, wo sich in den kalten Monaten niemand aufhalten mag? In der Nähe der Haustür hingegen können Sie den verführerischen Duft mehrmals täglich schnuppern. Auch der Terrassenrand, wo man an milden Wintertagen schon mal im Freien sitzt, ist ein guter Stand­ort für winterduftende Ziergehölze. Blühende Zweige lassen sich zwar auch als Vasenschmuck ins Haus holen, doch bei langsam wachsenden Gehölzen wie der Zaubernuss oder dem Seidelbast empfiehlt es sich, auf das Schneiden zu verzichten. Erfreuen Sie sich lieber im Freien an den Düften und dem Anblick der zarten Winterblüten!

Fotos: © Frank von Berger