Gesundheit aus dem Garten – Obst & Gemüse – natürlich gut für Körper und Geist Special for Homepage | 11.07.2025 | Heide Bergmann

Gemüse

Frisch gepflückte Erdbeeren, duftende Möhren, leuchtend rote Tomaten – Obst und Gemüse gibt es jetzt in Hülle und Fülle: ob im ­eigenen Garten oder vom regionalen Bauernmarkt. Welche Power in Obst und Gemüse steckt, was uns fit hält und sogar glücklich macht, verrät die Pflanzenexpertin Ursel Bühring.

Viel Obst und Gemüse essen hält den Körper gesund und schützt vor Krankheiten. Das ist längst bekannt und in vielen wissenschaftlichen Studien belegt. Die darin enthaltenen Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe und sekundären Pflanzenstoffe wirken wie Medizin auf unseren Organismus. Sie stärken die Abwehr, halten den Darm intakt und helfen, Stress abzubauen.

Farbe auf dem Teller

Besonders wirkungsvoll sind Farben. Je bunter ein Teller, desto besser. „Gelbe, rote, orangene Farben im Obst und Gemüse sind Zell- und Gefäßschützer“, erklärt Ursel Bühring, die Gründerin der Freiburger Heilpflanzenschule und Autorin zahlreicher Fachbücher. „Farbstoffe helfen der Zelle, dass sie nicht so schnell altert und entartet und dass sie gesund bleibt.“ Viele sekundäre Pflanzenstoffe stecken in der Schale. Es sind Stoffe, mit denen sich die Pflanze vor Fraßfeinden und Krankheiten schützt. Sie sind auch für uns gesund. „Deshalb sollte man Obst und Gemüse immer ‚bio-regional‘ und mit Schale essen“, rät die Expertin.

Die Karotte ist ein Star unter den Gemüsearten. Die orangene Farbe, das Betacarotin, wirkt wie ein Sonnenschutz für die Haut, ist gut für die Augen und gilt als Krebshemmer. Für eine vielfältige Wirkung kann man Karotten gekocht, aber auch roh verzehren und ein paar Tropfen Öl dazugeben, denn Betacarotin ist fettlöslich. „In Form einer ‚Morosuppe‘ gelten Möhren als Antibiotika-Ersatz bei Durchfall: durch langes Kochen der Möhren werden spezielle Zucker freigesetzt, die Durchfallerreger an sich binden. Das wirkt auch bei antibiotikaresistenten Keimen“, so Bühring.

Zu den farbenfrohen Gemüsen gehört auch die Tomate. Neben viel Vitamin C enthält sie Lycopin, einen sehr wirksamen sekundären Pflanzenstoff, der in zahlreichen kardiologischen Studien untersucht wurde. „Farbstoffe sind alles Anti-Oxidantien, und davon hat die Tomate richtig viele“, weiß Ursel Bühring. „Als Sauerstoff-Radikalenfänger sorgen sie dafür, dass sich in den Blutgefäßen keine Ablagerungen bilden. Sie schützen vor Arteriosklerose und Herzinfarkt“. Lycopin löst sich erst so richtig durch längeres Erhitzen. Bei der Zubereitung einer Tomatensauce sollte man es so machen wie die italienische Mama: die Tomaten sehr lange köcheln lassen.

Pflanzenexpertin Ursel Bühring

Pflanzenexpertin Ursel Bühring weiß, wie die Inhaltsstoffe am besten ihre Wirkung entfalten.

Gartenpflanzen mit Power

Einmal quer durch den Obstgarten gehen ist wie ein Einkauf in der Apotheke. Beeren strotzen nur so vor sekundären Pflanzenstoffen. „Dass die Erdbeere ein Heilmittel ist, weiß man schon lange. Jetzt hat man herausgefunden, dass sie mit ihrem Powerpaket an Inhaltsstoffen das Immunsystem ankurbelt, Entzündungen mildert, Arteriosklerose vorbeugt und mit ihrer Ellagsäure intensiv Krebs vorbeugt.“ Auch schwarze Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren sind kleine Power­pakete. Sie enthalten viel Vitamin C, Flavonoide, Anthozyane und Pektin. Getrocknete Heidelbeeren, von Hildegard von Bingen als „lila Medizin“ gelobt, wirken sehr effektiv bei Durchfall und chronischen Darmentzündungen.

Himbeeren

Wirsing

Himbeeren sind vitaminreiche Power­pakete, genauso wie Wirsing und andere Kohlsorten, die krebsabwehrende Senföl-Glykoside enthalten.

Jetzt ist Zeit, um Herbst- und Wintergemüse zu pflanzen. Brokkoli- und Grünkohl sollten auf keinen Fall fehlen, denn sie enthalten nicht nur jede Menge Kalzium, Vitamine und Ballaststoffe, sondern vor allem Senföl-­Glykoside. Nach neuesten Forschungen gelten sie als intensive Krebsabwehr. Am besten dünstet man beide Kohlarten nur kurz oder verspeist sie roh im Salat. So kommt das natürliche Antibiotikum am besten zur Geltung. Damit die Senföl-Glykoside aktiviert werden, gibt es einen Trick: die Grünkohlblätter mit den Händen und etwas Salz kneten und dann mit Essig und Öl anmachen.

Bitte etwas Bitteres

In den Klostergärten von einst wusste man, dass bittere Pflanzen zu einem langen Leben verhelfen. Inzwischen wurden aus vielen Gemüsesorten und Salaten die Bitterstoffe herausgezüchtet. Schade, denn Bitterstoffe sind wahre Lebenswecker. „Heute weiß man, dass Bitterstoffe viel können“, so Bühring. „Sie greifen in ganz viele Organsysteme ein. So sind sie wichtig für die Schutzfunktion der Haut. Sie sind gut fürs Herz, regen die Verdauungssäfte und den Stoffwechsel an und tonisieren, also kräftigen den Körper. Man fühlt sich nicht schlapp und erschöpft, aber auch nicht aufgedreht, sondern ist in seiner Mitte.“ Viele alte Gemüsesorten und Zichoriensalate wie der italienische Catalogna, Radicchio oder Zuckerhut sind leicht bitter. Auch alle Kohlarten, Küchenkräuter, Rucola und Artischocken. Wer seine Speisen damit ergänzt und mit frischen Kräutern würzt, macht sie verdaulicher.

Superfood mit Glücksgarantie

Gibt es ein Superfood, das die Expertin besonders empfiehlt? „Die Fülle an guten Speisen ist mein Superfood!“, entgegnet Ursel Bühring. „Sei es frisch aus dem Garten oder beim Gang über den Münstermarkt – ich lasse mich von Farben und Geschmack ansprechen, natürlich möglichst bio. Ich esse schwerpunktmäßig Gemüse, aber auch ab und zu mal ein gutes Stück Fisch oder Fleisch. Lust und Freude am Essen sind wesentlich.“ Einen ganz speziellen Superfood-Tipp hat sie aber doch noch: den Apfel. „Weil er immer zur Hand ist, lagerfähig und heimisch. Die Farbstoffe in der Schale senken den Cholesterin­spiegel, und das Pektin im Fruchtfleisch ist die beste Pflege für die Darmschleimhaut. Pektin ist eine Art Ballaststoff, der Wasser bindet und krankmachende Bakterien im Darm unschädlich macht. Deshalb hilft bei Durchfall auch ein geriebener Apfel“, so die Expertin. Ein gesundes Mikrobiom im Darm spielt eine ganz entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, denn nur bei gut funktionierender Verdauung fühlt sich der Körper fit und ­vital. Darüber hinaus werden im Darm mehr als 95 Prozent des Glückshormons Serotonin produziert. Na dann – nichts wie ran an die Äpfel!

Äpfel

„Ein Apfel am Tag, mit dem Doktor kein Plag!“ Äpfel sind nicht nur rundrum gesund, sie sorgen auch für mehr Vitalität und besseres Wohlbefinden.

Fotos: © iStock.com/AND-ONE; Ina Vetter, Heide Bergmann