Prärie statt Gießkanne – Gärten im Klimawandel Special for Homepage | 19.09.2026 | Frank von Berger
Blütenpracht trotz Hitze? Präriestauden machen es vor. Die robusten Pflanzen kommen mit Trockenheit bestens zurecht und bringen Farbe in öffentliche Anlagen und Privatgärten. Ein Blick auf die „Freiburger Prärie“ am Mundenhof zeigt, wie Gärten fit für den Klimawandel werden.
Die letzten Sommer waren in der Regel viel zu trocken und zu heiß – und die Prognosen für die Zukunft besagen, dass sich diese Tendenz fortsetzen wird. Es ist nicht zu leugnen, dass das Klima sich ändert und wir gerade hier in der REGIO immer öfter mit heißen, trockenen Wetterphasen in den Sommermonaten rechnen müssen. Das hat auch Auswirkungen auf die Vegetation, denn Hitze und Trockenheit bedeuten für die Pflanzen Dauerstress und einen Kampf ums Überleben. Viele der traditionellen Gartenpflanzen kommen ohne künstliche Bewässerung kaum noch über die Runden. Weil ständiges Gießen aber nicht die Lösung für diese Problematik sein kann, ist ein grundsätzliches Umdenken nötig. Das gilt nicht nur für Privatgärten, sondern auch für das „öffentliche Grün“, also Parks und Pflanzungen im städtischen Umfeld. Denn die Kosten für das aufwendige Bewässern und Pflegen von Beeten mit buntem Sommerflor sind ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor sowohl für die Kommunen als auch für Privathaushalte.
Überlebenskünstler aus Nordamerika
Im Freiburger Stadtgarten und bei anderen öffentlichen Grünflächen hat sich bei den Verantwortlichen inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Zeiten von dauerdurstigen Sommerblumen wie Fleißigen Lieschen, Eisbegonien, Dahlien und Tagetes vorbei sind. Neue Pflanzkonzepte mit Stauden, also mehrjährigen, krautigen Pflanzen, sind tatsächlich auf Dauer pflegeleichter, preiswerter und damit langfristig auch nachhaltiger. Wenn dabei ganz gezielt hitze- und trockenheitsverträgliche Staudenarten verwendet werden, kann dem Klimawandel Paroli geboten werden, ohne dass auf zierende Blütenpracht verzichtet werden muss. Auch in Privatgärten haben inzwischen viele robuste Staudenarten Einzug gehalten und ersetzen den früher so beliebten Sommerflor aus bunten Einjährigen. Zu den robustesten Kandidaten unter den Stauden zählen etwa Sonnenhut (Rudbeckia), Prachtscharte (Liatris spicata) und Indianernesseln (Monarda-Arten) sowie mehrjährige Ziergräser wie Ruten-Hirse (Panicum virgatum). Es ist kein Zufall, dass viele dieser Überlebenskünstler aus der nordamerikanischen Prärie stammen, wo die Sommer seit jeher heiß und trocken, die Winter aber mindestens genauso kalt wie hierzulande sind. Die robusten Arten lösen immer öfter traditionelle Gartenstauden wie Flammenblume (Phlox) und Rittersporn (Delphinium) ab, die aufgrund der neuen Klimaverhältnisse zunehmend Probleme bei der Kultur machen.

Am Mundenhof zeigen sich die bestens an Hitze angepassten Präriestauden derzeit in ihrer ganzen Pracht.
Die Vegetation der Prärie Nordamerikas, einem Steppengebiet auf den Hochebenen Nordamerikas östlich der Rocky Mountains, setzt sich aus einem bunten Gemisch von Gräsern und Stauden zusammen. Dabei spielen die Gräser eine dominante Rolle und sorgen für eine dauerhafte Struktur in der Pflanzengemeinschaft, denn sie sehen die ganze Saison über adrett aus. Die klassischen Präriestauden sind tief wurzelnde und langlebige, besonders an Hitze angepasste, sogenannte „Warm-Season-Pflanzen“, also Pflanzen, die ihr Wachstumsoptimum im Hoch- und Spätsommer haben. Anders als in vielen nach traditionellen Prinzipien angelegten Gärten wie etwa bei klassischen englischen Staudenrabatten, liegt die Hauptblütezeit bei Präriestauden deshalb nicht im Frühsommer, sondern eher in den späten Sommermonaten. Gleichzeitig sind sie aber auch sehr frosthart, denn im kontinental geprägten Klima ihrer Heimat wird es im Winter grimmig kalt. Das unterscheidet sie von mediterranen Gewächsen, die ebenfalls gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen, aber bei uns nur bedingt winterhart sind. Die Anpassung an extreme Witterungsverhältnisse machen Präriestauden daher zu idealen Kandidaten für das Gärtnern in Zeiten des Klimawandels, also bei Verhältnissen, wie wir sie auch in der REGIO für die Zukunft zu erwarten haben.
Keine Bewässerung und kaum Pflege
In gepflanzten Präriebeeten, die in jüngster Zeit immer öfter im öffentlichen Grün anzutreffen sind, wird diese Pflanzengesellschaft so nachgeahmt, dass sie an eine hoch gewachsene Naturwiese erinnert. Dass eine solche Bepflanzung nicht nur nachhaltig und pflegeleicht ist, sondern auch sehr reizvoll aussehen kann, zeigt sich seit einigen Jahren auf dem Freiburger Mundenhof. Dort gibt es rund ums Bison-Gehege eine Art Mini-Prärie zu bestaunen. Als das Tiergehege im Jahr 2018 seinen 50. Geburtstag feierte, fiel das zusammen mit dem 30-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Madison im US-Bundesstaat Wisconsin. Aus diesem Anlass spendierte der Mundenhof seinen Bisons eine kleine „Prärie“, die damals von Susanne Eckert, einer der beiden Leiterinnen des Tiergeheges, sorgfältig und fachkundig geplant wurde. Da bis heute keine Bewässerung und kaum Pflegemaßnahmen nötig sind und die Beete trotzdem nach wie vor einen guten Eindruck machen, zeigt sich, dass die Bepflanzung wirklich durchdacht und tatsächlich nachhaltig ist.

Durchdacht angelegt: Ein abgestorbener Baum markiert das von einem „Fluss“ aus Kieselsteinen strukturierte Präriebeet am Freiburger Mundenhof.
Die „Freiburger Prärie“ am Mundenhof besteht aus großzügig angelegten Beeten, die an mehreren Seiten direkt an das Bisongehege angrenzen. Jetzt im Hoch- und Spätsommer haben die meisten der in den Pflanzungen verwendeten Stauden ihren Höhepunkt, ganz so, wie sich das für einen echten Präriegarten gehört. Bunte Blüten von Prärie-Sonnenhut (Ratbidia), Becherpflanzen (Silphium), Seidenpflanzen (Asclepias), Arkansas-Scheinaster (Vernonia) und Rotem Schein-Sonnenhut (Echinacea purpurea) schmücken die Beete und locken zahlreiche Insekten auf Nektarsuche an. Ein Schwerpunkt der Blütenvielfalt wurde am Sitzplatz auf dem Hügel mit Blick hinunter ins Bisongehege gelegt. Hier lenken bereits im Frühsommer viele Blütenstauden auch aus dem mediterranen Raum wie Wolfsmilch-Arten (Euphorbia) sowie mehrjährige Ziergräser die Blicke auf sich. Das von einem alten, abgestorbenen Baum markant dominierte Präriebeet wird durch einen „Fluss“ aus großen, runden Kieseln strukturiert. Der Boden ist großzügig mit Sand gemulcht, was die Verdunstung verringert, die Feuchtigkeit im Boden hält und ein Bewässern der Pflanzung praktisch überflüssig macht.

Blütenvielfalt im Spätsommer

Der Prärie-Sonnenhut (Ratbidia) ist extrem frosthart und setzt von Juni bis Oktober markante Farbakzente im Beet.
Wer sich von der Präriepflanzung auf dem Mundenhof jetzt inspiriert fühlt, im eigenen Garten ebenfalls Neues zu versuchen, findet auf mehreren Info-Tafeln Hinweise zu den Pflanzen und ihrer Verwendung. Beachten Sie bei der Planung aber, dass viele Präriestauden eine stattliche Wuchshöhe erreichen und sich daher nicht für kleine Beete oder Vorgärten eignen. Es gibt jedoch eine Vielzahl robuster, hitze- und trockenheitsverträglicher Arten wie etwa Duftnesseln (Agastache), Indianernesseln (Monarda) und Sonnenhut-Arten (Echinacea, Ratbidia und Rudbeckia), die sich mit einer mittleren Wuchshöhe gut verwenden lassen. Und vergessen Sie die Gräser nicht, die zu einem stimmigen Gesamteindruck eines Präriebeetes unbedingt dazugehören!









