Jeder Einsatz zählt – Anpacken für den Naturschutz Natur & Umwelt | 11.08.2026 | Heide Bergmann
Gemeinsam im Einsatz: Das Mähgut wird abgeräumt, damit die Wiese artenreich bleibt.
Die Hände in den Schoß legen angesichts des Klimawandels? – Fehlanzeige! Ehrenamtliche der NABU-Gruppe Dreisamtal schützen Lebensräume, fördern bedrohte Arten und haben Spaß dabei. Von Kirchzarten, Oberried, Buchenbach bis hinauf nach St. Peter und St. Märgen reicht ihr Aktionsfeld. Ein Besuch beim Mäh-Einsatz auf einer Streuobstwiese.
Die Sonne steht an diesem Morgen hoch am Himmel. Ein Rotmilan zieht seine Kreise, und aus der nahen Feldhecke tönt die Stimme eines Grünfinks. Heute sollen es nur 28 Grad werden. Ein guter Tag, um draußen etwas zu tun. Die Streuobstwiese an der Friedrich-Husemann-Klinik muss gemäht werden. Lothar Vogt aus dem Vorstandsteam der NABU-Gruppe hat zu dem Termin eingeladen. Zehn Freiwillige sind gekommen. Mit dem Balkenmäher schneidet er das Gras, die anderen rechen das Schnittgut zusammen und hieven es mit Heugabeln auf den Anhänger. Bald ist die Arbeit erledigt. Am Schluss sitzen alle beieinander. Jemand hat Kuchen mitgebracht.
Die Streuobstwiese ist nur eines der vielen Biotope, um die sich der NABU kümmert. Rund um die Friedrich-Husemann-Klinik bei Buchenbach gehören mehrere Teiche, Feuchtwiesen, Hecken, Trockenmauern, Wildbienenhotels und rund 90 Vogel-Nistkästen dazu. Weitere Biotope im Dreisamtal sind Amphibiengewässer im Unteribental, an der Brugga und im Zastlertal sowie ein Teich in Neuhäuser, der der stark gefährdeten Geburtshelferkröte als Lebensraum dient. Außerdem pflegt der NABU Trockenbiotope, Wildblumenwiesen und insgesamt 1,5 Kilometer Feldhecken.

Fast 800 Mitglieder zählt der Verein im Dreisamtal, davon etwa 40 Aktive. Der NABU sucht weitere Mitstreiter für die Biotopeinsätze. Heike Schmeding aus dem Vorstandsteam ist immer gerne dabei. „Ich find’s toll, mit Gleichgesinnten etwas für den Naturschutz zu machen und bin gerne draußen. Wir versuchen, Lebensräume zu erhalten und kleine Oasen zu schaffen für Amphibien, Vögel, Insekten. Denn die oft ausgeräumten Agrarlandschaften bieten immer weniger Rückzugsmöglichkeiten. Wenn die Arten aussterben, geraten die Ökosysteme und damit unsere Lebensgrundlage in Gefahr.“
Viel zu tun also. Die NABU-Aktiven halten Gewässer frei, pflegen Uferzonen, schaffen Rückzugsorte für Amphibien, errichten Insektennisthilfen, mähen Feucht- und Trockenwiesen und pflanzen insektenfreundliche Sträucher sowie Obstbäume alter Sorten. „Biotoparbeit bedeutet nicht, einfach alles wachsen zu lassen“, sagt Lothar Vogt, „sondern auch einzugreifen und das Biotop so zu entwickeln, wie die Ziele sind.“ Das nötige Wissen holt sich die Gruppe bei Expertinnen und Experten und lädt regelmäßig Fachleute ein: „Bei einer Begehung des Geländes lernen wir immer etwas Neues“, sagt Vogt. „Wir setzen das um und schauen, wie sich die Flächen entwickeln. Das finde ich spannend.“
Naturschutz mit Augenmaß
Plötzlich stoppt Vogt den Balkenmäher. An einer Stelle springen massenweise Heuschrecken auf. Um ihren Lebensraum nicht zu stören, mäht er großzügig darum herum. „Streuobstwiesen sind hier in unserer Gegend die Lebensräume mit der größten Artenvielfalt“, weiß Heike Schmeding. Das ist auch angesichts des Klimawandels wichtig. Denn artenreiche Wiesen durchwurzeln den Boden, nehmen Wasser besser auf und speichern es. Und speichern CO2.
Der Vormittag nähert sich dem Ende. Der nächste Einsatz auf der Wiese ist im September, wenn Äpfel und Quitten geerntet und zu Saft gepresst werden. Im Winter stehen der Baumschnitt und das Reinigen der Nistkästen an. Ein kleines Stück Kulturlandschaft wird hier naturnah erhalten. Auch wenn sich die großen Probleme der Welt nicht auf einmal lösen lassen, kann jeder Einzelne etwas tun und gemeinsam mit anderen viel bewirken. Das gibt ein gutes Gefühl.
INFO
NABU Dreisamtal
Weitere Infos und Veranstaltungen gibt es auf der Website. Wer mitmachen möchte, meldet sich gerne unter kontakt@nabu-dreisamtal.de
nabu-dreisamtal.de









