Wellness, Wein und Wurfsport: Bad Krozingen im Porträt Freizeit in der Region | 26.08.2019 | Tanja Senn

E-Bike-Tour

Im Thermenwasser entspannen, Wein verkosten oder mit dem E-Bike den Breisgau erkunden: Für all das ist die Kurstadt Bad Krozingen prädestiniert. Moderne Angebote wie der Trendsport Disc Golf bieten zudem stetig neue Erlebnisse.

Gemütlich im Eco-Modus, im Sport-Gang oder gleich in den Turbo? Die geführte E-Bike-Tour startet mit einer Entscheidung. Doch schon nach einer kurzen Einweisung hat jeder seine persönliche Unterstützung gefunden und los geht es durch den Bad Krozinger Kurpark. Die „grüne Lunge“ der Stadt zieht jedes Jahr allein 400.000 bis 450.000 Gäste an, die unter den alten Bäumen schlendern, Bogen schießen, golfen oder einfach die Ruhe genießen. Viele Bad Krozinger haben hier ein Lieblingseckchen. Für Rolf Rubsamen, Geschäftsführer der Kur und Bäder GmbH, ist es der kleine See mit dem Café. „Man sitzt hier, sieht aufs Wasser und die Schwarzwaldberge – dieser Blick ist unbezahlbar“, schwärmt er.

Seit diesem Frühjahr hat der Kurpark noch eine ganz andere Attraktion: Disc Golf – eine Mischung aus Golf und Frisbee. Ziel des Trendsports ist, die Scheiben mit so wenigen Würfen wie möglich in einem Metallkorb zu versenken. Wie beim Golf braucht’s am Anfang kraftvolle Würfe über weite Strecken, später viel Präzision und eine ruhige Hand. „Stell dir beim Wurf vor, du willst ein Fenster einschlagen oder jemandem eine Backpfeife geben“, scherzt Jonathan Maas vom Freiburger Verein Heads Up, der die Anlage betreut.

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Immer neue Angebote wie Disc Golf halten Bad Krozingen für Besucher attraktiv.

Trotz des Profi-Equipments, das man beim Café am See ausleihen kann, ist aller Anfang schwer: Wofür Maas nur zwei oder drei Würfe braucht, das kann auch bei sportlichen Neulingen bis zu acht Anläufe dauern. „Dafür macht es gerade in der Gruppe einen Riesenspaß“, erzählt Rubsamen, der den Freiburger Verein zur neuen Anlage in Bad Krozingen ermutigt hat.

Die Metallkörbe werden bei der E-Bike-Tour links liegen gelassen: Aus dem Kurpark geht es auf direktem Weg Richtung Innenstadt. An der Straße informiert ein Schild über Bad Krozingen in der Römerzeit: Schon damals gab es hier wohl eine bedeutende Siedlung mit bis zu 5000 Einwohnern. Wer mehr darüber erfahren möchte, wird wenige Schritte weiter fündig: Das Litschgi-Haus mit seiner historischen Fassade – eine Inschrift über der Tür datiert sie auf 1687 – ist schon von außen sehenswert. Im Inneren findet sich das Stadtmuseum, in dem eine neue Abteilung auch die Geschichte der römischen Siedlung beleuchtet.

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Die Historie der Stadt beleuchtet das Stadtmuseum im Litschgi-Haus.

Einen Besuch lohnt auch das nahe Schloss. 1578 als Amtshaus errichtet, wurde es später im Rokokostil umgebaut. Hier finden regelmäßig Schlosskonzerte in romantischem Rahmen statt, bei denen namhafte Musiker die alten Instrumente wieder zum Leben erwecken.

„Perfekter Ausflugsort“

Doch auch die Innenstadt wird bei der E-Bike-Tour an diesem Tag nur gestreift. Schließlich ist „Bad Krozingen der perfekte Ausgangsort für Ausflüge“, wie Rubsamen betont. Durch die Nähe zur Autobahn und die gute Zuganbindung ist die Stadt für Touristen und Tagesausflügler gut erreichbar. Wer die Umgebung aktiv erkunden will, leiht sich entweder im Kurpark ein Fahrrad – etwa 60 Prozent der geliehenen Räder sind mittlerweile E-Bikes – oder erkundet die Wanderwege. Im Sommer bieten Mitarbeiter der Kur und Bäder GmbH zweimal im Monat geführte Touren mit den elektrischen Drahteseln an. Für die meisten eine willkommene Abwechslung zum Schreibtisch.

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Malerisch: Abendstimmung in Bad Krozingen.

Mit Katharina Pfefferle und Rosita Grass, beide aus der Marketing-Abteilung, geht es in ihren nahen Heimatort: das Münstertal. Direkt nach dem letzten Wohngebiet beginnen die Wiesen, Felder und Reben des Breisgau. Um für die vielen Touristen noch attraktiver zu werden – die Stadt Bad Krozingen zählt 220.000 Übernachtungen im Jahr –, wandelt die Stadt zusammen mit Landwirten immer wieder Maisäcker am Ortsrand in Blumen- und Streuobstwiesen um, verrät Rubsamen.

Schon nach wenigen Minuten taucht auf einem Hügel in der Ferne eine Burg auf und verrät den nächsten Stopp: das Städtchen Staufen. Hier laden kleine Cafés und Gasthäuser zur Einkehr ein. Viele Restaurants in der Region seien auf Radfahrer eingestellt, sagt der Kurdirektor. „Da wird man nicht schief angeguckt, wenn man das Rad mit in den Biergarten nimmt.“

Für viele sei schließlich gerade das – die Verbindung aus sanfter Bewegung, Genuss und Wellness – ein Grund, Bad Krozingen zu besuchen. Darunter sind auch immer mehr Menschen aus der REGIO, die hier einen Kurzurlaub verbringen. „Dafür muss man nicht wegfliegen oder zehn Stunden Auto fahren, man kann auch zu uns kommen“, so Rubsamen. Gerade die Wein-Veranstaltungen seien für viele attraktiv.

So geht es etwa am 5. Oktober zur großen kulinarischen Weinwanderung in den Rebberg: Über einen fünf Kilometer langen Lehrpfad – der viel über das Markgräflerland und seine Trauben verrät – wandern die Genießer zu den Ständen der einheimischen Winzer. Hier werden die guten Tropfen passend zu den einzelnen Gängen eines Menüs serviert. Laut Rubsamen, der als anerkannter Weinberater selbst als Guide mitgeht, kommt die Veranstaltung sehr gut an. Rund 100 Weinliebhaber seien jedes Jahr dabei, die dann in Gruppen aufgeteilt durch den Rebberg wanderten.

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Bei der Weinwanderung im Oktober wird ein Menü mitten im Rebberg serviert.

Wer bei der E-Bike-Tour nach einem Gläschen Wein oder einem Kaffee Richtung Münstertal weiterradelt, umrundet die Stadt auf kleinen Schotterwegen. Gut, dass sich Grass und Pfefferle auskennen: Immer wieder zeigen kleine Schleichwege ein neues Stück der Landschaft auf. Hinter Staufen geht es dann zwischen dem Neumagen, der vom Stohren hinabrauscht, und den Bahngleisen ins Münstertal. Wer es sportlich mag, kurvt über die Hügel, alle anderen folgen dem Radweg und später der Straße durchs Tal.

Das nächste Etappenziel – das Kloster St. Trudpert – ist bald erreicht. Die heutige Pfarrkirche begeistert mit ihrem prunkvollen barocken Innenraum. Im Klostergebäude nebenan laden die Schwestern vom heiligen Josef dazu ein, den klösterlichen Rhythmus mitzuerleben: Frauen zwischen 18 und 40 Jahren können beim „Kloster auf Zeit“ für einige Tage einziehen. Viele Münstertäler schätzen den Orden aber aufgrund viel weltlicherer Genüsse. „Bei den Schwestern gibt es himmlisches Fleisch“, erzählt Grass. „Und tollen Schnaps“, ergänzt Pfefferle.

Alles rund um die Biene

Auch beim nächsten Stopp dreht sich im weitesten Sinne alles um den Genuss. Während die Räder vor der Tür bleiben, führt Pfefferle durch das Bienenkundemuseum, das hier vor 41 Jahren ihr Großvater Karl Pfefferle gegründet hat. Bis heute betreibt die Bienenzüchter-Familie – selbst die Marketingleiterin ist ausgebildete Imkerin – das Museum, das als weltweit größtes seiner Art gilt. Mehr als 1500 Exponate erwarten die Besucher: von frühen Bienenkörben über moderne Honigschleudern bis hin zu einem echten Stock, in dem es brummt und wuselt. Wer wissen möchte, warum die Imme aus unserer Natur nicht wegzudenken ist – sicherlich nicht nur im Hinblick auf das aktuelle Volksbegehren interessant –, findet hier eine Fülle an Informationen.

Zurück geht es rasant das Münstertal hinunter. Das Gefälle, das die leistungsstarken E-Bikes beim Anstieg so locker überwunden haben, spürt man erst jetzt. Mit dem frischen Fahrtwind im Gesicht ist Bad Krozingen eine halbe Stunde später wieder erreicht. Die Räder werden in der Tourist-Info abgegeben, und wer jetzt noch etwas Entspannung braucht, muss nur ins gegenüberliegende Gebäude: Die Vita Classica lockt mit wohlig-warmem Thermalwasser und Wellness-Angeboten. „Hier kann man sich erholen und runterkommen“, verspricht Rubsamen. Dafür bietet gerade der Wellnesstempel – das „Wohlfühlhaus“ der Therme – verschiedene Massagen in japanischem, marokkanischem, indischem oder türkischem Ambiente. So wartet der Kurzurlaub in Bad Krozingen sogar noch mit einem Hauch fremdländischer Exotik auf.

Ortsinfo:

Lage: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Mit dem Auto sind es rund 25 Minuten nach Freiburg und 50
Minuten nach Basel.
Gründung: Erste urkundliche Erwähnung der Siedlung Krozingen im Jahr 799.
Ortsteile: Biengen, Hausen, Schlatt, Tunsel
Bevölkerung: 20.845 Einwohner

www.bad-krozingen.de

Foto: © Kur und Bäder GmbH, tln, Stadt Bad Krozingen