„Das ist wirklich existenzbedrohend“: Darius Lohmüller von den Deadnotes über eine katastrophale Tour Kultur | 12.04.2022 | Pascal Lienhard

Darius Lohmüller

Aus Freiburg hat es sie inzwischen weggezogen. Doch hier hat sich die Indie-Punk-Band gegründet, ihren Sound gefunden und eine treue Fangemeinde erarbeitet. Gerade haben die Deadnotes Konzerte in England und Frankreich gespielt. Mit „abenteuerlich“ sind ihre Tour-Erlebnisse nur unzureichend beschrieben. Es wurde nicht nur Equipment im Wert von 25.000 Euro gestohlen. Das erzählt der 26-jährige Sänger und Gitarrist Darius Lohmüller im Interview mit chilli-Volontär Pascal Lienhard.

chilli: Herr Lohmüller, wie blicken Sie auf die Tour zurück?

Lohmüller: Wir sind als Band schon relativ viel gewohnt und können auch mit schwierigen Situationen meist routiniert umgehen. Aber diese Tour ist selbst nach zehn Jahren so ziemlich das Krasseste, was wir erlebt haben.

chilli: Wann fingen die Probleme an?

Lohmüller: Die ganze Tour stand unter keinem guten Stern. Jetzt, wo wieder Konzerte gespielt werden können, herrscht in der Live-Branche ein großer Druck, dass alles rund läuft. Hinzu kommen die Konsequenzen des Brexits, die den Alltag einer tourenden Band aus dem Ausland verkomplizieren. Die Regelungen ändern sich ständig. Langfristig lässt sich das nur schwer durchziehen. Das betrifft im Umkehrschluss natürlich auch britische Bands, die in Europa auftreten möchten. Unsere ersten drei UK-Gigs wurden kurzfristig, auch wegen Corona, abgesagt. Am vierten Tag kam die eigentliche Katastrophe.

chilli: Was ist passiert?

Lohmüller: Auf einem Hotelparkplatz in Birmingham wurde in unseren Van eingebrochen. Die Diebe haben drei Scheiben eingeschlagen und drei Viertel unseres Equipments gestohlen. Der finanzielle Schaden beträgt rund 25.000 Euro. Unsere Versicherung kommt zwar für die Hälfte auf. Aber damit bleiben wir immer noch auf hohen Kosten sitzen. Wir können das nicht einfach so stemmen. Das ist wirklich existenzbedrohend.

chilli: Wie ging es nach dem Einbruch weiter?

Lohmüller: Sehr impulsiv haben wir uns vorgenommen, die Tour fortzusetzen. Dabei haben wir sehr viel Unterstützung erfahren. Die Instrumente und alles, was wir sonst so brauchten, haben wir uns jeden Abend geliehen. Während einer Show in London hat uns ein Freund den Van notdürftig repariert, so dass wir noch in der Nacht zu unserem nächsten Auftritt in Paris aufbrechen konnten. Allerdings wurden wir viereinhalb Stunden am Zoll aufgehalten. Die Beamten wollten uns nicht glauben, dass wir mit so viel Zeug ins Land und mit so wenig zurückkommen. Sie haben wohl vermutet, dass wir die Sachen illegal verkauft haben.

chilli: Aber schließlich haben Sie es nach Paris geschafft?

Lohmüller: Ja, total übernächtigt sind wir dort angekommen. Nur um zwei Stunden vor dem Soundcheck die Meldung zu bekommen, dass die Show wegen eines Wasserschadens im Club abgeblasen wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir nur noch lachen. Mit toller Unterstützung haben wir auf die Schnelle eine Akustik-Show auf die Beine gestellt.

chilli: Mit „Cerf pris dans les phares“ haben Sie eine französische Version Ihrer aktuellen Single herausgebracht. Konnten Sie den Song in Frankreich spielen?

Lohmüller: Leider nicht. Darauf hatten wir uns eigentlich sehr gefreut. Wir wurden auch in Paris und auf den folgenden Konzerten in Frankreich danach gefragt. Aber ohne das gestohlene Equipment war es leider nicht möglich, diesen recht experimentellen Song live umzusetzen.

chilli: Wie geht es jetzt weiter?

Lohmüller: Wir haben trotz allem gute Shows gespielt und hatten Spaß. Erst jetzt realisieren wir langsam, was das alles für uns bedeutet. Man darf nicht unterschätzen, dass das psychisch enorm belastend ist. Da fragt man sich schon, wie lange man das noch machen möchte. Wir werden eine Lösung finden, auch wenn wir noch nicht wissen, wie die aussehen wird. Auf jeden Fall sind weitere Konzerte geplant. Im Mai wollen wir etwa endlich unser Konzert im Waldsee nachholen, das eigentlich für März 2020 geplant war. Wir sind guter Dinge, dass das dieses Mal klappen wird.

Foto: © Paul Ambrusch/@xfinalchapterx

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