Auf dem Vierburgenweg von Festung zu Festung Freizeit in der Region | 12.09.2019 | Tanja Senn

Vierburgenwanderung

Von Festung zu Festung wandert man – der Name verrät es – auf dem Vierburgenweg von Kenzingen nach Waldkirch. Für eine Tagestour bietet sich die Etappe ab Waldkirch an. Mal auf schottigen Pfaden, mal auf Waldwegen geht es über Berg und Tal.

Für alle Burgenfreunde ist Geduld angesagt. Statt zu alten Gemäuern geht es zunächst an den Bahnhof in Emmendingen. Von hier aus spaziert man am modernen Rathaus vorbei, bis man in der kopfsteingepflasterten Altstadt erstmals einen Hauch Altertum atmet. Wunderbar ruhig ist es an diesem sonnigen Sonntagmorgen. An den kleinen Tischen der Straßencafés genießen Frühaufsteher den ersten Kaffee, ein paar Hunde führen ihre noch schlaftrunkenen Menschen Gassi. Auch im Stadtgarten wird das Vogelgezwitscher bisher nicht von Besuchern übertönt.

Von hier aus führt ein schotteriger Pfad hinauf in den Schaukelwald. Woher der Name kommt, bleibt offen, stattdessen erreicht man bald eine Station, an der man seine Baumkenntnisse erweitern kann. In bester Waldbaden-Manier soll man sich hier – so die Aufforderung auf einem hölzernen Schild – mit geschlossenen Augen zu ein paar Bäumen führen lassen, um diese dann durch Tasten zu bestimmen. So beginnt der Tag mit innigen Baum-Umarmungen.

Weiter geht es auf kühlen, schattigen Waldwegen leicht bergauf, bis das erste Highlight der Tour zwischen den Bäumen aufragt. Auch hier heißt es „Geduld“, denn die Wanderer erwartet nicht die erste Burg, sondern der Eichbergturm mit seiner sechseckigen Aussichtsplattform, die von langen Holzstelzen getragen wird. In Sachen Höhe kann es das Bauwerk mit seinen 53 Metern durchaus mit den meisten Burgen aufnehmen. So gilt es, stolze 240 Stufen zu erklimmen. Ein mühsamer Aufstieg, der mit einem grandiosen Blick auf das Breisgau belohnt wird – von Emmendingen bis hin zum Schwarzwaldkamm, dem Schweizer Jura und den Vogesen.

Erste Burg der Etappe: die Hochburg Emmendingen.

Wieder unten angekommen, erinnern Holzbänke und -tische daran, dass man sich nun ein (zweites) Frühstück redlich verdient hat. Wer einfach nur die Füße hochlegen und der Stille des Waldes lauschen möchte, kann es sich auf einer geschwungenen Liege gemütlich machen. Wunderbar entspannt geht es weiter, zunächst wieder bergab über einen kleinen, lehmigen Waldweg, dann hinaus aus den Bäumen vorbei an Wiesen und voll hängenden Apfelbäumen. Von hier aus fällt der Blick bereits auf den nächsten Höhepunkt der Tour – und ja, diesmal ist es tatsächlich eine Burg.
Bevor man jedoch die Emmendinger Hochburg erreicht, geht es zunächst an der Domäne Hochburg vorbei. Der Schulbauernhof lädt jährlich rund 3000 Kinder zu diversen Veranstaltungen ein, um ihnen die Landwirtschaft näherzubringen. Auch an diesem Sonntag wimmelt es von Familien, die die Kühe und Kälber bewundern, auf der Suche nach Hühnern über Zäune linsen und sich mit einem frischen Becher Milch aus dem Automaten verwöhnen lassen. Da sich von hier aus niemand den kleinen Abstecher zur Burgruine nehmen lässt, ist auch der ansteigende Weg vorbei an Rinder- und Gänseherden viel begangen.

Schon nach ein paar Minuten durchquert man das steinerne Tor zur mittelalterlichen Hochburg – der drittgrößten Burganlage Badens. Trutzige Turmreste, verwitterte Zinnen und mit Efeu bewachsene Steinmauern geben einen Eindruck davon, wie die ehemalige Burg „Hachberg“ aus dem 12. Jahrhundert einst ausgesehen haben muss, bevor sie zunächst im Dreißigjährigen Krieg und dann endgültig im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört wurde. Ein Plan vor dem Eingang zeigt, wo einst Meierhof, Küferei, Schmiede oder der Küchenbau waren. Zum Leben erwachen die alten Gewerke am 2. September. Dann lädt der Hochburgverein zu einem großen Fest mit Handwerksvorführungen, Musik, historischem Feldlager und Bewirtung. Die gibt es in kleiner Form auch an jedem anderen Sommerwochenende: Das „Schwatzhüsli“ – ein Kiosk im Burghof – versorgt die Besucher mit kühlen Getränken, Brezeln oder heißen Würstchen.

Entlang am Bächle durch Sexau

Wem das nicht ausreicht, der muss sich nicht lange gedulden, denn von der Burg aus führt der Weg geradewegs nach Sexau, wo mehrere Gaststätten zur Rast einladen. Der sanfte Abstieg erfolgt großteils in der Sonne, vorbei am urigen Hornbauernhof. Ein schwarzes Huhn mit rotem Kamm flitzt über die Straße, Schafe mähen aus dem Verborgenen eines schattigen Stalls und ein paar weiße Tauben tun sich an der Tränke ihrer Voliere gütlich. Im Sexauer Tal angekommen, folgt man einem kleinen, mit violettem Blutweiderich gesäumten Bach. Forellen lassen sich hier im seichten Wasser träge treiben, grün schillernde Libellen surren über die Oberfläche. Der Bach – nun unter dem Namen Reichenbächle – begleitet den Wanderer auch wieder aus dem Ort hinaus.

Kühe Vierburgenwanderung

Auf den Weg zur Hochburg kommt man am Schulbauernhof vorbei, wo man Kühe und Kälber bewundern kann.

Sobald man die Wiesen, Maisfelder und die letzten Höfe verlässt, geht es wieder in den Wald. Gut so, denn nun folgt der letzte Aufstieg, der im Schatten der Bäume doch deutlich angenehmer ist als in der Nachmittagssonne. Vom Eulental zum Sexauer Haseneckle folgt man stets der gelben Wanderraute, bis die Kastelburg das erste Mal vor dem Panorama des weitläufigen Städtchens Waldkirch aufragt. Was nach einem Katzensprung aussieht, zieht sich, sodass die Füße bei der Ankunft schwer sind. Doch auch hier sollte man sich nicht davon abhalten lassen, die um 1280 erbaute Burg zu besichtigen. Wer mehr über die Burg und ihre Geheimnisse erfahren möchte, kommt am besten zu einer der nächtlichen Türmerführungen wieder.

Infos gibt es auch auf einer Schautafel vor dem Eingang sowie beim Abstieg über den Ritterpfad. Hier „erzählen“ hölzerne Ritter auf Infotafeln ihre Geschichte. Wissbegierige werden zudem im Elztalmuseum in Waldkirch fündig, wo es ein Modell der Burg vor ihrer Zerstörung zu sehen gibt. Nicht minder verlockend: die Cafés am Marktplatz mit ihren kalten Getränken und riesigen Eisbechern – ein Luxus, den moderne Burgfräulein und Ritter ihren mittelalterlichen Vorfahren voraus haben.

Info

Die Strecke von Emmendingen nach Waldkirch (15,7 km / ca. 5 Stunden / Aufstieg: 516 Hm / Abstieg: 453 Hm) ist nur eine Etappe des Vierburgenwegs. Wer alle Burgen – mit Landeck und Lichteneck – besuchen will, wandert auf 31,5 Kilometern von Kenzingen nach Waldkirch. Der Weg ist mit einer gelben Raute gekennzeichnet.

Parkplätze findet man am Emmendinger Bahnhof (sonntags kostenlos). Zurück von Waldkirch nach Emmendingen fährt die Linie 7201 unter der Woche jede, sonntags alle zwei Stunden ohne Umstieg. Minimal länger dauert es mit dem Bus nach Denzlingen und weiter
mit der Regionalbahn.

Fotos: © tas