Geschmackspolizei: Der SoundDreck … über den Tod Kultur | 30.03.2023
Die Freiburger Geschmackspolizei ermittelt schon seit 20 Jahren gegen Geschmacksverbrechen – nicht nur, aber vor allem in der Musik. Für die cultur.zeit verhaftet Ralf Welteroth fragwürdige Werke von Künstlern, die das geschmackliche Sicherheitsgefühl der Bevölkerung empfindlich beeinträchtigen.
Über Tote nichts Schlechtes, an diesen Grundsatz sollte man sich in der Regel halten, die alten Römer haben das auch schon so gehandhabt: De mortuis nil nisi bene. Obwohl die ein oder andere Ausnahme durchaus erlaubt ist, wir denken da an Hitler, Stalin oder auch Dieter Bohlen. Ach so, der lebt ja noch, aber egal in diesem Fall. Nicht so bei dem erst neulich verschiedenen Schlagerkönig Tony Marshall, über den nun wirklich nichts Schlechtes zu sagen ist.
Seine Lieder sind deutsches Kulturgut, seine Perücke wird demnächst in Bonn im Haus der Geschichte ausgestellt werden, für die schöne Maid ist die Strafverfolgung ausgesetzt.
Ein Gutes an Musikern, die permanent gegen die Geschmackssicherheit verstoßen haben, liegt in ihrem Ableben begründet. Unsere Arbeit ist damit eigentlich getan. Wir haben keinerlei Befugnisse, um in welchem Jenseits auch immer zu ermitteln, aber das Werk, das lebt im Diesseits munter weiter. Die Liste der Namen ist lang, aber wir wollen ja, wie bereits erwähnt, nicht pietätlos sein und legen deshalb den Mantel des Schweigens darüber.
Die Toten Hosen hingegen weilen glücklicherweise fast alle noch unter uns.
So ist ihre Musik zwar über die Jahre nicht besser geworden, aber zu beanstanden haben wir nur wenig. Totgesagte leben übrigens länger. In diesem Sinne,
es grüßen die Untoten der Geschmackspolizei
Ralf Welteroth









