»Friedlicher miteinander leben« – Kulturkiosk-Team will Stühlinger Kirchplatz beleben – und beruhigen Kultur | 29.06.2026 | Till Neumann

Plattform für Ideen: Das Team von Schwere-s-los setzt auf engagierte Freiburger·innen Plattform für Ideen: Das Team von Schwere-s-los setzt auf engagierte Freiburger·innen

Kreativknotenpunkt in der Knautschzone. Der Kulturkiosk auf dem Stühlinger Kirchplatz ist bald drei Monate am Start. Nach großer Eröffnung bietet er nun Kulturprogramm für alle. Das Team setzt auf Miteinander und Engagement, kämpft aber auch mit Startschwierigkeiten und gegen ein Zerrbild der Medien.

„Wir haben mit 500 gerechnet und dachten schon, wir übertreiben“, sagt Stephanie Boye. Doch dann kamen 800 Gäste zur Eröffnung und es wurde „phänomenal“, jubelt die Kultur-Managerin vom Verein Schwere-s-los. „Verschiedenste Menschen haben bei verschiedensten Aktivitäten mitgemacht“, so Boye. Zudem sprachen die Bürgermeister Martin Horn und Ulrich von Kirchbach.

Boye und ihr Kollege Philipp Mackensen sind sicher: „Der gesamte Platz wurde belebt, wir haben Leute animiert, dorthinzukommen, ohne dass andere weggedrängt wurden.“ So möchte der Verein den Platz aufwerten, der auch seine Schattenseiten hat: Menschen verkaufen und konsumieren Drogen. Seit Sommer 2025 ist er eine „Waffen- und Messerverbotszone“, die Polizei zeigt Präsenz. Vor allem Frauen meiden den Ort nachts.

Dem Kulturkiosk bringt das kuriose Schlagzeilen: Die TAZ titelte: „Stricken gegen Drogen“. Die Tagesschau: „Suppe gegen Drogen“. Boye stellt klar: „Wir sind nicht da, um gegen Drogen zu kämpfen. Wir sind da, um das sozio-kulturelle Programm umzusetzen – auf unsere Weise.“

Dennoch sagt sie: „Wir dürfen nicht blauäugig sein: Wir haben hier eine Drogenproblematik, Abhängigkeit und Suchtdruck. Das ist nicht ungefährlich.“ Doch die ersten Wochen zeigen ihr, dass der Ansatz funktioniert: Am Kiosk wird getanzt, gesungen, gebastelt oder eben gestrickt. „Es ist erstaunlich, wie friedlich und schön das Miteinander ist“, sagt Boye. Beispielsweise kürzlich beim Salsa-Workshop. „Da haben alle mitgemacht, auch etwas unrhythmische betrunkene Leute.“

Aktiv vor Ort: Youssouph Seydi, Philipp Mackensen und Stephanie Boye

Aktiv vor Ort: Youssouph Seydi, Philipp Mackensen und Stephanie Boye

Die Message des Kiosks: Komm her und mache mit. Dabei sieht sich Boye nicht als Veranstalterin, sondern als Plattform für Ideen. So entstand auch das Format „Kurzurlaub im Kulturkiosk“. Dabei werden Postkarten mit Aquarell bemalt. Oder die Band Elektrosauna trat auf, rund 200 Gäste tanzten mit.

Doch nicht alles läuft rund. „Wir sind ein kleiner Verein, kämpfen mit extremen Herausforderungen“, erzählt Boye. Da Personal fehle, sei nur mittwochs (13–20 Uhr) und donnerstags (13–18 Uhr) geöffnet. Und der Inklusionsbeauftragte Philipp Mackensen beanstandet, dass keine barrierefreie Toilette da ist. „Niemand soll sich ausgegrenzt fühlen“, sagt der Rollstuhlfahrer.

Konflikte am Kiosk haben sie nicht erlebt. Dafür hören sie zwei Kritikpunkte: Sie haben zu wenig geöffnet. Und im Kiosk gibt’s kein Eis. „Wir stecken noch in den Kinderschuhen“, sagt Boye. Doch sie erlebe so viel Positives dort, dass sie sagen kann: „Die Freiburger Stadtgesellschaft hat wahnsinnig Lust darauf, dass dieser Platz funktioniert.“ Dass sich keiner fürchten müsse, dorthin zu kommen. Dazu könne der Kiosk was beitragen. Das gebe Rückenwind. „Den möchten wir nutzen, um da was richtig Schönes hinzustellen.“

Das Ziel: Menschen aktivieren, Engagement fördern, zusammen sein. Oder wie Boye sagt: „Einfach friedlicher miteinander leben.“

Fotos: © schwereslos