Mission: Höhepunkt – Zwei Jahrzehnte Beziehung, ein großes Geheimnis und jede Menge Sextoys 4Film | 21.07.2026 | Michaela Moser
Französische Komödien haben seit jeher ein besonderes Talent dafür, heikle Themen mit Charme, Leichtigkeit und einer guten Portion Selbstironie zu verhandeln. Mit „Chéri, ich komme!“ liefert Regisseurin Reem Kherici eine turbulente Beziehungskomödie rund um eine Frage, über die viele Paare vermutlich lieber schweigen würden: Was passiert, wenn man nach zwanzig Jahren Ehe erfährt, dass der gemeinsame Sex nie so gut war, wie man immer dachte?
Genau diese Erkenntnis trifft den Erfinder Tom (François Cluzet) mit voller Wucht. Seine Frau Fanny (Alexandra Lamy) gesteht ihm, dass sie in zwei Jahrzehnten Ehe noch nie einen Orgasmus hatte und sämtliche Höhepunkte nur vorgespielt waren. Für Tom bricht eine Welt zusammen. Nicht nur fühlt er sich in seiner Männlichkeit verletzt, auch die Gewissheit einer glücklichen Beziehung gerät ins Wanken. Als wäre das nicht genug, steckt das Paar zudem in finanziellen Schwierigkeiten. Das geliebte Haus samt Werkstatt soll verkauft werden – ausgerechnet von der eigenen Tochter organisiert.

Doch Tom wäre kein leidenschaftlicher Tüftler, wenn er sich damit abfinden würde. Kurzerhand beschließt er, das perfekte Sexspielzeug für Frauen zu entwickeln – ein Gerät, das den garantierten Orgasmus verspricht. Die Folgen sind ebenso chaotisch wie komisch. Zwischen Prototypen, Missverständnissen und peinlichen Situationen jagt ein Gag den nächsten, während Tochter Elsa zunehmend an den Aktivitäten ihrer Eltern verzweifelt.
Mit frechen Pointen, charmanten Zweideutigkeiten und einer Reihe skurriler Erfindungen sorgt „Chéri, ich komme!“ immer wieder für Lacher. Reem Kherici setzt dabei auf den typisch französischen Mix aus Leichtigkeit, Romantik und augenzwinkernder Freizügigkeit. Dass der Film trotz aller Turbulenzen stets sympathisch bleibt, ist vor allem François Cluzet und Alexandra Lamy zu verdanken, die ihren Figuren viel Herz und Authentizität verleihen.

Cluzet, der spätestens seit „Ziemlich beste Freunde“ auch hierzulande zu den beliebtesten französischen Schauspielern zählt, verleiht seiner Figur eine sympathische Mischung aus Verletzlichkeit, Stolz und liebenswerter Sturheit. Alexandra Lamy steht ihm dabei in nichts nach. Mit viel Wärme und Gespür für die emotionalen Zwischentöne macht sie deutlich, dass hinter Fannys Geständnis keine Boshaftigkeit steckt, sondern der Wunsch nach Ehrlichkeit und Nähe.
Gerade diese Momente geben dem Film zusätzliche Tiefe. Hinter allen sexuellen Missverständnissen, pointierten Dialogen und komischen Verwicklungen steckt letztlich die Geschichte eines Paares, das trotz aller Krisen nicht aufgehört hat, füreinander einzustehen.

So ist „Chéri, ich komme!“ weit mehr als eine frivole Sommerkomödie. Der Film verbindet Humor und Herz auf typisch französische Weise und erinnert daran, dass Liebe auch nach zwanzig Jahren Ehe noch Überraschungen bereithalten kann.

Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust
Frankreich, 2026
Regie: Reem Kherici
Mit: Alexandra Lamy, François Cluzet, Mitty Hazanavicius
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 90 Minuten
Start: 23.7.2026









