Offene Tafel – Rebstock-Stube Denzlingen Restaurants | 19.05.2026 | Marianne Ambs

Rebstock-Stube Denzlingen

Das Haus stammt aus dem Jahr 1230, seit 1521 war hier die Gemeinde­stube untergebracht, einst der zentrale Versammlungsort in Denzlingen. Seit Generationen ist die Rebstock-Stube in Familienbesitz. Axel Frey, heutiger Küchenchef, hat in Sternehäusern gelernt und gearbeitet. In der Rebstock-Stube führt er die klassische badische Küche seines Vaters weiter, mit großer Wertschätzung für das, was seine Eltern aufgebaut haben. Sein Credo: Die Kochkunst lebt vom Handwerk.

Am frühen Nachmittag sitzen noch einige Gäste in der holzgetäfelten Gaststube. In der Küche geht es ruhig zu, der Mittagsbetrieb ist vorbei. Vaida Mikstaite, Partnerin von Axel Frey, serviert zwei Espressi an einen Tisch am Fenster. Senior-­Chef Adolf Frey tut das, was in seiner Gastwirt-DNA verwurzelt ist: Er plaudert mit Stammgästen, ungezwungen und herzlich.

Axel Frey und Vaida Mikstaite

Dem historischen Erbe verpflichtet: Küchenchef Axel Frey und seine Partnerin Vaida Mikstaite führen die Rebstock-Stube mit herzlicher Gastfreundschaft und handwerklicher Präzision.

Axel Frey ist währenddessen überall präsent – in der Küche, bei den Gästen, am Telefon. „Ich bin ein Macher“, sagt er lächelnd, als er am Tisch Platz genommen hat. Sein hoher Anspruch an sich selbst ist spürbar, doch ebenso wichtig ist ihm, sich bewusst Auszeiten zu schaffen. Auch von seinem Team erwartet er Engagement und Verlässlichkeit, getragen von einem respektvollen, kollegialen Miteinander, das die Atmosphäre des Hauses prägt.

Die Geschichte des Hauses wahren

In der Küche ist der Ton ruhig und konzentriert, die Zusammenarbeit ist eingespielt. Effizienz in der Küche, im Service, im ganzen Haus ist für den Rebstock-Chef wichtig, aber kein Selbstzweck. Ihm geht es darum, Abläufe so zu gestalten, dass Raum entsteht zum Arbeiten wie zum Genießen. Dieses Verständnis war auch leitend für die umfassende Sanierung, die Ende 2025 nach knapp neun Monaten abgeschlossen wurde. „Wir wollten schon früher öffnen, aber dann ist der 25. Dezember 2025 der erste Öffnungstag geworden.“ Ein Neustart ganz nach den Vorstellungen des Chefs: volles Haus, keine Minute Ruhe, aber am Ende des Tages die Gewissheit, das Beste gegeben zu haben.

Mit viel Gespür für die Geschichte des Hauses und zugleich für zeitgemäße Gestaltung wurde die Gaststube mit ihren 80 Sitzplätzen behutsam modernisiert. Natürlich war das Denkmalamt im Boot. „Von Anfang an war klar, dass wir die Historie des Hauses wahren wollen“, sagt Axel Frey. Die Holzvertäfelung wurde sandgestrahlt, die massiven Stützbalken dunkel gestrichen, Tische und Stühle sorgfältig hergerichtet. Ein besonderes Element ist die lange Holztafel anstelle der alten Wirtshaus-­Theke. „An unserer Tafel kann man nicht reservieren“, erklärt Frey. „Sie ist Gästen vorbehalten, die spontan vorbeikommen.“ So können Gäste sicher sein, an der Table d´Hôte immer einen Platz zu finden, auch wenn alle Tische belegt sind. Dem Hausherrn ist das wichtig. „Reservierungen erleichtern uns die Planung. Aber unser Haus ist auch für Menschen offen, die sich kurzfristig entscheiden, essen zu gehen.“

Rebstock-Stube

Elegantes Ambiente in der Gaststube, offene Tafel vor der Küche: Im Rebstock sitzt der Gast nah am Geschehen – und bekommt auch ohne Reservierung einen Platz.

Gaststube

Höchstleistung im Detail

Nach der Sanierung hat sich Axel Frey für eine einsehbare Küche entschieden. „Ein bisschen ein Modeding“, sagt er. „Wir haben uns gedacht, wir probieren es, und wenn es nicht funktioniert, ist das schnell geändert.“ Die Offenheit kommt gut an. Gäste werfen gern einen Blick in die Küche, ohne dass die Ruhe im Gastraum gestört wird. In der Küche selbst zeigt sich die Stärke des Teams. Jeder Handgriff sitzt, Abläufe greifen ineinander. „Wir arbeiten Hand in Hand, jeder weiß, was er zu tun hat“, so Frey. Gute Vorbereitung ist dabei entscheidend. Schon am Vorabend eines Arbeitstages kontrolliert Axel Frey die Vorräte, schreibt To-do-Listen, bereitet sich gedanklich auf den kommenden Tag vor. Sein Anspruch an Qualität ist hoch und zeigt sich im Detail. „Jede Sauce, jede Garzeit, jede Anrichtung trägt die Handschrift eines Teams, das mit Leidenschaft und Präzision arbeitet“, schreibt er auf der gerade neu gestalteten Homepage, auf der auch Geschichten über das Restaurant ­erzählt werden.

Verwurzelt in Baden, inspiriert von Frankreich

schön angerichtetes Essen

Axel Freys Kochkunst fußt auf einer hochprofessionellen Ausbildung und auf Arbeitsjahren in Sternehäusern. Der „Hirschen“ von Douce Steiner in Sulzburg, die Auberge de L’Ill der Familie Hae­berlin und das Colombi-­Hotel von Alfred Klink in Freiburg sind Stationen, an denen er sein Handwerk gelernt hat. Diese Erfahrungen fließen heute in seine Arbeit ein, ohne die eigene Identität zu überlagern. Denn in der Reb­stock-­Stube geht es nicht um Sterne, sondern um Verlässlichkeit und Wiedererkennbarkeit. „Unsere Stammgäste freuen sich auf ihre Lieblingsgerichte, die sie kennen“, sagt Frey. Klassiker wie Hechtklößchen, die traditionelle Rebstock-Fischsuppe oder geschabte Spätzle haben ihren festen Platz. Dazu kommen saisonale Gerichte – derzeit Spargel-Variationen –, leicht, präzise, mit französischem Einfluss. Axel Frey beschreibt es als „Kombination aus badischer Verwurzelung und französischer Finesse“. An der Table d’Hôte wird ein bewusst reduziertes, wechselndes „Menu du Jour“ serviert. Hier sitzen die Gäste eng beieinander – eine lebendige, kommunikative Atmos­phäre, die vielen gefällt. Im Sommer erweitert die Terrasse im Innenhof dieses Erlebnis ins Freie. 

badische Küche mit französischer Finese

Das Küchenteam arbeitet Hand in Hand. Den Gast erwartet badische Küche mit französischer Finesse.

Entspannt genießen am Sonntagabend

Ein Mittagstisch gehört für Frey selbstverständlich dazu. „Ich mag es nicht, wenn man in den Tag reintrödelt“, sagt er. Und seit einiger Zeit öffnet die Rebstock-­Stube auch am Sonntagabend – als Möglichkeit für die Gäste, das Wochenende entspannt ausklingen zu lassen. Die Karte ist dann überschaubar, je nach saisonalem Angebot sind spontane Änderungen möglich. „Weniger Auswahl bedeutet nicht weniger Qualität“, betont Axel Frey. „Wir konzentrieren uns auf das, was wir an diesem Tag wirklich zeigen wollen.“

Gastgeber mit persönlichem Touch

Tradition bewahren und doch immer wieder Neues ausprobieren, das sind Überzeugungen, die Axel Freys Idee von einem gastfreundlichen Haus mit ausgezeichneter Küche widerspiegeln. Trends verfolgt er nur, wenn sie zum Haus passen. Wichtiger sind Axel Frey Beständigkeit, Weiterentwicklung und ein klarer eigener Weg. Er fühle sich frei, sein Haus nach den eigenen Vorstellungen und denen seiner Vorfahren zu führen. „Da ist mein Name Programm.“ Was macht für ihn einen gelungenen Abend in der Rebstock-Stube aus? „Wenn der Gast zufrieden den Heimweg antritt, dann haben wir unsere Sache gut gemacht. Dafür muss alles stimmen: das gute Essen, das Ambiente, der Service, ein Chef, der sich auch mal sehen lässt, der ansprechbar ist.“ Im Rebstock wird den Gästen am Eingang noch der Mantel abgenommen. „Und nach dem Essen werden unsere Gäste persönlich verabschiedet.“ Für einen guten Gastgeber, findet Axel Frey, sei das auch heute noch eine Selbstverständlichkeit.

Rezept des Monats

Vom Restarurant Rebstock-Stube

Grießknödel mit Topfenschaum und eingelegtem Rhabarber   

Grießknödel mit Topfenschaum und eingelegtem Rhabarber   

Für die Grießknödel 

500 ml Milch
60 g Butter
1 Prise Salz
120 g Weichweizengrieß
2 Eier
1 TL Vanillezucker
Abrieb von 1 Zitrone

Für den Topfenschaum 

250 g Topfen
(Quark, 20–40 % Fett)
50 g Puderzucker
1 TL Vanillezucker
100 ml  Sahne
1–2 EL Zitronensaft

Für den eingelegten Rhabarber 

300 g Rhabarber
150 ml Wasser
80 g Zucker
1 EL Honig
1 Stück Vanilleschote (oder -paste)
Optional: etwas Ingwer oder ­Orangenschale

Rhabarber schälen und in 4–5 cm große Stücke schneiden. Wasser, Zucker, Honig und Vanille aufkochen. Rhabarber hineingeben, nur 2–3 Minuten ziehen lassen (nicht zerkochen!). Vom Herd ziehen und vollständig abkühlen lassen. Der Rhabarber soll weich, aber noch formstabil sein.

Für die Grießknödel Milch, Butter und Salz aufkochen. Grieß einrieseln lassen und unter Rühren zu einem dicken Brei kochen. Vom Herd ziehen, leicht abkühlen lassen. Eier, Vanillezucker und Zitronenabrieb unterrühren. Masse 10–15 Minuten quellen lassen. Mit feuchten Händen kleine Knödel formen. In leicht siedendem Wasser ca. 10 Minuten ziehen lassen (nicht kochen!).

Für den Topfenschaum Sahne halb steif schlagen. Topfen mit Pudezucker, Vanillezucker und Zitronensaft glattrühren. Sahne vorsichtig unterheben. Für extra „Schaumigkeit“ den Schaum kurz mit dem Stabmixer auflockern.

Vor dem Anrichten die noch warmen Knödel in goldenen Butter­bröseln wälzen, das verleiht ihnen zusätzlichen Geschmack. Der eingelegte Rhabarber gewinnt mit einem kleinen Spritzer Orangenlikör an aromatischer Tiefe. Für eine besonders elegante Präsentation den Topfenschaum in einen iSi-Siphon füllen und luftig aufdressieren. Wer dem Dessert noch mehr Frische verleihen möchte, ergänzt es optional mit einem leichten Rhabarber- oder Erdbeersorbet.

Info

Restaurant Rebstock-Stube

Hauptstraße 74
79211 Denzlingen
Tel.: 0 76 66/20 71

Öffnungszeiten:
Mi.–Fr. 12–14.30 Uhr &
18–22.30 Uhr, Sa. 18–22.30 Uhr,
So. 17–21 Uhr

rebstock-stube.de

Fotos: © Rebstock-Stube Denzlingen,