Löwenstark – Gasthaus zum Löwen in Freiburg-Lehen Restaurants | 28.03.2026 | Marianne Ambs

Gasthaus zum Löwen

Klemens Disch hat keine Zeit für den Ruhestand. Seit 1988 steht er im Gasthaus „Zum Löwen“ in Freiburg-­Lehen am Herd. Er führt das historische Gasthaus in der dritten Generation. Wer das mehr als 400 Jahre alte Gebäude betritt, fühlt sich in eine Zeit zurückversetzt, in der es noch in jedem Ort ein Dorfgasthaus gab. Der Löwen hat überdauert. Zur Freude aller, die ehrliche Wirtshausküche schätzen.

Gaststube im Löwen

In der historischen Gaststube im Löwen kommen modern interpretierte Klassiker auf den Tisch.

„Wir haben das Glück, dass wir in Lehen noch drei gutgehende Gasthäuser haben“, freut sich Klemens Disch über die vielseitige Gastronomie im Freiburger Ortsteil. Wir sitzen an einem rustikalen Tisch, an dem schon Generationen von Lehenern gespeist haben. Die Gaststube ist geschmack­­voll eingerichtet. Dunkle Holzvertäfelung und rustikale Bänke korrespondieren mit einem dunkelgrünen Kachelofen. Das Mobiliar hat Patina, die ungedeckten Tische sind blitzblank, die 60 Jahre alten Stühle stabil.

Vor Jahren habe er überlegt, sie auszutauschen, erzählt Disch, sich dann aber bewusst dagegen entschieden. Ein befreundeter Schreiner hat die massiven Holzstühle aufgearbeitet. Man sitzt gut darauf, nichts wackelt. „Richtige Wirtshausstühle“, sagt Disch. So wie die Stühle ist alles im Löwen: traditionsverbunden, solide, einladend und von hoher Qualität. Klemens Disch versteht sein Haus als „Bastion der klassischen Gasthauskultur, geprägt durch ehrliche und traditionsbewusste Küche“. So steht es auf seiner Website. Zu Recht.

Auf der Speisekarte stehen badische Klassiker der Wirtshausküche: Schnitzel Wiener Art und Leberle mit Brägele, Kalbsbratwürste mit Zwiebeln und Maul­taschen mit Kartoffelsalat gibt es immer. Dazu kommt eine ein- bis zweimal die Woche wechselnde Tageskarte. Hier finden die Gäste feinere Gerichte und ein saisonal inspiriertes Drei- bis Vier-­Gänge-Menü.

Renaissance für die Schwarzwurzel

Gerade widmet sich der Koch einem etwas vernachlässigten Wintergemüse: der Schwarzwurzel. Mit kreativen Rezepten will Disch ihr zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen. Grundsätzlich setzt er auf frische Produkte, verwertet alles, was möglich ist. Von Convenience-­Produkten hält er nichts. „Zugekauft werden eigentlich nur die Maultaschen.“ Diese bezieht er seit zwei Jahren von der Bio-Metzgerei Hügle, nachdem sein Bruder die Familien­metzgerei geschlossen hat.

Klemens Disch (Mitte), Luca Glauche (rechts) und Jan Pociask

Mit Klemens Disch (Mitte) stehen in der Wirtshausküche Luca Glauche (rechts) und Jan Pociask am Herd.

An den Wänden der Gaststube hängen historische Fotografien früherer Wirte. Dischs Großvater Wilhelm kaufte das Gasthaus zum Löwen 1904. Der Metzgermeister ergänzte das Gasthaus mit einer Metzgerei. Sein Sohn August führte beide Betriebe weiter, bis 1988 die dritte Generation übernahm: Klemens Disch kümmerte sich um das Gasthaus, sein Bruder Berthold führte bis 2023 die Metzgerei weiter.

Gasthaus zum Löwen

Eigentlich wollte Klemens Disch nach seiner Lehre den Kochberuf an den Nagel hängen. Doch dann lernte er seine Frau kennen. „Sie wollte unbedingt das Gasthaus übernehmen. Da hatte ich keine Chance“, sagt er lachend. Bereut hat er diese Entscheidung nie. „Wir haben uns ein super Publikum erarbeitet.“ Kleine und große Gesellschaften, das Tagesgeschäft, dazu die vier Zimmer – viel Arbeit, die der ­Familie aber nie zu viel wurde.

Räume mit Charakter

Neben dem schmucken Gast­raum mit Kachelofen verfügt der Löwen auch über zwei Nebenräume. Ein besonderes Schmuckstück ist ein Saal mit rund 35 Plätzen, der liebevoll renoviert wurde. Knarrender Dielenboden, massive Holztische, sichtbares Fachwerk und Bruchsteine vom Lehener Bergle schaffen ein außergewöhnliches Ambiente. Dazu kommt im Sommer eine schöne ­Terrasse mit 40 Plätzen.

Insgesamt stehen im Löwen bis zu 90 Plätze für die Gäste zur Verfügung. Beim Rundgang durch die Räume und die vier Hotelzimmer wird klar: Hier waren Menschen am Werk mit einem guten Gefühl für Gestaltung. Bilder, Vorhänge, Lampen bilden mit dem Mobiliar eine stimmige Einheit.

Lina Majer hat 2019 als Aushilfe im Löwen angefangen. Vor zweieinhalb Jahren vertraute Klemens Disch ihr die Geschäftsleitung des Restaurant- und Hotelbetriebs an – ein Glücksgriff. Die junge Frau hatte eigentlich andere berufliche Pläne, doch dann infizierte sie sich mit dem Gasthaus-Virus. Begeistert spricht sie vom Charme der Räume, von den Kochkünsten des Küchenteams, von den Gästen. „Viele sitzen seit Jahrzehnten am selben Tisch. Ältere Gäste haben mir erzählt, wie sie als Kind schon auf dem Boden der Gaststube rumgerutscht sind.“

Besonders schätzt Lina Majer den ruhigen Ton ihres Chefs in der Küche. Wenn sie von der familiären Atmosphäre und der Freude an der Arbeit spricht, ist das beruhigend. Es sieht ganz danach aus, als sei die Zukunft des Löwen gesichert.

Info

Gasthaus zum Löwen
79110 Freiburg-Lehen
Tel.: 0761/82216
loewen-lehen.de

Öffnungszeiten:
Mi.–So. ab 16 Uhr
(Küche bis 21.30 Uhr)

Rezept des Monats

Vom Gasthaus zum Löwen

Kalbsbäckle auf Schwarzwurzeln 
mit Petersilienwurzelpüree

Kalbsbäckle auf Schwarzwurzeln mit Petersilienwurzelpüree 

Soße

3 Zwiebeln (mit Schale)
1 Stange Lauch
3 Karotten (mit Schale)
½ Knolle Sellerie (mit Schale)
300 g Tomatenmark
200 ml trockener Rotwein
Fleischbrühe, Salz, Pfeffer
Fleischabschnitte und Knochen

Kalbsbäckle

1 kg Kalbsbäckle (ca. 250 g p.P.)
Pfeffer, Thymian, Rosmarin

Schwarzwurzeln

500 g Schwarzwurzeln
2 EL Mehl
1 ½ Zitronen

Petersilienwurzelpüree

500 g Petersilienwurzel
1  Kartoffel
Salz, Pfeffer, Muskat
Kalte Butter, Sahne

Fleischabschnitte und Knochen in heißem Bratfett von allen Seiten scharf anbraten (ca. 30 Minuten). Gemüse in etwa gleich große Würfel schneiden und ca. 15 Minuten mit anrösten. Tomatenmark zugeben und kurz mitrösten (nicht verbrennen lassen).

Mit Rotwein ablöschen und vollständig einkochen. Nach etwa 15 Minuten Gewürze zugeben und so viel Brühe angießen, dass alle Zutaten bedeckt sind. Aufkochen und abschmecken. Soße durch ein Sieb passieren, in einem neuen Topf nochmals aufkochen.

Kalbsbäckle würzen und in einem Topf oder Bräter rundum scharf anbraten. Mit Bratensoße angießen, abdecken und bei niedriger Hitze auf dem Herd oder im Ofen ca. 1 Stunde ziehen lassen, bis das Fleisch zart ist.

Schwarzwurzeln mit einer Gemüsebürste gründlich reinigen (Handschuhe tragen!). 1,5 Liter kaltes Wasser mit Mehl und Zitronensaft (Schale mit hineingeben) verrühren. Schwarzwurzeln schälen, in etwa fingerdicke und -lange Stücke schneiden und sofort ins vorbereitete Mehl-Zitronen-Wasser legen, um Verfärbung zu vermeiden.

Das Mehl-Zitronen-Wasser kann – sofern es sauber ist – direkt zum Garen weiterverwendet werden. Ist es stark verschmutzt, eine frische Mischung ansetzen.

Die Schwarzwurzeln nur knapp mit Flüssigkeit bedecken und bei Bedarf etwas Mehl-Zitronen-Wasser nachgießen. Durch das Mehl dickt die Flüssigkeit an; die Wassermenge beeinflusst somit auch die spätere Konsistenz der Soße. Bei mittlerer Hitze weich, aber noch bissfest garen.

Petersilienwurzeln und Kartoffel zusammen in Salzwasser weichkochen. Abgießen und fein pürieren. Kalte Butter, Sahne und Gewürze nach Geschmack und gewünschter Konsistenz einarbeiten.

Fotos: © Löwen Lehen