Idyll für die Sinne – Gasthaus Jägerhaus Kandern-Egerten Restaurants | 27.03.2026 | Marianne Ambs

Bei schönem Wetter wird die ­Terrasse mit Ausblick geöffnet. Bei schönem Wetter wird die ­Terrasse mit Ausblick geöffnet.

Das Restaurant Jägerhaus in Egerten ist an drei Tagen in der Woche geöffnet. Wer hier gut essen will, sollte rechtzeitig reservieren. Wer einmal da ist, kann aber in aller Ruhe genießen. Jolanda Wermuth und Küchen­chefin Melanie Guttwein vergeben ihre Tische nur einmal pro Abend. Die beiden wünschen sich vor allem eines: glückliche Gäste.

Ein guter Braten braucht Zeit. Morgens aufgesetzt, köchelt er leise vor sich hin, bis er – garniert mit Beilagen der Saison – auf den Tisch kommt. Melanie Guttwein freut sich, wenn die Gäste ihre Kochkunst schätzen und entspannt genießen. Freitag- und Samstagabend servieren Jolanda Wermuth und die Küchenchefin im Jägerhaus ein wechselndes Vier-Gänge-Menü. Zudem gibt es eine überschaubare Karte mit saisonalen Gerichten. Am Sonntagmittag finden sich die Gäste im kleinen Restaurant am Rande des Kanderner Ortsteils zum „Rundum-Sorglos-Menü“ mit Panoramablick ein. „Die Speisenfolge ist immer eine Überraschung“, verspricht Jolanda Wermuth.

Jolanda Wermuth (l.) und Melanie Guttwein ernten Bärlauch und andere Kräuter im eigenen Garten.

Jolanda Wermuth (l.) und Melanie Guttwein ernten Bärlauch und andere Kräuter im eigenen Garten.

Zum Auftakt gibt es einen Gruß aus der Küche: frisch gebackenes Jägerhausbrot aus Wollbacher Mehl mit dreierlei Dips. Der Brotteig wird täglich frisch an­gesetzt und darf in aller Ruhe gehen. Klassiker auf der Jägerhaus-Karte sind zum Beispiel das zarte Châteaubriand vom Lavasteingrill oder saftiges Roastbeef an Aussie-Bush-Pfeffer-Jus. Der australische Touch kommt nicht von ungefähr: Jolanda Wermuths Mutter Tiffany Buckingham-Wermuth ist gebürtige Australierin, ihr Vater Christoph brachte aus seiner Zeit dort nicht nur seine Frau, sondern auch viele Rezepte nach Egerten mit. Dazu gehört auch Lamm mit Minzsoße. Die Minze für die würzige Soße erntet Melanie Guttwein im weitläufigen Garten. Auch Vegetarier sind im Jägerhaus gut aufgehoben: Für sie steht zum Beispiel „Cheeky Chicks“ auf der Karte, ein vegetarisches Kichererbsen-Curry mit Harissa, Honig-Curry-Feta und Couscous.

Zurück aufs Land

Kennengelernt haben sich die beiden Gastgeberinnen in Stuttgart. Beide bringen reichlich Erfahrung mit: Jolanda Wermuth lernte ihr Handwerk in Sternehäusern, reiste nach Asien und Australien und leitete schließlich ein Szenerestaurant. Melanie Guttwein war Küchenchefin im „Goldenen Adler“. 2015 beschlossen die beiden, das Restaurant Jägerhaus in Egerten zu übernehmen. Für Jolanda Wertmuth ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. „Das wollte ich schon immer“, sagt sie. Die damals 24-Jährige ist im Jägerhaus aufgewachsen und hat schon als Kind ihrem Vater in der Küche in die Töpfe geschaut. Auch Melanie Guttwein war sofort überzeugt. In Egerten konnten die beiden ihren Traum vom Landleben verwirklichen, mit Pferden, Hund und Gänsen. Auch ihre zwei Kätzchen fühlten sich im Markgräflerland wohler als in der Stadtwohnung.

Essen

Während Jolanda Wermuth schon immer Köchin werden wollte, fand Melanie Guttwein über Umwege in die Gastronomie. 1996 war sie die erste weibliche Auszubildende zur Kfz-Mechanikerin im Bodenseekreis. Mit Ende Zwanzig landete sie als Küchenhilfe in einem Stuttgarter Gasthaus, entdeckte ihre Leidenschaft fürs Kochen und machte noch eine Ausbildung zur Köchin. Im Jägerhaus kümmert sich Jolanda Wermuth heute um den Service, während Melanie Guttwein die Küche führt. Die Menüs planen sie gemeinsam, inspirieren sich gegenseitig und profitieren jeweils vom Können und den Ideen der anderen.

Markgräfler Wein zum Hummer

Die Karte wechselt je nach Jahres­zeit und lokalem Angebot. Melanie Guttwein arbeitet nebenher in der Landwirtschaft und kennt die Bauern persönlich. „Wir wollen vor allem kleine Familienbetriebe unterstützen“, sagen die Gastgeberinnen. So kommt das Bier von einem Bauernhof in Tannenkirch, wo noch in überschaubaren Mengen gebraut wird, und auf der Weinkarte stehen ausschließlich regionale Tropfen. „Wenn Gäste uns nach französischen Weinen zum Hummermenü fragen, dann müssen wir passen, den gibt es bei uns nicht“, sagt Jolanda Wermuth mit einem Lächeln. Hummer allerdings schon, aber nur im März. Dann werden die Tiere im kalten Nordatlantik in Reusen nachhaltig gefangen und anschließend roh schockgefrostet. „Das können wir vertreten, den Lebendtransport nicht“, erklärt Jolanda Wermuth. Auch andere Produkte suchen Gäste auf der Speisekarte vergeblich: Froschschenkel, Thunfisch, echten Kaviar ebenso wie Fleisch aus Massentierhaltung.

Bilder des Malers Max Böhlen zieren die Gasträume.

Bilder des Malers Max Böhlen zieren die Gasträume.

Blühendes Gartenparadies

In Egerten haben die beiden ihr Paradies gefunden, das sie mit ihren Gästen teilen. Im Frühling und Sommer zeigt sich der große Garten im englischen Stil von seiner schönsten Seite, wenn 354 Rosenstöcke nach und nach ihre Blütenpracht entfalten. Die Gäste sitzen auf der Terrasse mitten im Grünen. Zwischen den Gängen lohnt sich ein Rundgang durch den Garten mit Teichen und Biotopen. Der schwarze Schwan „Sydney“, der seit fast 30 Jahren hier lebt, ist ebenso ein Publikumsliebling wie die Entenfamilie, die durch den Garten watschelt. Dazu summen Insekten, Vögel zwitschern. „Im Sommer hören wir sogar den Ruf eines Pirols“, freut sich Jolanda Wermuth. Kein Wunder, dass der Garten immer wieder zur Kulisse für freie Trauungen wird. Auch die beiden Gastgeberinnen haben sich hier das Jawort gegeben.

 Schwan „Sydney“ taucht seit 30 Jahren im Gartenteich ab.

Schwan „Sydney“ taucht seit 30 Jahren im Gartenteich ab.

Zum Gebäudeensemble des Jägerhauses gehört auch ein kleines Museum: Im benachbarten Malerhaus ist das Max-Böhlen-Museum untergebracht, das Jolanda Wermuths Großvater für die 3500 Werke umfassende Sammlung des Künstlers eingerichtet hat. Max Böhlen, Jolandas Urgroßvater, hatte das Jägerhaus 1939 für sich und seine Familie gekauft. Der aus der Schweiz stammende Maler lebte hier bis zu seinem Tod 1971. Sein Sohn Andreas eröffnete 1965 eine kleine Gastronomie für Wanderer und Einheimische, bevor Enkel Christoph Wermuth, Jolandas Vater, 1988 daraus ein Restaurant machte. 1995 wurde in den ehemaligen Wohnräumen des Malers das Museum mit seinem künstlerischen Nachlass eröffnet. Einige seiner Werke hängen heute auch in den beiden Gasträumen mit etwa 20 Sitzplätzen. „Je nach Jahreszeit wechsle ich die Bilder immer wieder aus“, erzählt die Urenkelin, die Besucher auf Anfrage gerne persönlich durch das Museum führt.

Essen

Museum im Malerhaus

Den Dreiklang aus „Küche, Kunst, Natur“ im Jägerhaus empfinden Jolanda Wermuth und Melanie Guttwein selbst als „Idyll für die Sinne“. Wenn sie nicht kochen oder die Gäste bewirten, kümmern sie sich um Gänse, Enten, Hund und Pferde, um den weitläufigen Garten, um das Anwesen. Und um Jolanda Wermuths Großmutter, „damit sie bis zum Schluss in ihrem Haus bleiben kann“. Deshalb ist das Restaurant derzeit nur drei Tage in der Woche geöffnet. Für kleine Gesellschaften, Wandergruppen oder Betriebsfeiern öffnen die Gastgeberinnen aber auch außerhalb der regulären Zeiten gern ihre Türen. „Einfach anfragen“, sagen sie. „Wir machen vieles möglich.“

Restaurant Jägerhaus
Wollbacher Straße 28
79400 Kandern-Egerten
Tel.: 07626/8715
restaurant-jaegerhaus.de

Öffnungszeiten: Fr. & Sa. ab 18.30 Uhr So. ab 12 Uhr

Rezept des Monats

Vom Gasthaus Jägerhaus

Pavlova* mit Sahne, frischen Beeren 
und Holunderblüten

Pavlova* mit Sahne, frischen Beeren und Holunderblüten

Zutaten

Für den Boden
225 g Eiweiß
300 g Zucker
1 EL Speisestärke
1 ½ EL heller Essig


Zum Anrichten
Geschlagene Sahne
Früchte der Saison: Im Frühling und Sommer frische ­Erdbeeren und Himbeeren
Holunderblüten und frische ­Minzeblättchen zum Dekorieren
Puderzucker zum Bestäuben

Das Eiweiß mit Zucker steif schlagen. Den Zucker dabei löffelweise zugeben und schlagen, bis er sich aufgelöst hat. Am Schluss die Speisestärke und den Essig dazugeben und 5 Minuten weiterschlagen.

Den Ofen auf 150 Grad vorheizen. Die Masse in einer 24er Springform mit Backpapier auf einem Backblech in den Ofen geben und bei 120 Grad 40 Minuten backen. Danach im Ofen bei offener Tür abkühlen lassen.

Die Pavlova auf einem großen Teller oder einer Platte mit geschlagener Sahne anrichten und mit frischen Früchten, zum Beispiel Erdbeeren und Himbeeren, Holunderblüten und Minze-Blättchen garnieren. Mit Puderzucker bestäuben und sofort servieren.

Jeder kann sich von der Pavlova dann mit einem Löffel ein Stück auf seinen Teller nehmen und die Nachspeise genießen.

*Die Pavlova, benannt nach der russischen Primaballerina Anna Pavlowa, stammt ursprünglich aus Australien und Neuseeland. In  Australien gilt sie als Nationalgericht.

Fotos: © Jägerhaus Egerten