Genuss trifft Tradition – Landgasthaus Zum Hecht Bahlingen Restaurants | 22.06.2026 | Marianne Ambs
1996 hat Ralf Gut mit seiner Frau Claudia das Landgasthaus „Zum Hecht“ in Bahlingen von seinen Eltern übernommen. In diesem Jahr feiern sie das 30-jährige Jubiläum als Gastgeber. Das Wirtepaar ist stolz auf die Tradition des Hauses, die sieben Generationen zurückreicht – und auf ihren ältesten Sohn Loris. Dieser hat sich gerade dazu entschlossen, bei seinem Vater das Kochen zu lernen. Damit bringt er frischen Wind in das historische Gemäuer. Genau wie seine Eltern vor 30 Jahren.

Ralf und Loris Gut (v. l.) stehen seit kurzem gemeinsam am Herd und erfinden die Küche im „Hecht“ neu.
Ralf Gut erinnert sich noch gut daran, wie er vor drei Jahrzehnten alles umkrempeln wollte – und einsehen musste, dass am Kaiserstuhl die Uhren anders ticken. Nach Lehr- und Wanderjahren in Fine-Dining-Häusern war er 1990 aus Köln ins Kaiserstuhldorf Bahlingen zurückgekehrt. Eine geplante Station in einem Restaurant in Schottland musste er wegen der schweren Erkrankung seines Vaters absagen. Als er 1996 Claudia heiratete, übernahm das Paar den „Hecht“. Die Metzgerei, die über Generationen Teil des Familienbetriebs war, wurde aufgegeben.
Die Küche seines Vaters im „Hecht“ empfand der junge Chef damals als angestaubt, nicht mehr zeitgemäß. Ralf Gut wollte es anders machen, moderner, internationaler. „Anfangs hatten wir sogar Hummer auf der Karte“, erinnert sich Claudia Gut. Die Resonanz am Kaiserstuhl auf die moderne Küche war verhalten. Das Paar erkannte, dass sie die Vorlieben der Stammgäste ernst nehmen mussten. Ohne die Klassiker ging es nicht. „Deshalb haben wir bis heute unsere Hechtklößchen auf der Karte, genauso wie Leberle und im Herbst Bahlinger Dunkelli“, sagt Ralf Gut.
Dass die Gastgeber im Hecht viel von Heimat und Tradition halten, ist bei dieser Geschichte kein Wunder: Das Landgasthaus „Zum Hecht“ ist ein jahrhundertealter Gasthof mit Fachwerk und historischer Bausubstanz. Nach dem 30-jährigen Krieg kam Jacob Boos aus Obereggenen im Markgräflerland nach Bahlingen, heiratete die Witwe Anna Gerberin und begründete die Bahlinger Boos-Dynastie. Sein Nachfahre Josef Boos kaufte um 1830 ein Anwesen in der Hauptstraße und verlegte die Konzession des seit 1814 in Bahlingen nachgewiesenen „Wirtshauses zum Hecht“ dorthin. Gustav Boos übergab 1942 das Gasthaus an seine Tochter Hedwig, die mit Karl August Gut verheiratet war. Damit änderte sich der Familienname im „Hecht“ von Boos zu Gut. Ralf Gut gehört heute zur zwölften Generation der Familie seit Jacob Boos; als Gastgeber im „Hecht“ steht mit Sohn Loris inzwischen die achte Generation der Familie Gut in den Startlöchern.
Fachwerkhaus mit Geschichte
Eigentlich wollte Ralf Gut Metzger werden. Nach einem Praktikum in einer Großschlachterei schwenkte er um. Seine Kochausbildung hat er im Gasthaus Rotes Kreuz in Hugstetten gemacht, danach arbeitete er in der Luisenhöhe in Horben und im Schwarzen Adler in Oberbergen. 1987 zog es den Bahlinger ins mondäne Kölner Hotel Regent. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Claudia kennen, die sich zur Hotelfachfrau ausbilden ließ.
Bei aller Heimatverbundenheit: Die Art zu kochen hat sich im Hecht in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. Wie die meisten Restaurants am Kaiserstuhl hat sich Ralf Gut von überladenen Speisekarten verabschiedet, die in den 80er- und 90er-Jahren üblich waren. Die Begriffe „regional“ und „saisonal“, heute in aller Munde, setzt er konsequent um: „Was am Kaiserstuhl und in der Region Saison hat, das kommt bei mir auf den Tisch.“ Im Mai und Juni sind das natürlich Spargel und Erdbeeren, Ende Juni beginnt im Hecht die Pfifferling-Saison, im Sommer werden im lauschigen Kastaniengarten knackige Salate und leichte Speisen serviert.
Delikatesse aus der Bauernküche
„Der Herbst ist eine meiner Lieblingsjahreszeiten“, so Ralf Gut. Da kommt das traditionelle „Bahlinger Dunkelli“ in die Schüssel, ein Kaiserstühler Traditionsgericht, das früher an Schlachttagen gekocht wurde. Das Rezept hat Gut von der ehemaligen Bahlinger Rebstock-Wirtin bekommen, nachdem der Rebstock geschlossen worden war. Eigentlich ein einfaches Bauerngericht, bei dem weniger beliebte Stücke vom Schwein verarbeitet werden, ist das „Dunkelli“ für Liebhaber eine Delikatesse. „Die Zubereitung dauert Stunden. Zuerst wird Mehl eingebrannt, dann die Teile vom Schwein – Bauch, Ripple, ein Stück vom Bug – einzeln angebraten“, erklärt Ralf Gut. Dann darf das Fleisch im Topf drei bis vier Stunden schmoren. Mit Rotwein wird abgelöscht, das eingebrannte Mehl zum Abbinden der Soße verwendet. Am Ende kommt Schweineblut dazu. Traditionell gehören in das „Dunkelli“ auch Herz und Stücke vom Schweineschwänzchen. Für alle, die das nicht mögen, kocht Ralf Gut das Gericht auch ohne. Im Hecht wird das bei Stammgästen beliebte Gericht mit Pellkartoffeln oder Nudeln serviert.

Im Sommer ist der Kastaniengarten ein beliebter Hotspot für die Gäste des Restaurants.
Die Söhne des Wirtepaars, Loris und Johannes, konnten sich frei entfalten, wurden nicht gedrängt, das Restaurant zu übernehmen. „Ich bin im Restaurant aufgewachsen, interessiere mich seit meiner Jugend fürs Kochen“, erzählt Loris Gut. Trotzdem entschied er sich zunächst für eine Ausbildung in der Altenpflege. Jetzt, mit 23 Jahren, ist er umgeschwenkt. „Der Hecht, das ist Familie und Tradition, eine Chance, mich zu verwirklichen, meine Ideen umzusetzen“, sagt Loris Gut. Seine Eltern bleiben gelassen, sind offen für die neuen Ideen des Sohnes. Seine Vorschläge werden diskutiert und wenn möglich umgesetzt. „Wenn Loris ein moderneres Gericht kochen will, schreiben wir das auf unser Board“, erklärt Claudia Gut. Auch vegetarische und vegane Gerichte stehen nun auf der Karte, das Curry mit Kichererbsen ist inzwischen ein Lieblingsessen von Ralf Gut. Zudem nutzt der 23-Jährige die sozialen Medien, um jüngere Gäste anzusprechen und für das Restaurant zu begeistern. Im vergangenen Jahr wurde im Kastaniengarten eine gemütliche Lounge eingerichtet – eine Idee des Sohnes, die großen Anklang fand. „Dort können unsere Gäste entspannt einen Aperol trinken oder ein Sommerschorle“, sagt Ralf Gut. „Viele bleiben dann noch zum Essen.“
Neue Ideen – jüngere Gäste
Ob Loris die Traditionsgerichte in zehn Jahren noch kochen wird? Vielleicht, meint seine Mutter Claudia Gut. Und falls nicht, sei das auch in Ordnung. Dass der älteste Sohn nun Gefallen am Familienbetrieb gefunden habe, sei eine große Freude. „Wenn Loris dabeibleibt, können wir in den nächsten fünf Jahren in aller Ruhe die Nachfolge vorbereiten“, sagt Ralf Gut, der gerade 60 geworden ist und sich noch „topfit“ fühlt. Die Hoffnung ist groß, dass es auch in der achten Generation der Familie Gut im Landgasthaus „Zum Hecht“ weitergeht.

Info
Landgasthaus Zum Hecht
Hauptstraße 59
79353 Bahlingen am Kaiserstuhl
Tel.: 0 76 63 / 16 33
Öffnungszeiten: Do., Fr., Sa., Mo. & Di. 17–21 Uhr; So. & Feiertag 11.30–13.45 Uhr & 17–20 Uhr
Rezept des Monats
Vom Landgasthaus Zum Hecht

Hechtklößchen nach Art des Hauses
Für 4 Personen
500 g Hechtfilet, küchenfertig
400 ml Schlagsahne
1 Eiweiß
Salz
Muskat
weißer Pfeffer
1 Stange Lauch
2 Möhren
500 ml Fischfond
Den Fisch abbrausen, trocken tupfen, würfeln und im Gefrierfach etwa 10 Minuten anfrieren lassen. Zusammen mit ca. 200 ml Sahne, dem Eiweiß und etwas Salz im Mixer portionsweise und zügig fein pürieren. Die restliche Sahne unterziehen, bis eine glänzende, gut formbare Farce entstanden ist. Mit Salz, Muskat und Pfeffer würzen.
Den Lauch waschen, putzen und in 5–6 cm lange, dünne Streifen schneiden. Die Möhren schälen und ebenso in Streifen schneiden. Beides mit dem Fischfond aufkochen lassen.
Mit einem Esslöffel Nocken von der Farce abstechen und in den Fond gleiten lassen. Etwa 10 Minuten nur noch gar ziehen, nicht mehr kochen lassen.
Mit einem Schaumlöffel aus dem Sud heben und mit dem Gemüse servieren.
Dazu nach Belieben den abgeschmeckten Fond oder Krebsrahmsoße reichen und im Nudelnest servieren.










