Popcorn trifft Häkelnadel – Selbstversuch: Wie ist das Strickkino im Kandelhof? Kinonews | 02.06.2026 | Ida von Dreden

Stricken im Kino

Im Freiburger Kino Kandelhof gibt es seit einem Jahr „Stricken im Kino“. chilli-Autorin Ida von Dreden war mit Nadeln dabei. 

An diesem Sonntag Anfang Mai regnet es – perfektes Kinowetter. Mit einer Freundin bin ich um Viertel vor drei am Kandelhof – mit Häkelnadeln und Wolle im Gepäck. Draußen warten Grüppchen auf Freund·innen. Wir besorgen uns schon mal Popcorn, machen es uns im Kinosaal gemütlich.

Die Reihen füllen sich langsam, es wird bereits fleißig mit Strick- oder Häkelnadeln hantiert. Vor dem Film gibt’s eine kleine Begrüßung vom Kinoteam: Das „Stricken-im-Kino“-Programm feiert seinen ersten Geburtstag. Es werden Kinogutscheine und Wolle verschenkt. Dann dimmen sie das Licht, ohne Werbung startet der Film.

Der Trend, Popcorn mit Häkelnadeln zu kombinieren, kommt aus England und Skandinavien. Seit rund zwei Jahren ist er auch in deutschen Kinos angekommen. In Freiburg kam der Anstoß von Manuela Weikum. Die Betreiberin des Geschäfts „Nadel & Faden“ hat das Konzept in den Medien entdeckt und dem Programmkino Friedrichsbau vorgeschlagen.

Einmal im Monat, meist sonntagsnachmittags, gibt es seitdem im Kandelhof das Strickkino-Special. „Die Nachfrage war schon in der ersten Vorstellung sehr groß“, sagt Andrea Untch, Theaterleiterin vom Kandelhof. „Teilweise kommen um die 80 Strickbegeisterte zu einer Vorstellung“, erzählt sie. Auch heute sind die Reihen gut gefüllt. Die meisten sind Frauen zwischen 20 und 70. „Wie voll es hier wird, hängt natürlich aber auch von Film und Wetter ab“, sagt Untch.

Gezeigt werden Klassiker wie „Notting Hill“ oder „Mamma Mia“ sowie aktuelle Filme à la „Der Teufel trägt Prada 2“. Meist laufen Feel-Good-Streifen mit nicht zu komplizierten Plots – es soll sich schließlich keiner verstricken.

Ausprobiert: Ida strickt und schaut einen Film

Ausprobiert: Ida strickt und schaut einen Film

Und wir? Als Anfängerin fällt es mir gar nicht so leicht, mich auf Film und Häkeln zu konzentrieren. Es soll ein Oberteil werden. Mehr Übung haben dafür Amelie und Jannis. Die Studierenden sitzen hinter mir und sind auch zum ersten Mal dabei.

„Normalerweise stricken wir mit Freund·innen zu Hause und gucken dabei Serien“, erzählt Jannis. „Wir gehen aber auch voll gern ins Kino, den Film heute wollten wir eh schauen“, sagt Amelie.

„Natürlich kann man auch zu Hause auf dem Sofa stricken“, erklärt Theaterleiterin Untch. Der Vorteil im Kino sei, dass man nicht so leicht abgelenkt werde und dazu auch noch andere mit dem gleichen Hobby kennenlernen kann. Für mich hat das leise Klappern der Nadeln etwas Meditatives. Zum ablenkenden Handy greift man im Kino nicht.

Als der Film vorbei ist, bin ich nicht weit gekommen mit meinem Oberteil. Aber das liegt eher an meinen Häkelkünsten. Jannis hat hingegen richtig was geschafft: „Der Film war voll passend, weil man sich gut berieseln lassen konnte.“ Generell wirken die Besucher·innen entspannt nach der Vorstellung. Auch ich bin zufrieden mit meinem Sonntagnachmittag. Stricken und schauen – ein meditatives Match.

Stricken im Kino
Das nächste „Stricken im Kino“ ist am 14. Juni.
Der Film: „Little Miss Sunshine“ (2006).

Fotos: © Kandelhof, Ida von Dreden