Viel heiße Luft beim Bauturbo – Der Gamechanger auf dem Wohnungsmarkt wäre bei den Baukosten zu finden Bauen & Wohnen | 03.03.2026 | Lars Bargmann

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Was wohl Alfred Büchi zum Bauturbo sagen würde? Der Schweizer hatte den Turbolader erfunden und ihn 1905 zum Patent angemeldet. Im Prinzip bringt der Turbo aktiv mehr Luft in den Zylinder. Der Bauturbo der Bundesbauministerin Verena Hubertz ist vielleicht keine Luftnummer, aber er suggeriert etwas, was Gesetze gar nicht leisten können. Und ihm fehlt auch noch etwas Entscheidendes: das Aktive.

Ein Bauturbo, der seinem Namen alle Ehren machen würde, wäre ein Turbo beim Bauen. Und nicht einer, der Kommunen in der Bauleitplanung neue Spielräume eröffnet. Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag macht keinen Hehl daraus, dass der Bauturbo kein Gamechanger ist. Wenn es ums Bauen geht, ist er eigentlich nur eine Randnotiz.

Der Bau-Motor stottert nicht, weil er einen Turbo braucht. Er stottert, weil es einen regenwaldartigen Dschungel von Vorschriften gibt und weil sich – nicht zuletzt deswegen – die Baukosten allein zwischen 2010 und 2022 um 64 Prozent erhöht haben. Diese Zahl ist keine Luftnummer, diese Zahl hat Ende Januar das Bundesamt für Statistik veröffentlicht. Die Inflationsrate ist übrigens im selben Zeitraum „nur“ um 25 Prozent gestiegen.

Und der Bau-Motor stottert zuweilen auch, weil die Genehmigungsbehörden oft zu lange brauchen, um Bauanträge zu genehmigen. Hauptsächlich, weil es an Personal fehlt, manchmal aber auch an Fachkenntnis und Routine. Ein Bauturbo richtet da gar nichts aus.

Ein kleines Beispiel über die Wirkungsmacht des Bauturbos in der Region: Der Gemeinderat in Stegen hat unlängst beschlossen, den Bauturbo für Dachaufbauten anzuwenden, die maximal die Hälfte der Dachbreite betreffen und das auch nur dann, wenn die bestehenden Höhen von Traufen und First der Gebäude dabei nicht überschritten werden. Dazu passt der Begriff Turbo etwa so trefflich wie der Begriff Techno zum Ruhebereich einer Sauna.

Der baden-württembergische Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) forderte unlängst von der Politik anlässlich der anstehenden Landtagswahl „weniger Hürden und mehr Realitätssinn“. BFW-Geschäftsführer Gerald Lipka bringt das Thema auf einen simplen Punkt: „Bezahlbares Wohnen erfordert bezahlbares Bauen.“

Dazu könnten auch die finanzierenden Banken beitragen, doch das Einfordern von hohen Vorvermarktungsquoten, Eigenkapitalanteilen und Risikoaufschlägen ist eher Team Bremse denn Team Turbo. Es müsse, so der Verband, einerseits zeitnah ein praxisnahes Gesetz zum Gebäudetyp-E her und andererseits „auf überzogene Goldstandards verzichtet“ werden.

Baden-Württemberg solle die Grunderwerbsteuer für Ersterwerber senken, wie dies bereits andere Länder machten. Die Landesbauordnung müsse mit Erleichterungen auch für den Neubau weiter reformiert, und die Eigentumsbildung – etwa durch Eigenkapital ergänzende Landesbürgschaften – gezielt gefördert werden. Die Frage, die der BFW nicht stellt: Warum braucht es in Deutschland 16 Landesbauordnungen?

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