Grüne Kraftpakete: Wildkräuter vom Balkon Freizeit in der Region | 18.04.2019 | Heide Bergmann

Buch Wildkräuter

Heimische Wildkräuter strotzen vor Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen. Praktischer als Sammeln: die grünen Kraftpakete in Töpfe pflanzen. So sind sie erntefrisch in Küchennähe.

Wildpflanzen wie Giersch, Vogelmiere, Löwenzahn, Schafgarbe oder Franzosenkraut sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen. Brennnesselblätter enthalten etwa fast 30-mal so viel Vitamin C und siebenmal so viel Eisen und Magnesium wie Kopfsalat. Der Name „Unkraut“ wird ihnen in keiner Weise gerecht. So ist Löwenzahn bekannt für seine Bitterstoffe, die im Frühjahr die Leber entgiften. Die Allicinstoffe im Bärlauch reinigen die Blutgefäße. Die Senföle in Gartenschaumkraut und Meerrettichwurzel stärken das Immunsystem. Spitzwegerich enthält Husten lindernde Schleimstoffe, und Dost sowie Quendel sind reich an ätherischen Ölen.

Viele Wildkräuter sprießen genau dann, wenn man sie braucht: wenn der Organismus nach der Winterzeit geschwächt ist, aber vitaminreiches Gemüse und Salate aus dem Freiland noch nicht verfügbar sind. Dann kommen die jungen Wilden gerade recht. Die zarten Blätter von Bärlauch, Sauerampfer oder Schaumkraut frisch über den Salat gestreut, im Sahnesüppchen, Kräuterquark oder als Smoothie sind Gesundheit pur und überraschen mit neuen Geschmacksrichtungen. Es empfiehlt sich, zunächst davon zu probieren, um zu erkunden, wie man sie verträgt. Denn Wildkräuter werden grundsätzlich sparsam verwendet, ein Zuviel kann zu allergischen Reaktionen führen.

Der Eigenanbau in Töpfen und Kästen lohnt sich. Wildkräuter wachsen zwar fast überall, aber wer möchte schon Löwenzahn oder Gänseblümchen neben Verkehrsstraßen pflücken oder auf Grünflächen, wo Hunde Gassi gehen? Auch eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern ist beim Eigenanbau ausgeschlossen. Und im Topf sind manche wuchernde Arten besser unter Kontrolle. Um an Ableger zu kommen, sollte man aber nicht mit dem Spaten in die Natur ziehen und Pflanzen ausgraben. Nachbarn geben sicherlich gerne Unkraut-Ableger ab. Oder man besorgt sich Jungpflanzen in einer Wildpflanzengärtnerei.

gartenkraeuter

Für die Knoblauchsrauke ist etwas Geduld erforderlich, da die Samen länger zum Keimen brauchen.

Vitale Balkonpflanzen

Wildkräuter anzubauen ist relativ einfach, handelt es sich doch um eine äußerst vitale Pflanzengruppe, deren Strategie darin besteht, sich möglichst schnell aus Ablegern und Samen zu vermehren. Giersch und Brennnesseln etwa bilden viele unterirdische Seitentriebe, die man nur abtrennen und einpflanzen muss. Löwenzahn schickt Hunderte Samen in alle Winde. Ein Anbauversuch mit einer Pusteblume im Balkonkasten ist ein guter Einstieg. Die Löwenzahnsamen keimen nach wenigen Tagen. Auch Gundermann ist sehr leicht zu vermehren. Er bildet an seinen Ranken unzählige Tochterpflanzen. Wo sie die Erde berühren, wachsen Wurzeln. Fertig ist der Setzling.

Für den Anbau nimmt man Töpfe oder Behälter mit mindestens 15 Zentimetern Durchmesser, die im Boden ein Loch für den Wasserabzug haben. Für die meisten Pflanzen sind die im Fachhandel erhältlichen torffreien Kräutererden geeignet. Sie enthalten Tonmineralien und sind nur wenig gedüngt. Unkomplizierte Wildpflanzen sind beispielsweise Sauerampfer, Vogelmiere, Gundermann, Wiesenknopf, Dost, Spitzwegerich, Franzosenkraut oder Quendel (wilder Thymian). Sie sind prädestiniert für ein Leben im Topf. Andere Kräuter fühlen sich im Kübel oder Hochbeet wohler, sie brauchen Platz oder wandern gerne. Brennnesseln, Bärlauch, Giersch, Knoblauchsrauke, Meerrettich oder Guter Heinrich gehören dazu.

Reizvoll ist es, Pflanzen des gleichen Standortes miteinander zu kombinieren, so gesellen sich Schafgarbe, Spitzwegerich, Rotklee, Sauerampfer und Wiesenknopf in einem Wiesenbalkonkasten harmonisch zueinander. Die meisten Kräuter kommen in Sonne wie Halbschatten gut zurecht. Goldnessel, Knoblauchsrauke, Bärlauch und Gundermann wachsen auch im Schatten. Auf einem sonnigen, heißen Südbalkon behaupten sich Dost und Quendel. Wildkräuter sind im Prinzip pflegeleicht. Jedoch brauchen manche nach ein bis zwei Jahren einen neuen Topf mit frischer Erde.

Buchtitel Wildkraeuter

Wildkräuter aus Topf und Garten
von
Heide Bergmann, Ulrike Armbruster
Verlag: E. Ulmer, 2018
160 Seiten
Preis: 19,90 Euro

Fotos: © Frank Hecker aus „Wildkräuter aus Topf und Garten“, Heide Bergmann