Bahamian Rhapsody – Sehnsuchtsziel nicht nur für Segelbegeisterte Reise-Special | 02.07.2026 | Lars Bargmann

Bahamas

Man kann in Bahamas’ Hauptstadt Nassau Urlaub machen. Wenn man es schätzt, dass jährlich 1500 Kreuzfahrtschiffe mit Millionen Tagestouristen in den Hafen einlaufen und dann die Insel New Providence fluten. Wer es etwas individueller mag und das Abenteuer liebt, der könnte mit einer kleinen Gruppe ein Boot chartern und von New Providence zu den Exumas segeln. Denn genau dort sind die Bahamas mit insgesamt 700 Inseln ein Sehnsuchtsort: türkis in wirklich tausend Interpretationen, weiße Traumstrände. Schwimmende Schweine und Minidrachen gibt es zum Bestaunen obendrauf.

Wir ankern. Ja, da vorne am Strand schwimmen tatsächlich Schweine im Meer. Sie wissen, dass die Touristen mit Futter kommen. Manche stapfen bis zur Brust mit einer ganzen Tüte Karotten durchs Wasser, und je mehr Schweine nun heranstrampeln, umso hektischer wird die abstruse Szenerie aus wild rudernden Schweinebeinen, hochgereckten Schnauzen, Ohren und überforderten Menschen. Da fliegt dann schon mal ne ganze Tüte Karotten durch die Luft.

Bahama Karte mit  Rock Iguanas.

Pig beach: Wie auch immer die Pigs es hierher geschafft haben, Legenden gibt es mehrere, sie dürfen in der Urlaubsfotosammlung nicht fehlen (1). Eine Insel weiter, auf Allen‘s Cay, lauern die Rock Iguanas (2) – Leguane , die wie Mini­drachen aussehen – am Strand auf den touristischen Lieferhumando. Die dackelgroßen Leguane standen einst vor ihrer Ausrottung. Heute sind sie zwar immer noch gefährdet, beflügeln aber ebenfalls den Fremdenverkehr und werden fürs unfreiwillige Shooting mit Häppchen entschädigt.

Schwein gehabt: Dieser Segeltourist geht am
Pig Beach buchstäblich auf Tuchfühlung mit
den neugierigen Paarhufern.

Schwein gehabt: Dieser Segeltourist geht am Pig Beach buchstäblich auf Tuchfühlung mit den neugierigen Paarhufern. (1)

Ja, auch die individuellen Landgänge ohne Führer sind eine schöne Erfahrung, aber nicht zu toppen ist, einfach auf dem Wasser zu sein und die unglaublichen Farben zu genießen. Vor allem, wenn die Abendsonne die Cays streift.

Wir sehen Meeresschildkröten und Stachelrochen – vor Stocking Island werden sogar Schachteln mit Schneckenfleisch verkauft, die die Rochen dann von ausgestreckten Händen saugen. Um uns herum schwimmen ungefährliche Haie (3) wie der bis zu vier Meter große Ammenhai oder der karibische Riffhai, aber auch solche, bei denen man nicht so recht weiß, ob man nun reinspringen soll, etwa zu einem Tigerhai.

Ungefährlich:
Die Ammenhaie sind Menschen gewohnt
und sie lassen sich
sogar berühren.

Ungefährlich: Die Ammenhaie sind Menschen gewohnt und sie lassen sich sogar berühren. (3)

Wir fahren mit dem Dingi an eine Grotte (4), in der Szenen aus James Bonds­ ­Thunderball gedreht wurden, später auch noch für das Remake von „Sag niemals nie“. Wir tauchen in einem Aquarium voller Farben und Formen, Gelbschwanz-Snapper, blaugelbe Engelsfische, kleine Riffbarsche. Eine Rhapsody underwater, eine Rhapsody in blue – auch wenn George Gershwin für diese Metapher nur unfreiwillig Pate steht.

Tagsüber die Shroud Cay durchschwimmen, abends ein, zwei Bahama Mama im Yacht Club auf Staniels Cay.

Tagsüber die Shroud Cay durchschwimmen, abends ein, zwei Bahama Mama im Yacht Club auf Staniels Cay. (4)

Shroud Cay

Vor Normans Cay schnorcheln wir am Pelican Creek (5) zu einem Wrack, das Touristen als Escobar-Wrack verkauft wird. Die Curtiss C-46 sei eine der Maschinen gewesen, mit denen der ebenso berühmte wie berüchtigte Drogenboss Koks in die USA transportieren ließ. Die Wahrheit ist wohl eher, dass die Maschine bei einem Übungsflug mit kurzem Wasseraufsetzer mit einem Flügel im flachen Wasser hängen geblieben ist. Mission ­completed, Jet im Eimer. Aber das war zu wenig Drama, also posten heute die Leute Fotos der vermeintlichen Escobar-Maschine.

Escobar-Wrack oder Pannen-
Flugzeug? Geheimnisvolles 
Fundstück am Pelican Creek.

Escobar-Wrack oder Pannen-Flugzeug? Geheimnisvolles Fundstück am Pelican Creek. (5)

Auf Shroud Cay (6) kann man die Insel im Wasser watend oder im Dingi auf einem kleinen Strom umsäumt von Mangroven durchkreuzen und endet an der Washing Machine, einem kleinen Strudel im Meer. Surreal schön.

Blick auf Rocky Dundas

Blick auf Rocky Dundas

Zu Lande und zu Wasser haben die Bahamas insgesamt 22 Nationalparks, Mangrovengebiete, geschützte Gebiete. Am Strand von Little Inagua legen etwa die gefährdeten Meeresschildkröten ihre Eier. Auf Great Inagua leben zuweilen über 60.000 westindische Flamingos. Die Liste ist erweiterbar.

Staniel Cay

Staniel Cay

Aber zurück auf die karibische See, zurück von den Exumas nach Nassau (7), in die Marina. Raue See, wolkenverhangener Himmel. Regen von oben. Gischt von vorne. Am Ende glücklich bei einem Sands, dem wohlschmeckenden Erzeugnis der ortsansässigen Brauerei.

In Nassau gibt es ein Museum, in dem die Geschichten der „Republik der Piraten“ erzählt werden. Von 1706 bis 1718 beherrschten dort Freibeuter wie Blackbeard und die „Flying Gang“ die Karibik.

In Nassau gibt es ein Museum, in dem die Geschichten der „Republik der Piraten“ erzählt werden. Von 1706 bis 1718 beherrschten dort Freibeuter wie Blackbeard und die „Flying Gang“ die Karibik. (7)

Man kann in Nassau Urlaub machen. Die vorgelagerte Paradise Island gibt durchaus einen Vorgeschmack auf die extraordinären Exumas. Man kann aber auch in Nassaus ganz neuer Partnerstadt, 7500 Kilometer entfernt, Urlaub machen. Sie hört auf den Namen – Nassau und liegt an der Lahn. Eher kein Segelrevier. 

People-to-People-Programm: bahamas.com/plan-your-trip/people-to-people

Tourismus-Tipps: bahamas.com/de

Palmen Strand

Die Bahamas

… sind seit 1973 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Sie sind als parlamentarische Monarchie mit Charles III. als König organisiert und Mitglied des Commonwealth of Nations. Nassau ist mit mehr als 200.000 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt des Inselstaates, der rund 410.000 Einwohner zählt – 85 Prozent mit afrikanischer Abstammung. Im Vergleich zu anderen Karibik-­Ländern sind die Bahamas relativ wohlhabend: Das BIP pro Kopf lag 2023 mit geschätzt 36.354 US-Dollar auf Platz 61 von 194 Ländern. Bis Februar 2024 standen die Bahamas auf der offiziellen Schwarzen Liste der EU für Steueroasen. Der EU-Ministerrat nahm sie in dem Monat von der Liste, da die eingeforderten Steuerreformen umgesetzt wurden.

Fotos: © Sail-The-World-Crew 26