Innovatives Wohnprojekt: Studenten im Flüchtlingswohnheim STADTGEPLAUDER | 18.11.2016
Der Zustrom der Geflüchteten ist am Versiegen, der der Studierenden nicht: Bereits zum zweiten Mal in Folge hat die Studentenzahl an der Uni die 25.000er-Marke geknackt. Stadtverwaltung und Studierendenwerk haben darauf reagiert und ein außergewöhnliches Wohnprojekt gestartet: Seit Oktober wohnen im Flüchtlingswohnheim Längenloh rund 70 Studierende Seite an Seite mit Geflüchteten.
„Im Vergleich zu anderen Wohnheimen haben wir es hier sehr luxuriös“, freut sich Chiara Möser. Zwei große Küchen und neun Bäder stehen den zwölf Studentinnen ihrer WG zur Verfügung, während in manch anderem Freiburger Wohnheim gerade einmal zwei Duschen auf 16 Studenten kommen.

Für die Medizinstudentin war das neue Wohnprojekt des Studierendenwerks ein Glückstreffer: Als sie die Zusage für ihren Studienplatz bekommen hat, waren alle Wohnheimplätze bereits belegt. Ihr Vater machte sie auf das neue Projekt aufmerksam, von dem die bis dahin bei Frankfurt lebende 19-Jährige gleich begeistert war: „Ich habe früher schon Flüchtlinge betreut und wollte in Freiburg eh damit weitermachen.“
Als eine von fünf Tutorinnen, die die Arbeit der Ehrenamtlichen koordinieren, organisiert Möser nun die Kinderbetreuung. Ehrenamtliches Engagement ist kein Muss für die im Längenloh wohnenden Studenten – ein Drittel der Zimmer wurde jedoch bevorzugt an diejenigen vergeben, die sich bereit erklärt hatten, sich etwa in der Fahrradwerkstatt, bei Sportangeboten oder beim Deutschunterricht zu engagieren.
Zwei komplette Häuser mit je drei Stockwerken haben die 70 Studierenden für sich. Trotzdem herrsche reger Kontakt, sagt Möser: „Man trifft sich auf dem Hof oder beim Waschen und unterhält sich.“ Über die Spiele, die viele der Kinder auf dem Hof machen, sei sie anfangs ziemlich erschrocken: „Die Kinder spielen oft mit Pistolen, aber nicht so, wie Kinder bei uns Cowboy und Indianer spielen, sondern viel realistischer. Neulich habe ich gesehen, wie sich ein Junge auf den Boden kniet und ein anderer so macht, als würde er ihn köpfen.“ Um die Kinder auf andere Gedanken zu bringen, plant sie mit ihrer Gruppe daher Aktivitäten wie Jonglieren, Kartoffeldruck, Schnitzeljagden oder Besuche auf dem Bauernhof.
Ansonsten unterscheide sich das Leben nicht groß von dem in einem ganz normalen Studentenwohnheim, erzählt Möser. Abends werde in ihrer WG meist gemeinsam gekocht und am großen Esstisch zusammengesessen, auch die eine oder andere kleine Party sei schon gestiegen. Nur eines bereitet den Studenten Sorgen: Das Internet lässt momentan noch auf sich warten.
Text & Bild: tbr










