Bezahlbare Wohnungen für Azubis – Stadtbau-Projekt WIR-SÜD im August fertig Politik & Wirtschaft | 31.03.2026 | Lars Bargmann
Viel Holz an der Hütte: Mit den bis zu elf Meter langen und rund 2,5 Tonnen schweren Elementen konnte in nur einer Woche jeweils ein komplettes Geschoss fertiggestellt werden.
In Deutschland gab es Ende Februar rund 345.000 offene Azubi-Stellen. 52.000 weniger als im Vorjahresmonat. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Bewerber im Jahresvergleich um 4000 auf 298.000 gestiegen. In Freiburg sowie den Landkreisen Emmendingen und Hochschwarzwald gab es zum Start des Ausbildungsjahres Ende September (neuere Zahlen gibt es noch nicht) 3250 unbesetzte Stellen und 3284 Anwärter.
Eine Besonderheit in Freiburg ist der angespannte Wohnungsmarkt. „Für viele junge Menschen ist die Frage nach bezahlbarem Wohnraum eng mit der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz verknüpft“, sagt Hanspeter Fakler von der Pressestelle der Freiburger Arbeitsagentur auf Anfrage. Gerade wenn Azubis aus dem Umland, aus anderen Regionen oder aus dem Ausland kommen, „wird die Wohnungssuche schnell zur entscheidenden Hürde“.
Um Auszubildenden auf dem schwierigen Freiburger Wohnungsmarkt eine bezahlbare Alternative zu bieten, baut die Freiburger Stadtbau (FSB) für 19 Millionen Euro aktuell das Azubi-Wohnheim WIR:SÜD an der Wirthstraße in Landwasser (wir berichteten). Und erntet Zuspruch: Nach FSB-Angaben liegen mittlerweile für rund 100 der 145 Plätze in den 89 Apartments Reservierungen vor. Aktuell werden die Mietverträge ausgearbeitet. Das Azubi-Wohnheim sei „ein starkes und zukunftsweisendes Signal für den Ausbildungsstandort Freiburg“, so Fakler.
Viele Betriebe seien auch auf Bewerber angewiesen, die nicht im unmittelbaren Pendelbereich wohnen. Einerseits ist Freiburg äußerst attraktiv und zieht junge Menschen an, andererseits „stellen die hohen Mieten für Auszubildende mit begrenztem Einkommen häufig ein erhebliches Hindernis dar“. Das neue Azubi-Wohnheim stärke den Wirtschafts- und Ausbildungsstandort, unterstützt die Unternehmen bei der Gewinnung von Nachwuchskräften und eröffnet jungen Menschen reale Chancen auf eine Ausbildung in Freiburg: „Aus Sicht der Agentur für Arbeit ist das ein großartiges Projekt, das genau an der richtigen Stelle ansetzt.“
Die reservierenden Unternehmen im WIR:SÜD kommen aus unterschiedlichen Branchen, vom Friseurhandwerk über den Einzelhandel bis hin zu Pflegeeinrichtungen. Und nicht nur aus Freiburg, sondern auch aus dem Umland. Unter ihnen ist auch das Freiburger Rathaus. Im kommenden August soll das Gebäude bezugsfertig sein.
Die Gesamtmiete (Grundmiete, Nebenkosten mit Heizung, Wasser, Strom, WLAN und Betreuungsleistung) wird vom Ausbildungsunternehmen im Pilotprojekt direkt an die FSB entrichtet. Angemietet werden die Ein- oder Zweizimmer-Apartments nur für die Dauer der Ausbildung. Die Azubis zahlen monatlich ab 430 Euro. Das Ausbildungsunternehmen unterstützt den Auszubildenden mit einem Drittel der Mietkosten – und kann das steuerlich geltend machen.
„Wir verbinden bezahlbaren Wohnraum mit einem begleitenden Konzept und reagieren damit konkret auf die Situation am Ausbildungs- und Wohnungsmarkt“, sagt Isabell Werner, Abteilungsleiterin Wohnen & Vermieten bei der FSB. Zentraler Bestandteil sei das Betreuungskonzept in Kooperation mit der gemeinnützigen timeout-Stiftung aus Freiburg. Unter dem Titel „Team WIR:SÜD“ entsteht vor Ort eine Struktur, die Auszubildende nicht nur mit Wohnraum versorgt, sondern sie auch im Alltag begleitet. Manuel Da Pian von timeout: „Mit unserem Wohn- und Förderkonzept Team WIR:SÜD schaffen wir ein positives Umfeld, in dem Wohnen, Lernen und persönliches Wachstum für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben Hand in Hand gehen.“
Foto: © Michael Spiegelhalter









