Elf Fußballfelder – soziales Wohnen Unmüssig-Gruppe startet Wohnbauoffensive Politik & Wirtschaft | 21.06.2026 | Lars Bargmann

An der Paul-Ehrlich-Straße gegenüber der Lokhalle sind 98 geförderte Wohnungen geplant, am Haierweg (unten) sind 64 bereits im Bau. An der Paul-Ehrlich-Straße gegenüber der Lokhalle sind 98 geförderte Wohnungen geplant, am Haierweg (unten) sind 64 bereits im Bau.

Die Unmüssig-Gruppe hat mit der Grundsteinlegung beim Projekt Haierweg im Freiburger Stadtteil Haslach eine Wohnungsbauoffensive gestartet. Allein bis 2029 wollen die Freiburger mehr als 1200 öffentlich geförderte Einheiten bauen. Gut 800 in Freiburg.

64 Wohnungen sind es am Haierweg. 64 Wohnungen, in denen die Miete 40 Jahre lang 40 Prozent unter dem Mietspiegel liegen wird. Beim Einzug zahlen die Mieter nur etwa 11,50 Euro für jeden der gut 5000 Quadratmeter. Dafür gibt es Zuschüsse von der L-Bank in Höhe von 17,55 Millionen Euro. Mithin etwa die Hälfte des Marktwerts des Projekts. Die weitgehend barrierefreien Gebäude werden nach dem KfW-40-Standard und dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) erstellt.

Gesichert sind die L-Bank-Zuschüsse zudem bereits für die Bauvorhaben am ehemaligen OBI-Markt in St. Georgen (164 Wohnungen) und an der Paul-Ehrlich-Straße (98). Kurz vor Antragstellung sind Projekte in Kleineschholz (33), im Tiengener Neubaugebiet Hinter den Gärten (102) und an der Auwaldstraße in Landwasser (112). Zudem plant Projektentwickler Peter Unmüßig rund 100 geförderte Wohnungen im Lehener Neubauviertel Zinklern und 130 im neuen Stadtteil Dietenbach. Die projektierte Wohnfläche beträgt rund 47.000 Quadratmeter.

Weitere 30.000 Quadratmeter entstehen in Weinheim (195 Wohnungen), Müllheim (89), Karlsruhe (60), Rastatt (36), Stuttgart (14) und der Gemeinde Weingarten bei Karlsruhe (14). Insgesamt baut und plant die Gruppe mithin elf Fußballfelder sozialen Mietwohnungsbau. Der Marktwert der Wohnungen liegt bei rund 600 Millionen Euro.

Rendering-Haierweg

Haierweg

Das Haierweg-Projekt verkauft Unmüßig nach Fertigstellung an die Hamburger Quantum Immobilien AG, die für institutionelle Anleger Investments aufgleist. Der Haierweg wandert in einen Fonds der Ärzteversorgung des Landes Brandenburg. Bernd Rösch, Leiter des Bauträgergeschäfts bei Unmüssig, sagte bei der Grundsteinlegung zu Quantum-Vertretern: „Es ist ein Glücksfall für Freiburg, dass sie ihre Mittel langfristig in Freiburg einsetzen und damit geförderten Mietwohnraum für viele Freiburgerinnen und Freiburger ermöglichen.“

Peter Unmüßig vergaß nicht zu erwähnen, dass die private Bauwirtschaft in Freiburg nicht gerade motiviert werde und die Freiburger Stadtbau nicht nur fast alle städtischen Grundstücke bekomme, sondern auch noch aus dem städtischen Haushalt subventioniert werde. Jede privat finanzierte Wohnung entlaste entweder den städtischen Haushalt oder erhöhe die Anzahl der möglichen bezahlbaren Wohneinheiten, resümierte Rösch diplomatisch.

Laut Unternehmensangaben hat die Gruppe seit den 80er Jahren Projekte für 2,2 Milliarden Euro an professionelle Anleger verkauft. Das Projekt Westarkaden mit dem Uni-Hochhaus an der Ecke Berliner Allee und Breisacher Straße sowie umliegenden Grundstücken ging für 226 Millionen ebenso an Anleger wie das ehemalige Löwenbräu-Areal für 127 Millionen, der International Campus für 110 oder das Quartier Unterlinden für rund 100 Millionen Euro.

2,2 Milliarden Euro, die woanders verdient und in Freiburg ausgegeben wurden – städtische Wirtschaftsförderer geraten bei solchen Summen in ein Dauerlächeln. Den institutionellen Anlegern muss man in Freiburg den roten Teppich ausrollen, sagt Unmüßig.

Für institutionelle Anleger ist der Freiburger Markt, auch wenn er abseits der großen Metropolen liegt, hochinteressant, weil das Risiko eines Wohnungsleerstands etwa so groß ist wie die Gefahr einer Niederlage der deutschen Nationalmannschaft bei der WM gegen Curaçao.

Visualisierung: © Sacker Architekten GmbH, Unmüssig-Gruppe