Windkraft im Süden vor dem Aus? – 22 Unternehmen fordern Korrekturen von Bundesregierung Politik & Wirtschaft | 25.03.2026
In der jüngsten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur haben Windkraftprojekte im Südwesten kaum noch Chancen. Die Badenova AG und 21 weitere Windpark-Projektierer warnen jetzt vor einem Windkraft-Aus in Baden-Württemberg und haben sich mit einem Forderungspapier an politische Entscheidungsträger gewandt.
Zu den unterzeichnenden Unternehmen zählen unter anderem Badenova, Ökostrom und EWS Schönau. Der Auslöser ist die dramatische Überzeichnung der jüngst erfolgten „EEG-Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land“ der Bundesnetzagentur. Baden-Württemberg war in den Ausschreibungen der vergangenen Jahre bislang deutlich unterrepräsentiert.
Eine Prognose der Unternehmensberatung enervis zeigt, dass Baden-Württemberg und Bayern in der aktuellen Ausschreibungsrunde vollständig leer auszugehen drohen. Die Folge: Keine neuen Windkraftanlagen. Mit gravierenden Auswirkungen auf die regionale Energiewende und die Versorgungssicherheit bundesweit. So heißt es in einer Pressemitteilung.
Der aktuelle Mechanismus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, der den Ausbau grüner Energien durch eine vorrangige Abnahme und garantierte Vergütungen für Anlagenbetreiber fördert, missachte zentrale Kostenfaktoren im Südwesten: Höhere spezifische Projektkosten durch anspruchsvolle Topographie und Genehmigungsverfahren sowie kleinteiligere Projekte, teure Infrastrukturmaßnahmen wie Erschließungswege, Kabeltrassen und Speziallogistik oder auch für das Energiesystem vorteilhafte Erzeugungsprofile, die Netzengpässe reduzieren könnten.
„Wenn die Bundesregierung in der anstehenden EEG-Novelle auf die Besonderheiten von Windkraftparks in Baden-Württemberg keine Rücksicht nimmt, steht der Windkraftausbau im Südwesten still“, erklärt Matthias Welss, kaufmännischer Geschäftsführer der Badenova Erneuerbare GmbH.
»Das bricht der Energiewende im Süden das Genick«
Die Zahl der Genehmigungen in Baden-Württemberg ist zuletzt zwar gestiegen. Das sei jedoch „bedeutungslos, wenn Projekte keine wirtschaftliche Perspektive haben“. Zahlreiche bereits genehmigte Windparks der unterzeichnenden Unternehmen lägen baureif in der Schublade und bräuchten jetzt den Zuschlag.
„Kein Projektierer wird in neue Standorte investieren, wenn sogar genehmigte Projekte nicht mehr realisiert werden“, sagt Badenova-Vorstand Dirk Sattur: „Das bricht der Energiewende im Süden das Genick. Und dabei wollen wir nicht tatenlos zusehen.“
Das Bundeswirtschaftsministerium bereitet derzeit eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor. Darin stecke noch die Chance zur Korrektur. Die unterzeichnenden Unternehmen fordern Gegenmaßnahmen, um den wirtschaftlich erforderlichen sowie netz- und systemdienlichen Ausbau der Windkraft in Süddeutschland weiter zu ermöglichen. Die Systemvorteile von Windenergieanlagen im Südwesten müssten finanziell berücksichtigt, die Ausschreibungsmenge müsste erhöht werden.
Der Wind weht im Süden zeitlich anders als im Norden. Wenn durch Ausschreibungen nur im Norden des Landes weitere Anlagen entstehen, dann braucht es dort noch mehr Speicherkapazitäten und weitere Stromtrassen, die in den Süden führen. Es sei energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich also sinnvoll, Windenergieanlagen auch im Süden zu errichten – nah an industriellen Verbrauchern und mit hohem Nutzen für die Netzstabilität.
„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Windkraft in ganz Deutschland ausgebaut wird“, betont Michael Klein, technischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare: „Wir brauchen faire Rahmenbedingungen für alle – und zwar jetzt!“
Foto: © Badenova/Jonas Conklin









