Das Ende eines bizarren Streits – Naturenergie übergibt Netze Politik & Wirtschaft | 24.06.2026 | Lars Bargmann

Bürgermeister*innen

Jahrelang hatten sie sich erbittert gestritten, nun haben sich die Energieversorger Badenova und Natur­energie geeinigt: Naturenergie Netze gibt die Stromnetze in zehn südbadischen Kommunen am 1. Januar 2027 an die Badenova heraus. Zum Kaufpreis werden in der erstaunlich harmonisch daherkommenden Pressemitteilung keine Angaben gemacht.

Der Zoff um die Konzessionen (wir berichteten) hatte eine ganze Fußballmannschaft von Anwälten beschäftigt, die – tatenlose – Landesregierung in Stuttgart als Mehrheitsgesellschafter der EnBW-Tochter Naturenergie Netze und nicht zuletzt die zehn Bürgermeister·innen der Kommunen (Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen, Inzlingen, Kandern, Neuenburg-Steinenstadt, Rümmingen, Schallbach und Wittlingen). 2019 hatte die Badenova in einer Ausschreibung dort die Konzessionen gewonnen, die EnBW-Tochter gab die Netze trotzdem nicht heraus.

Freiburgs Oberbürgermeister und Badenova-Aufsichtsratsvorsitzender Martin Horn hatte dem chilli im November gesagt: „Anstatt dass wir uns mutig um die Energie- und Wärmewende kümmern, verbrennen wir sinnlos Steuergelder in Konzessionsstreitigkeiten, die vor Ort jahrelang Stillstand bedeuten. Das ist extrem frustrierend.“ 55 Bürgermeister hatten sich in einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt. Ohne Reaktion.

„Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen haben wir nun eine gemeinsame Lösung gefunden. Ich möchte mich bei der Naturenergie für die konstruktiven und sachlichen Gespräche bedanken. Wir schaffen damit die Voraussetzung für notwendige Investitionen in eine sichere und zukunftsweisende Energieinfrastruktur”, lässt sich nun Badenova-Vorstand Dirk Satur zitieren.

Die Vereinbarung umfasst, dass Naturenergie die Netze noch ein Jahr pachtet und dass beide Unternehmen „auch künftig auf einen konstruktiven und vertrauensvollen“ Austausch setzen, um gemeinsame Herausforderungen im Sinne der Kommunen zu bewältigen.

„Wir sichern durch die Übergangspacht das operative Tagesgeschäft und gewährleisten eine verlässliche Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger bis zur vollständigen Betriebsübernahme“, wird Klaus Müller, Mitglied der Geschäftsleitung bei Naturenergie, zitiert. Wie viel Badenova für die Netze zahlen muss, bleibt offen: Nach chilli-Informationen hatten die Freiburger einen Wert von 11 Millionen Euro angesetzt. Naturenergie soll diesen auf 29 Millionen beziffert haben. 

Mehr Infos: Zoffzone

Foto: © Badenova