Buch-Tipp: Wo die Toten sprechen – Tolldreister Friedhofstrip Kultur | 19.09.2026 | Erika Weisser
Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Tschechien. Einer der bekanntesten Schriftsteller dieses Landes ist Jaroslav Rudiš, der außer in Prag auch in Berlin lebt. In seinen mit lakonischem Humor verfassten, absurd anmutenden Geschichten geht es oft um das Unterwegssein. Und um die Bedeutung der zufälligen Begegnungen, die sich dabei ergeben.
Die drei Figuren, die seinen neuen Roman bevölkern, kommen auf einem Friedhof in Brandenburg zusammen: Der übergewichtige Lorenzo, der wie ein Wolf den Mond anjault und Bücher nicht nur liest, sondern auch verschlingt. Der fast blinde und eben von seiner Frau verlassene Caspar, dessen Brüder Melchior und Balthasar glücklich im fernen Böhmischen Paradies leben. Und die kerzengerade Miss Detroit, die einst ganz anders hieß und Friedhofsbotanikerin werden will, um durch die Blumen mit den Toten zu sprechen.
Von ihrem Vater hat sie einen alten weißen Saab geerbt, den sie liebevoll „Sarg“ nennt. Darin nimmt sie ihre neuen Freunde mit auf eine Friedhofsreise durch Europa. Als das Trio auf einem Berliner Gottesacker plündernden Nazis zuvorkommt und die Knochen eines dort begrabenen NS-Verbrechers raubt, wird aus dem skurrilen Trip eine tolldreiste Verfolgungsjagd.

Wo die Toten sprechen
von Jaroslav Rudiš
Verlag: Luchterhand, 26.8.2026
280 Seiten, gebunden
Preis: 24 Euro









