„Absolut Adrenalin“ – Trommelgruppe Akaishi Daiko bringt Japan-Flair nach Freiburg Musik | 12.09.2026 | Till Neumann

„Voll im Film drin“: Vera Hauffe (links) und Miriam Meier (unten) spielen Taiko.. „Voll im Film drin“: Vera Hauffe (links) und Miriam Meier (unten) spielen Taiko..

Riesige Trommeln, hypnotische Klänge, wilde Choreos. Das bietet die Freiburger Gruppe Aikashi Daiko bei Auftritten. Taiko nennt sich ihre Musik – seit zehn Jahren bringen die Musiker·innen damit japanisches Kulturgut in die Stadt. Früher sollte die Musik das Blut der Samurai zum Kochen bringen. Heute wollen die Trommler·innen Freiburg mitreißen.

Miriam Meier (42) war als Kind oft in Japan. Schon in jungen Jahren faszinierte sie Trommelmusik. „Ich habe Taiko von Kindheit an bei Straßenfesten erlebt und dachte mir: Oh, das will ich auch mal machen.“ Später kam die Halbjapanerin nach Freiburg, dachte sich: Hier wird das kaum klappen.

Dann kam es anders: Meier war beim Japan-Tag der Volkshochschule und sah, dass Taiko auf dem Programm steht. „Oh mein Gott“, dachte sie und sprach die Gruppe an. Es war das Jahr 2015. Erst kam die Ernüchterung: Die Gruppe ist aus Magdeburg. Dann die frohe Botschaft, dass eine aus deren Kreisen nach Freiburg gezogen ist.

Rund zwei Monate später planten sie die Freiburger Taiko-Gruppe. Die größte Hürde: authentische Trommeln finden. Glücklicherweise gab es einen Grundstock an japanischen Trommeln in der Stadt. Ein Gastgeschenk aus dem Jahr 1995 von Freiburgs Partnerstadt Matsuyama. So sagt Meier heute: Es waren gleich zwei glückliche Zufälle, die Taiko hier ermöglicht haben.

Rund 20 aktive Musiker·innen sind Teil der Gruppe mit dem Namen Akaishi Daiko. Im Juli sind sie bei Freiburg Stimmt Ein im Tanzbrunnen aufgetreten. Am 31. Oktober feiern sie ihr Zehnjähriges im Paulussaal.

Mit dabei ist dann auch Vera Hauffe. Die 34-Jährige ist seit 2019 Teil der Gruppe. „Ich kam gerade von meinem Auslandssemester aus Japan zurück“, erinnert sie sich. Beim japanischen Kulturtag der VHS sah auch sie die Taiko-Gruppe: „Ich war hin und weg“, erzählt Hauffe. Also sprach sie Meier an.

Für Hauffe geht Taiko über das Musikalische hinaus: „Es ist mehr als ein Instrument zu spielen – es ist auch Sport – körperlich anspruchsvoll.“ Zudem sei Taiko viel Miteinander und kulturelles Erleben. Insbesondere auch, weil die Gruppe viele japanisch-stämmige Mitglieder hat. „Wahnsinnig wertvoll“, findet sie das.

Vier Trommelarten spielt die Gruppe. Dazu kommen sieben weitere Instrumente wie Flöten oder Klanghölzer. Rund zehnmal im Jahr treten sie damit auf. Ein wichtiger Teil sind Choreos. Die Musiker·innen springen, rufen und tanzen beim Spielen. „Das Schwierigste ist, Klang, Körper und Geist zusammenzubringen“, erklärt Meier. Manche seien beim Training zu verkopft, würden vor allem an Noten denken. Andere achteten zu sehr auf den Körper, dann sei der Kopf nicht ausreichend dabei. Die Kombination aus allem mache den Unterschied.

Das traditionelle Bild von Taiko zeigt muskulöse Männer, die auf große Trommeln schlagen. Die Freiburger Gruppe bricht damit. Die Frauen sind hier in der Überzahl. Der Power tut das keinen Abbruch. Energiegeladen geht’s zu, auch dank eks­tatischer Tanzeinlagen der ältesten Musikerin der Gruppe (79). „Unser Ausnahme-Energie-Bündel“, schwärmt Meier. „Hoffentlich haben wir auch so eine Energie, wenn wir in das Alter kommen.“

Taiko ist anstrengend, sagt Hauffe. Doch die kollektive Energie fasziniert sie. „Man fühlt sich wie im Flow.“ Das bestätigt auch Meier: „Man ist voll im Film drin.“ Während des Konzerts spürt sie „absolut Adrenalin und Glückshormone“. Wenn es vorbei ist, folgt Erschöpfung, aber auch Freude. „Wenn man nach Hause geht, schmeckt das Bier noch besser als normalerweise.“

Für beide passt Taiko hervorragend nach Freiburg. „Es gibt erstaunlich viele Japaner“, berichtet Meier, die die Gruppe leitet. Mit ihrem Team will sie immer besser werden: „Taiko ist ein schönes Hobby, ich möchte es so gut und authentisch wie möglich umsetzen.“ Um Profi zu werden, hätte sie jedoch früher anfangen müssen: „Da muss man im Kindergartenalter starten.“

Dennoch wäre es ein Traum, einmal auf einem Festival in Japan mitzumischen. Das größte steigt auf der Insel Sado, wo die bekannteste Gruppe Kodō lebt. Beim Festival gibt es eine Mitmachbühne, die Meier und Hauffe schon erlebt haben. Doch erst mal werden kleine Brötchen gebacken: „Ich glaube nicht, dass wir da ein Bühnenprogramm reißen könnten“, sagt Meier. Dafür habe Japan zu viele erstklassige Gruppen.

Eine Reise dorthin mit einem Teil der Freiburger Crew schließt sie aber nicht aus. Wer weiß, was dann alles passiert? Doch zuerst geht’s im Oktober in den Paulussaal. Dort soll ihr bisher größtes Event steigen. Was einst die Samurai zum Kampf aufgestachelt hat, dürfte dann die Freiburger·innen mitreißen – inklusive Crashkurs in japanischer Musikkultur.

Foto: © Marc Doradzillo