Ein inklusiver Ort für alle: Die Stadtbibliothek wird 125 Jahre – und zieht eine Rekordbilanz für 2025 Kultur | 15.08.2026 | Erika Weisser

Ort der Bücher: Meike Jäger leitet die Stadtbibliothek Ort der Bücher: Meike Jäger leitet die Stadtbibliothek

Am 15. August 1901 eröffnete der damalige Oberbürgermeister Otto Winterer im einstigen Schneckenwirtshaus am Münsterplatz die „städtische Volksbibliothek und Volkslesehalle“. Es begann ein regelrechter Leser-Ansturm, der der bald auch in die Obergeschosse erweiterten Bücherei bis 1920 1,4 Millionen Ausleihvorgänge einbrachte.

Inzwischen wird diese Zahl oft in einem einzigen Jahr erreicht – und wurde 2025 noch übertroffen: „Mit über 1,6 Millionen Entleihungen und einem Besucherplus von sechs Prozent konnte unsere Bibliothek ihre Rolle als Begleiterin bei Bildung, Unterhaltung und Begegnung weiter festigen“, bilanzierte Meike Jäger im Mai 2026. Seit drei Jahren leitet sie die Bibliothek, die 1944 zerstört und vorübergehend im Augustinermuseum untergebracht wurde und 1959 bis 1963 in das am alten Platz neu erbaute Haus zurückkehrte.

Außer der Hauptstelle am Münsterplatz gehören die Außenstellen Haslach, Rieselfeld und Mooswald sowie der alle anderen Stadtteile anfahrende Bücherbus zur Stadtbibliothek. Laut Jäger nutzten im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Jahresausweis-Inhaber deren Angebote; das entspreche rund 13 Prozent der Freiburger Bevölkerung. Knapp 19.000 Besucher seien außerdem zu den rund 1100 Lesungen, Sprachcafés, Bildungsangeboten und anderen Veranstaltungen gekommen, regis­triert wurden insgesamt 477.454 Besuche. „Statistisch gesehen fand damit jede·r Freiburger·in zweimal im Jahr den Weg in die Bibliotheken“, freut sich deren Direktorin.

125 Jahre nach der Gründung kommt die öffentliche Einrichtung also noch immer sehr gut bei den Freiburgern an. Wie Meike Jäger bei der Jubiläumsfeier im Juni sagte, liege dies außer am stetig aktualisierten Bestand an Büchern, Hörbüchern und E-Books, Musikträgern sowie Games und (Brett-)Spielen auch an der Vermittlung: Sie und ihr „tolles Team“ wollen den Zugang zu Bildung, Literatur und Kultur so niedrigschwellig wie nur möglich gestalten. Ziel sei es, neben der Förderung von Lese-, Sprach- und Medienkompetenz auch einen Ort der Begegnung zu schaffen, einen „inklusiven Ort des Wissens und des Seins“.

Nach ihren Worten ist die Stadtbibliothek auf einem guten Weg zu einem solchen „lebendigen ,Dritten Ort‘, der neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz als kosten- und konsumfreier Raum der Teilhabe für alle Bürger·innen dient“. In Zusammenarbeit mit Kulturbürgermeister Roland Meder entstehe derzeit ein Zukunftskonzept, das die diesbezüglichen Potenziale der Hauptstelle untersuchen soll. Dieses Konzept werde auch aufzeigen, wie die schon jetzt oft an ihre Grenzen stoßende Hauptstelle am Münsterplatz umgestaltet werden muss, um „Raum für kreativen Austausch, lebenslanges Lernen und demokratisches Miteinander zu bieten“. Ob der von ihren Vorgängerinnen Carola Schelle-Wolff und Elisabeth Willnat ins Gespräch gebrachte Erweiterungsbau an der Rückseite des Gebäudes eine mögliche Variante sein könnte, will Meike Jäger abwarten. Immerhin habe „bisher noch niemand laut nein gesagt“.

Sie begrüßt die Ankündigung des Koalitionsausschusses, dass Bibliotheken ab Januar 2027 auch an Sonntagen geöffnet sein dürfen. Es sei schon lange ein Ziel, auch berufstätigen Menschen und Familien durch erweiterte Öffnungszeiten einen Bibliotheksbesuch zu ermöglichen. Die Stadtbibliothek, so ihr Fazit, „wird mit Steuergeldern finanziert und sollte deshalb den Bürger·innen so oft wie möglich offen stehen“.

Foto: © Rita Eggstein