Mit dem buch in der Hand – REGIO erlesen Kultur | 20.07.2026 | Erika Weisser und Marianne Ambs
Ende des Monats beginnen die Sommerferien – und diese luftig sonnige Zeit kann man nutzen, um endlich wieder einmal ein Buch am Stück zu lesen. Wie wärs mit Neuerscheinungen, die mit der REGIO zu tun haben? Wir stellen eine Auswahl vor: inspirierendes Lesefutter für wunderfitzige Menschen.
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Radikale Zeitgenossenschaft

Am 29. Juli – und damit genau zum Ferienbeginn, kommen Thomas Weiß’ „biografische Skizzen“ zu Johann Peter Hebel in den Buchhandel. „Heimatflüsterer“ nennt der in Baden-Baden wirkende evangelische Theologe und Autor darin seinen berühmten 200 Jahre älteren Wiesentäler Kollegen, dessen Werk große Literaten wie Johann Wolfgang Goethe, Bert Brecht, Kurt Tucholsky und Elias Canetti begeisterte. Der Verfasser zahlreicher Gedichte und Geschichten starb 1826; Weiß’ heitere Interpretationen tatsächlicher Ereignisse in Hebels Leben bereichern und ergänzen die Veröffentlichungen und Veranstaltungen des aus diesem Grund ausgerufenen Hebeljahrs 2026 aufs Schönste.
Vorangestellt ist den 14 Kapiteln, die je eine traurige, lustige, biblische, politische unfreundliche oder pädagogische Episode aus dem Werdegang des Dichters beleuchten, die Kalendergeschichte „Kannitverstan“, die erstmals 1808 im „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“ erschien. Diese Geschichte lehre, schreibt Weiß „dass ein Leben gelingen kann, auch wenn es nicht begriffen wird. Dass auch aus skurrilem Unverständnis Lebensweisheit erwachsen kann.“ Und dies sei für Hebel in seiner bis heute aktuellen Menschenfreundlichkeit und Liberalität ein zentrales Anliegen gewesen.
Die „geneigten Leserinnen und Leser“ – die Hebel in seinen Geschichten gerne so ansprach – haben nun die Gelegenheit, den streitbaren Theologen ganz neu kennenzulernen: Von innen und aus der Perspektive eines Menschen des 21. Jahrhunderts, der ihm in seiner Weltsicht – Ehrfurcht vor dem Leben, Neugierde und Ermutigung – aber sehr nahe kommt.
Johann Peter Hebel – der Heimatflüsterer
von Thomas Weiß
Verlag: 8Grad, 2026
120 Seiten, gebunden
Preis: 24 Euro
Kino aus Worten

Ein Schweizer mit französischem Vornamen, der im Schwarzwald lebt – das spiegelt die Vielfalt der REGIO in einer Person. Der als Chronist des Alltäglichen bekannte Autor überrascht seine Leser mit einem leuchtenden, poetischen Kino aus Worten: Mit Geschichten, in denen Realität und Fantasie verschmelzen. Zu verblüffenden und oft skurrilen Miniaturen voller Witz, Tiefe und Menschlichkeit. Mit feiner Ironie erzählt er von rätselaufgebenden Begegnungen, zauberhaften Illusionen und kleinen Wundern.
Die Straßenbahn, die ins Kino wollte
Von François Loeb
Verlag: Neptun, 2026
176 Seiten, Hardcover
Preis: 28 Euro
Zwischen zwei Polen

„Ich habe zwei Mütter“, schreibt Pascale Hugues in ihrem neuen autobiografischen Werk. Und weiter: „Zwei Mütter in einer. Und ich hätte lieber nur eine.“ Es geht um ihre Mutter Yvette, die 1929 als Französin in Straßburg geboren, zwölf Jahre darauf zwangsweise zur Deutschen erklärt und ab 1945 wieder freiwillig zur Französin wird.
Ihr zwischen diesen beiden Polen und im jungen Erwachsenenalter auch zwischen dem Charme der Bourgeoisie und der Verlockung des revolutionären Aufbruchs, zwischen Feminismus und Patriarchat changierendes Leben spiegelt ihre innere Befindlichkeit: Schwankend zwischen Hochstimmung und tiefer Depression verbrachte sie lange Wochen in der Psychiatrie und nahm sich mit 56 Jahren das Leben.
Die Tochter erfährt erst von ihrer bipolaren Störung, als sie längst erwachsen ist. Denn zu Lebzeiten der Mutter waren psychische Krankheiten ein Tabu, das man hinter schützenden Lügen verbarg. Und sie nähert sich ihr – in einer feinfühligen Erzählung von Schmerz und Lebensfreude.
So voller Leben
Von Pascale Hugues
Übersetzt von Claudia Steinitz
Verlag: Rowohlt, 2026
266 Seiten, gebunden
Preis: 23 Euro
Weg in die Verbannung

Die Salpeterer aus dem Hotzenwald geistern bis heute durch Erzählungen, die sich um freiheitsliebende Menschen ranken. In Sigrid Katharina Eismanns Roman geht es konkret um 27 Familien, die sich als Freibauern gegen die Unterdrückung durch Kirche und Krone wehrten. Zusammen mit ihrem Anführer Johann Fridolin Albiez wurden sie deshalb 1755 auf Anordnung von Kaiserin Maria-Theresia in den Banater Sumpf in Rumänien verbannt. Die Autorin ist Nachfahrin einer solchen Familie und geht auf die Suche nach Spuren – und den Ursachen ihrer eigenen inneren widerständigen Haltung.
Mein innerer Schwarzwald
Von Sigrid Katharina Eismann
Verlag: danube books, 2026
164 Seiten, gebunden
Preis: 26 Euro
Entdeckungen

Bei einem Urlaub am Mummelsee entdeckte Autorin Anne Grießer als Kind ihre Liebe zum Wasser des Schwarzwaldes. In ihrem Entdeckerbuch hat sie erfrischende Glücksorte im Schwarzwald gesammelt. Ihre Tipps sind genau das Richtige für einen heißen Julitag.
Blaue Glücksorte im Schwarzwald.
von Anne Grießer
Verlag: Droste, 2026
168 Seiten, Paperback, 16 Euro
Atempausen

Marion Stieglitz ist von Bayern nach Offenburg gezogen und hat sich in die Region verliebt. In „Meine Auszeiten“ hat sie sich den Schwarzwald vorgenommen: Sie reist vom Bodhi Path in Renchen-Ulm über Freiburg bis zu den Kurparks in Badenweiler. Neben Hotspots, die fast jeder kennt, sind auch verborgene Orte zu finden.
Meine Auszeiten – Schwarzwald
von Marion Stieglitz
Verlag: Droste, 2025
168 Seiten,Paperback, 16 Euro
Lokale Biersorten

Peter Stokman ist Bierliebhaber und Biersommelier. Seine Leidenschaft teilt er mit Menschen, die einen schönen Tag mit einem kühlen Bier krönen wollen. Beim Bierwandern entdeckt er schöne Landschaften und besondere lokale Biersorten, vom Hopfentee bis zum Spitzbuckel.
Bierwandern Schwarzwald
von Peter Stockman
Verlag: Helvetiq, Basel, 2025
295 Seiten, Paperback, 22 Euro









